Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1843)
- Date
- 1843-12-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ohne bedeutenden Einfluß auf die Vermittelung der Gegensätze der älteren und neueren Zeit, und gewann dem neuen Institute auch bei den Strenggläubigen manchen Anhänger. Das göttliche Wort in den Synagogen wurde eigentlich durch ihn erst entschieden von dem alten Deraschat-Styl, der, wenn nicht unsinnig und corrupt, doch jedenfalls fern von allem erbaulichen Elemente nur dem Scharfsinne und dem Witze huldigte, so wie von den noch sehr nüchtern aufsatzartig gehaltenen Predigten der damaligen deutschen jüdischen Kanzelredner neuen Styls, wie nicht minder von der sklavischen Nachahmung der christlichen Kirchenprcdigten emanzipirt. Salomon strömts vom Herzen, vom heiß glühenden Herzen und er ergreift das Herz mit Allgewalt. Noch mehr aber, fast zn unverhältnißmäßig mehr, glänzt der Redefluß im Goldstrahle des Geistreichthums. Nicht blos die Natur, die Bibel, die Geschichte in ihrem ganzen Umfange bis zum Tagcsereigniß sind ihm Schachten, woraus er die goldene Lehre beschwört, eine reiche Fundgrube bieten ihm noch die so oft verspotteten Rabbinen, deren schöne Gleichnisse und Kernreden in seiner geschickten, meisterhaften Fassung wie Diamanten glänzen. Eine Predigt mit Beifall und Erfolg sprechen, das ist nicht deren Feuerprobe, wenn sie gelesen wird mit Genuß und Erbauung, das ist das Siegel der Vollkommenheit für die rhetorische Schöpfung. Auch diese Feuerprobe haben Salomons Predigten bestanden. Sie sind des Israeliten „Stunden der Andacht". Man findet seine gedruckten Predigten in dem Geschäftszimmer des Kaufmanns, in dem Boudoir der Dame, auf dem Pulte des Gelehrten. Bedeutend ist ferner die Schülerzahl, die nach ihm sich gebildet, die Vielen, welche von ihm geleitet oder zur Originalität angeregt wurden. Doch wir erinnern uns der Sittenregel TJ32 DIN bvr nspJQ JHD1K und schreiten nun zur Mittheilung der Nachrichten, die uns über die Feier selbst zugekommen find. (Schluß folgt.) (Aus Berlin.) „Dr. Sachs, Prediger am Tempel zu Prag, soll in gleicher Eigenschaft hieher berufen werden. Die Männer des Fortschrittes lassen darob den Muth sinken. Beileibe nicht! Fühlte sich die starre Orthodoxie bei gesundem Leibe, sie würde nicht nach einem vr. schicken; sie ist sich im Gegentheil der Schwindsucht bewußt, darum verlangt sie nach Hülfe. Die Wahl, daS muß man zugeben, ist in diesem Sinne eine gelungene. Allein die wirkliche, wahre Schwindsucht ist nun einmal nicht heilbar!" In die Stelle des vr. Lilienthal, bisherigem Prediger und Schuldirektor zu Riga, und nun schon längere Zeit zu einem ausgedehntern Wirkungskreis nach Petersburg berufen, ist nun vr. Neumann eingetreten. Zu London hatten die Torys auf die Strenggläubigkeit der Juden speculirt und darum den Sabbat 'als Abstimmungstag für die City zur Wahl eines Parlaments-Mitglieds bestimmt. Die Juden, die in der City tausend Wähler zählen, sind nämlich, wenn auch Torys im Glauben, doch liberal in der Politik. Die politischen Torys nun hofften durch obiges Manöver, das die Juden von der Wahlschlacht fern zu halten berechnet war, einen rechten Sabbatmann, einen Mann der Ruhe und' des Stillstandes zu erlangen. Auch waren die Israeliten in der That dadurch sehr allarmirt, man stritt heftig über das einzuhaltende Benehmen, der torystische Himmel und die liberale Erde standen sich gegenüber, allein, die Verständigen siegten, und die City erhielt einen liberalen Vertreter, indem die israelitischen Wähler sich noch spät auf dem Wahlplatz einfanden. Der israe. litische Glaube ist kein spartanisches Vorurtheil, daS über deS Vaterlandes Wohl geht, und die Kämpfer in Unthätigkeit fesselt, an des Vaterlandes entscheidendem Tage. — Schon erhebt sich aber auch die englische Presse gegen das Benehmen der Machtinhaber, die durch solche Mittel ihre Ränke zu fördern suchen. (Eine Oase in der westphälischen Synode.) Tie Minorität jener westphälischen Synode, welche Letztere bekanntlich eine Petition in einem, dem menschenfreundlichen Antrag des rheinischen Landtags in Betreff der Israeliten, entgegengesetzten Sinne bei dem König eingereicht hat, hat ein Separat-Votum abgegeben, in welchem über dieses Verfahren rin scharfer Tadel ausgesprochen wird. Die besten Schützen sind doch die Meurser! sie haben ein Unthier erlegt, das mehr als alle Wölfe die Welt verwüstet, Länder entvölkert und wie die Klapperschlange ihre Opfer betäubt, die dann blind ihren unersättlichen Schlund passire». Dieses Thier heißt: Vorurtheil. Nach einem Beschluß dedortigen Bürger-Schützenvereins sollen auch Juden Könige — ihres Vereins — werden können. Das Vorurtheil ist aber nur angeschvssen, und meidet nur die Meurser Fluren. In anderer Herren Länder sitzt es sogar am Landtagstisch, die struppigen wilden Borsten mit Patriotismus gesalbt, wie in Schwerin. Tort hat die Landesregierung auf die Petition der bedeutendsten Gemeinden des Landes, um Verbesserang der bürgerlichen Verhältnisse der jüd. Unterthanen, zu verstehen gegeben, daß bei dem besten Willen von ihr:r Seite für jetzt nichts für die Sache ihrer jüdischen Unterthanen geschehen könne, indem aus die zweite verfassungsmäßig mitzuwirkende Gewalt hingewiesen wird, von welcher Seite für die günstige Lösung dieser wichtigen Frage nichts zu hoffen wäre. In Newyork soll ein neues Organ für daS Judenthum, unter dem Namen „Israelit" begründet werden. Hoffentlich wird dieser „Israelit" dem unsrigen wenigstens darin gleichen, daß er weder Bart noch Kaftan trägt. srekrorog. Breslau, 27. Oktober 1843. Unsere Stadt hat einen allgemein verehrten Mitbürger unserer Gemeinde, eine ihrer schönsten Zierden, und die Kunst einen für sie begeisterten Jünger verloren. Simon Böhm, Kaufmann, wurde uns in seinem 41. Lebensjahre durch den Tod entrissen. Mit klassischer Bildung verband er eine Fertigkeit und eine Tiefe in der Kunst der Töne, die ihn über den gewöhnlichen Dilettantismus erhob. Sein Charakter als Mensch bot die achtungSwerthesteu Seiten dar. Ein warmer, äufopfernder Freund, in unermüdlicher Wohlthäter der Arme» und bereitwilliger Be. förderer aller wohlthätigen Zwecke im Allgemeinen, hat sein Hinscheiden die allgemeinste Theilnahme erregt. In religiöser Be-