Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-12-03 · Heft 49 (3.12.1843) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 49 (3.12.1843)
Date
1843-12-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2566751-2566856-2566906--0768-2568472
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

198 zichung gehörte er entschieden dem zeitgemäßen Fortschritte an, und mit Innigkeit theilte er die Bestrebungen zur Veredlung seiner Glaubensgenossen. Noch in seinen letzten Lebensstundcn bewährte er dieses, da er den Wunsch zu erkennen gab, bei seiner Beerdigung alles das fern zu halten, was dem Anstande und dem Zeitgeiste zuwider sei. Der Vorstand der BeerdigungSgesellschast entsprach der Bitte des Sterbenden und wir sahen endlich eine anständige, angemessene Beerdigungsfeier und nicht wie gewöhnlich eine möglichst eilige Verscharrung. Tausende unserer Bewohner aller Classen folgten dem Trauerwagen bis zum Gottesacker, woselbst der Tcmpelchor einen ergreifenden Gesang anstimmte. Nabbine vr. Geiger hielt die Grabrede, die zugleich die wahrhafteste Rührung über den erlittenen Verlust aufs lebhafteste steigerte, und den Balsam des Trostes in die blutenden Herzen der Anwesenden, worunter auch der greise Vater aus Bricg, goß. Der Kapellmeister des Theaters, so wie die philharmonische Gesellschaft, deren eifrigster und wirksamster Mitbegründer der Verblichene war, boten eine feierliche Begleitung und Trauermusik an, was aber aus Rücksichten dankbar abgelehnt wurde. Wir sind durch dieses Leichenbezäuaniß um einen bedeutenden Schritt (in Ordnung und Anstand) vorwärts gegangen und erstehen von Gott, daß er uns Ersatz, dem Geiste des Dahingcschiedenen aber Ruhe und Frieden und himmlische Glückseligkeit verleihen möge. dem Trauerspiele Saul und David von Friedrich Rückert. *) Samuel und Gleasar, der Sohn Abniadab's. Samuel. Hier auf des heil'gen Landes höchster Höh', Von wo der Blick an alle fernsten Grenzen Besitzergreifend in die Runde reicht; Wo nördlich über Hermon's wald'ges Haupt Hereinragt Libanons beschneiter Scheitel, Und östlich über'n Jordan Gilead's Und Basan's heerdenweidendes Gebirg, Vom Süden Edom's Berg im Sonnenbrand, Und weit im Westen hingedehnt des Meerü Unfruchtbares Gefild, zu Karmels Füßen Der Ebene Saron Roscnpracht, und reich An Flor der Städte Philistäa's Nicdrung: Hier, mit dem Stab, aus Mosis Hand empfangen, Stand Josua, der Feldherr, Sohn des Nun, Den Stammen und Geschlechtern Jsrael's Die Lande theilend und die Loose werfend Zu ewig einzunehmendem Besitz; *) Diese auszügliche Mittheilung wird schon hinreichen: die Aufmerksamkeit unserer Leser auf diese neueste vortreffliche Schrift deö gefeierten Verfassers zu richten. D. Red. Uud jenem Heiligthum, dem wandernden. Das vierzig Jahr gezogen durch die Wüste, Wies er zuerst die erste Statt' hier an, Und fest hier stand dreihundert Jahr' die Lade, Bis sie gefallen in der Feinde Hand Am Unglückstag, an dem hier Eli fiel. Eleasar. Es soll die uns zurückeroberte, Inzwischen meiner Hut vertraute, nicht Zu ihrer Ruhstatt glorreich wiederkehren? Dich frag' ich nochmals, wie ich oft gefragt: Wann willst du her die Lade bringen lassen, Wo halb zerfallen ihre Hütte steht. Und dieser Stuhl, auf dem ihr Priester saß? Samuel. Laß, Eleasar, auf dem Stuhl mich ruh'n. Das Bergaufsteigen hat mich angegriffen. Nur schwebend ruh' ich, denn der Stuhl ist morsch. O Eleasar, Silo ist entweiht, Und keine neue Weihe soll's empfah'n. Die einem neuen Ort ist Vorbehalten, Den seiner Zeit der Herr anzeigen wird. Zeitweilig hüt' indessen Du der Lade, Wie ich auf diesem Stuhl zeitweilig sitze. Zu fallen, Eleasar, fürcht' ich selbst. Wie Eli fiel, denn meine Söhne thu'n, Wie Eli's thaten, Uebles vor den Augen Jehvva's, die das Böse nie verzeih'». Auch an den Kindern des Erwählten nicht. Den um der Kinder Sünden willen er Wird mit verwerfen. Eleasar. Wenn er Samuel Verwürfe, wen doch sollte Gott erwählen Zum Hirten seines Volks verlass'ner Heerde? Samuel. Das weiß der Herr, von dem ich'S wissen werde, WannS ihm gefällt; nun weiß ich dieß allein. Das Amt ist schwer und groß die Mühe, klein Der Lohn, wozu an mich der Ruf erging, Wozu ich die Bestallung hier empfing. Als er, wo ich bei seiner Lade schlief. Im nun verfall'nen Heiligthum mich rief. Und ich unwissend hin zu Eli lief, Von dem ich blöder Knab' erst lernen sollte. Es sei der Herr, der mit mir reden wollte. Seitdem Hab' ich nicht sorglos in der Nacht Geschlafen, sondern sorgenvoll gewacht, Auf die Erfüllung jeder Pflicht bedacht Der Bvlkeöleitung, die mir war beschieden; Und sind nun die Geleiteten zufrieden? (Schl, f.) Druck nnd Verlag von F. Schuster in Hersfeld,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.