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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-11-26 · Heft 48 (26.11.1843) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 48 (26.11.1843)
Date
1843-11-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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193 die Bedeutung des Tempels, des religiösen 18. Oktobers. Nicht wie der politische ist seine Feier im Abnehmen, nicht wie der politische ist die Theilnahme von willkürlich gezogenen Gränzen bedingt, im Gegrntheil, sie wächst mit jedem Tage, sie hat an Feinden verloren und an Freunden gewonnen. Die feindlichen Väter haben ein befreundetes Geschlecht gezeugt, ja manchem frommen Eiferer selbst ist seitdem die Binde von den Augen genommen, und das starre widerstrebende Herz erweicht worden. Und wie Viele, die heute noch verharren in unversöhnlichem Grolle wider das neue Institut, die heute noch nicht einmal wenigstens die Anerkennung des guten Willens, und die enormen Opfer für die heilige Sache unsrer Religion bei der Beurtheilung jener Edlen wollen gelten lassen, und ihrem Andenken fluchen, statt es zu segnen, erfreuen sich dennoch unbebewußt des vom „Tempel» gegebenen Jnpulses für Veredlung des Gottesdienstes, namentlich des gottesdienstlichen Gesanges, und der Einführung des lebendigen, belehrenden und erbauenden Wortes im Hause Gottes! (Fortsetzung folgt.) Wir fühlten uns schon oft versucht, der immer von Neuem wiederkehrenden judenfeindlichen Tendenz der vielgelesenen Hildburghäuser Dorfzeitung entgegen zu treten. Doch die Achtung, die wir außerdem diesem Blatte, wegen seiner tüchtigen politischen Gesinnung, edlen, populären Haltung, und acht deutschen Characters zollten, hielten uns davon zurück. Die Zeitung genügten uns als Menschen, und wir sind längst gewohnt, auch da, wo für den Menschen aufs beste gesorgt ist, den Juden mißhandelt zu sehen. Wir wollen auch gern glauben, daß der Herr anonyme Redacteur diesen Berberesken-Haß gegen deutsche Brüder, | die den lieben Gott in einem andern Gewände anbeten, nicht thrilt, und daß vielmehr eine Accommodation an die Gesinnung eines nicht unbeträchtlichen Theils der Leser jenes Blattes diese judenfeindliche Richtung bestimmt. Doch der neueste Angriff gegen die Juden ist zu ungerecht, und der Angegriffene berührt uns zu nahe, als daß wir uns dagegen verwahren sollten. In Nr. 45 dieses Jahrgangs erwähnt nämlich genanntes Blatt der Theurung der Lebensmittel in den Eisenach'schen Aemtern: Tiefenort, Vacha, Geisa, Gerstungen u. s. w., die Schuld aber trage nicht der anhaltende Regen, der Verbrauch alles Vorrathes, die Unersättlichkeit der Oeconomen, die immer höhere Preise erschwingen wollen, die Gift- oder Branntweinbrenner, die alle zum Verkauf kommenden Kartoffeln zu einem hohen Preise aufkausen — nein, die Juden sollenS sein. Sie legen sich Magazine an von Korn und Kartoffeln. Diese Beschuldigung aber ist — gelinde ausgedrückt — eine große Unwahrheit. Die Juden dieser Gegenden, die gar keine Oeconomie haben, leiden wol am meisten bei der bedauerlichen Theuerung der Lebensmittel, und danken Gott wenn sie für den eigenen Hausbedarf etwas auf Boden und in den Keller bekommen. Außerdem muß man gerade den Juden der genannten Aemter das ehrende Zeugniß geben, haß Wucher und Betrug — am wenigsten, wie es hier der Fall sein soll, mit den nothwendigsten Lebensbedürfnissen ihre Sache niemals war, und daß auch da, wo man sie aus Gnade, nach dem Ausdrucke der Dorfzeitung, ausgenommen hat (hat doch der liebe Gott aus Gnade 1000 Millionen ausgenommen), die Herren Beamten ihnen ein weit besseres Zeugniß geben werden, als es dem hämischen Berichterstatter der Dorfzritung lieb sein möchte. Freiherr von Eötvö» über die Emanzipation der ^uden. (Schluß von Nr. 47.) „Wer den gegenwärtigen Stand der Juden in Erwägung zieht, wer die Leiden dieses Volkes aufgefaßt, und sie mit allen Drangsalen des Lebens in stetem Kamps erblickt hat, wer den Reichen inmitten seines freudenlosen Besitzes beobachtet, an dessen Erwerb eine verlorene Jugend hängt, während welcher er, gleich dem Grubenarbeiter allen Freuden dieses reichen Lebens entsagend, im Finstern nach dem theuren Goldschacht spähte, um dessentwillen er so viel erfahren, so vieler Täuschungen verlustig gegangen, so viele Qualen erlitten: — wer ein solches Dasein, wozu wir dieses unglückliche Volk verdammt, in seiner ganzen Entsetzlichkeit aufgefaßt; wer zu begreifen vermag, waS es heißt: verachtet werden, wenn wir in das Leben eintreten, leiden, so lange wir unsere Laufbahn verfolgen, und wenn wir endlich das Ziel erreicht, nichts als Neid zu finden und keine andere Genugthuung, als diejenigen verachten zu können, die einst so verächtlich auf uns herabgesehen — wer dies zu erwägen vermag, der kann über diese Frage nicht länger in Zweifel sein; und sind nur erst die Besseren der Nation von der Gerechtigkeit einer Sache durchdrungen, so gibt es keine Macht auf Erden, die ihre Realisirung noch länger hinauszuschieben vermöchte. Das Gute, so lange sich demselben nicht Vorurtheile und falsche Begriffe entgegenstemmen, kann unter den Menschen zu jeder Zeit auf die Mehrzahl rechnen: nun kann aber das Vorurtheil, welches der bürgerlichen Gleichstellung der Juden bisher hemmend in den Weg trat, in unserem Jahrhundert in keinem Falle mehr lange bestehen. — Ich bin weit entfernt, die Schwierigkeiten, mit denen die Emancipation der Juden in unserem Vaterlande heut zu Tage noch verbunden ist, in Abrede stellen zu wollen. Die Gesellschaft kann gegen Niemand ungestraft eine Ungrgerechtigkeit begehen, und wenn auch auf keine andere Weise, so findet sie doch darin ihre Strafe, daß sie diejenigen, die sie Jahrhunderte hindurch gefesselt gehalten, ohne Gefahr nicht zu befreien im Stande ist; und es mag wol zu befürchten sein, daß auch die bürgerliche Gleichstellung der Juden im ersten Moment nicht ohne Mißbräuche bleiben werde. — Es mag zu befürchten sein, daß bei dem gegenwärtigen Standpunkt der Meinungen und Ansichten, wo in dieser Beziehung unstreitig noch viele Vorurtheile herrschen, — die Gereiztheit gegen die Juden, durch deren gesetzliche Erlösung, nur noch zunehmen, und demnach die Abgeschlossenheit, worin diese Nation bisher gelebt, durch die Macht der Gewohnheit aufrecht erhalten, im gesellschaftlichen Verband eine lange Zeit noch fortdauern werde. Allein die Zeit schreitet unaufhaltsam fort, und in dem Jahrhundert, worin wir leben,

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