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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-11-12 · Heft 46 (12.11.1843) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 46 (12.11.1843)
Date
1843-11-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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184 Während näntlich dort, (wie z. B. beim Protestantismus) begabte und begeisterte Lehrer an die Spitze sich stellten und ihren für eine höhere Ansicht schon etwas empfänglich gewordenen Zeitgenossen, diese mit Energie und der Macht des beredeten Wortes verkündeten, während dort demnach die Reform im Geiste begann, in einer lichtvolleren Auffassung der Lehre ihren ersten Entstehungspunkt hatte, war es bei uns umgekehrt, die Vorsteher der Religion, die Lehrer und Rabbinen hatten noch keine Ahnung davon, daß das pharisaisch-rabbinische System irgend eine Aenderung erleiden, die Masse von überkommenen Satzungen und Gebrauchen auch nur um ein Jota vermindert werden dürfe, als das Leben die Nothwendigkeit davon predigte, als mit der freieren Thatigkeit, mit dem Eintritt in staatliche und bürgerliche Berufszweige, welche bald nach dem durch die erste französische Revolution bewirkten Umschwung des öffentlichen Lebens für die Bekenner des mosaischen Glaubens erfolgte, für diese auch die Nothwendigkeit entstand, sich über eine nicht unbedeutende Anzahl rabbin. Zeremonialgesetze hin- «egzusetzen. Es war dieses auch ganz natürlich. Diese Satzungen waren ja meistens in der isolirten Stellung der Juden entstanden, hatten dort nur einen Boden, ja wohl auch eine gute und segensreiche Wirkung; sie mußten daher für die Laien ihre Bedeutung verlieren, als die Rabbinen bei dem Mangel an freier wissenschaftlicher Ansicht noch fest daran hielten, die ersteren aber, in freiere Berührung mit den Nichtisraeliten und dem bürgerlichen Leben gekommen waren. Diese eigenthümliche Entstehung einer Reformation hat aber doch eine gewisse Unsicherheit der Uebcrzeugung, einen Mangel an dem Muth und der Energie derselben bei unfern Anfgeklärten hervorgebracht, der leider! bis auf den heutigen Tag noch nicht verschwunden ist. Zwar ward bald durch Mendelssohn und seine Schüler eine Reform auch im Geiste bewirkt, eine erleuchtete Auffassung der mosaischen Lehre vermittelt, aber wahrhafte Bildung war damals noch zu wenig verbreitet, als daß die Schriften jener Männer in größere Kreise hätten dringen können. Besser ward es schon, als geordnetere Schulen entstanden, als neue Religionsbücher, die mehr den sittlichen, humanen Geist der israelitischen Religion zu entfalten suchten, in denselben eingeführt wurden, als hie und da, und besonders in größer» Gemeinden, aufgeklärte Prediger das Wort Gottes in seiner Reinheit vortruqen und auf das Unvernünftige und Unzeitgemäße des starren Rabbinismus hinwiesen; aber bei dem Eifer, mit welchem noch die hyperorthodoxen Rabbinen — und deren hatten fast noch alle Gemeinden — an das Hergebrachte hielten, und bei dem Vertrauen, welches noch die Masse zu ihnen hatte, ermangelten ihr jene bessern Bestrebungen der rechten Autorität und konnten unmöglich so recht in daS Volk dringen. Erst dann, als wissenschaftliche Bildung die jüngeren Rabbinen fähig gemacht hatte, in die höhere Anschauung der Zeit rinzutreten, als sie diese theils in ihren Vorträgen, theils in einzelnen Schriften entwickelten und geltend machten, und besonders als Zeitschriften entstanden, in welchem die anerkanntesten Männer und Autoritäten sich verbanden, um für Erweckung einer geläuterten Religionsansicht thätig zu fein, durfte man eine raschere Verbreitung derselben mit größerem Rechte erwarten. Allein die Erfahrung hat leider! gezeigt, daß trotz dem die Wirklichkeit weit hinter den Hoffnungen der Bessergesinnten zurückgeblieben, daß es an einer Festigkeit der Ueberzeugung, an einer Entschiedenheit der Gesinnung noch Vielen unter uns gebricht, und daß das, was die rationell-gesinnten Rabbinen in Wort und Schrift lehrten, von gar Vielen noch nicht verstanden, noch lange nicht nach seiner ganzen Bedeutung gewürdigt wird. (Schluß folgt.) des Tages. Der evangelische Bischof Alexander zu Jerusalem empfiehlt sich nicht gut durch seine verfertigten Arbeiten. Er hat zwar auS einem Paar jüdischen Lumpen einige Stück Christen gemacht, allein sie haben nicht Stich gehalten, und die Naht ist wieder aufgegangen. Er hat aber auch mit gar zu schlechtem Drath genähet. Der „Orient" veröffentlicht nämlich ein Schreiben voller Buß- und Reueworte einiger zum Christenthum bekehrter, aber nun wieder umgekehrter Jerusalcmiten; sie erzählen darin, wie man sie durch einen dortselbst berüchtigten Convertiten eine längere Zeit mit Geld zu Genüssen und Wohlleben versehen habe, und nachdem sie des Guten gewöhnt, des Geldes aber baar gewesen seien, haben sie sich, auf das Versprechen, immer mit Geld versorgt zu werden, taufen lassen. Zu solchen Eroberungen bedarf cs keines Alexanders. ' Die Hamburger Israeliten leben jetzt erwartungsvoller Stunden, indem in der Kürze ihr künftiges Schicksal in bürgerlicher Beziehung zur Entscheidung kommen wird. Die Gesinnung des Senats, wie sie sich durch eine aus dessen Mitte niedergesetzte Commission über Liesen Gegenstand zu erkennen gab, verspricht eine Lösung im humanen Sinne. Von der erbgesessenen Bürgerschaft, wo weltliche Interessen und mitunter niedrige Borurtheile die göttliche Sache des Rechtes und der Wahrheit trüben, ist man sich dessen nicht ganz so sicher. In den Hamburger Loral-Blättern wird nun schon wochenlang aufs heftigste dafür und dagegen gekämpft. Die Israeliten sehen sich dort viel gelobt und geschmeichelt, getadelt und gescholten. Heute reicht die Presse den Hoffnungen Israels ein Brausepulver, morgen Cremor tartari, heute regiert Ormuzd, morgen Ahriman. Doch zeigt sich im Ganzen, daß dortselbst die Stimmen für das Recht der Israeliten gegen früher an Zahl und Bedeutung gewonnen haben. Das russische Gouvernement muß mit seinen 10,000 jüdischen Kriegern keine niederschlagenden Erfahrungen gemacht haben, da dasselbe nach einem neueren Ukas auch die polnischen Israeliten nun, ohne Verzug, zu dem Waffendienste zieht. Stellvertreter

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