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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-11-12 · Heft 46 (12.11.1843) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 46 (12.11.1843)
Date
1843-11-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Ei«- Wochenschrift für die Kemitniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Dr. M. Heß, Großherrogl. Weimarschem rand-Ravdinen ,u Stadt-LengSseld bei Eisenach. Sk». 4«. Sonntag, den IS. November 184». IV. Jahrgang. Der Franksnrter Resormverei«. Erster Artikel. Die rechte Stellung -er Sache. Nachdem wir in Nr 43 dieser Blatter unsere Leser mir dem Hergang der fragl. Angelegenheit bekannt gemacht und ihnen die betreffenden Aktenstücke mitgetheilt, durften dieselben wol erwarten, daß wir bald die Sache selbst in besonderen ihr gewidmeten Artikeln zu beleuchten suchen werden, und wir verfehlen es nicht, daß wir dieses mit demselben freudigen Interesse tdun, mit welchem wir bis jetzt im Stillen diese Angelegenheit verfolgten. Ist ja das, was die Frankfurter Reformfreunde erstreben wollen, ein lebenskräftiges, menschenwürdiges, zeitgemäßes Judenthum, auch das Ziel unseres bisherigen Strebens gewesen, haben wir es unverholen ausgesprochen, daß der starre Rabbinismus der Feind ist, den wir mit der ganzen Macht, welche die Wahrheit, welche Gottes lichte Sache in sich fasset, bekämpfen wollen, und war ja das Wort, welches der Reformverein an die Spitze seiner Bestrebungen gestellt, das er zum Mittel- und Endpunkte seines Wirkens machen will: der lautere wahre, reine Mosaismus, die heilige Idee, welche auch uns begeisterte, die wir — wir dürfen es geradezu sagen — zuerst wieder, nachdem man schier sich vor ihr zu fürchten schien, auszusprechen wagten, und deren allmahlige und allzeitige Verwirklichung fortan die Tendenz dieser Blätter geblieben. Mit freudiger Erhebung, ja — warum sollten wir es leugnen? mit wirklicher Begeisterung wenden wir daher dem Reformverein unsere Aufmerksamkeit zu, gehen vor Allem daran, die rechte Stellung der Sache, ihre wahrhafte eigentliche Bedeutung, den Gesichtspunkt von welchem aus allen sie richtig erkannt und gewürdigt werden können, zu vermitteln. Es begleitet uns dabei allerdings eine gewisse schmerzliche Empfindung. Wir haben nämlich auf einer kürzlich gemachten Erholungsreise mehrfach Gelegenheit gehabt, die verschiedenartigsten Urtheile über das Programm des Frankfurter Reformvereins zu hören, und wenn wir uns dieselben vergegenwärtigen, so müssen wir zu unserem großen Verdrüsse uns sagen, daß sie selten den rechten Punkt getroffen, daß sie die Sache mehr mit der Phantasie und unklaren, verschrobenen Empfindungen, als mit klarem, bellem Blicke auffaßten, mehr an Nebenpunkte, scheinbare Consequenzen und Mißdeutungen als den eigentlichen Kernpunkt der Sache hielten, mit einem Worte, auf's Neue beweisen, daß die geistige Richtung, welche das einseitige talmudische Studium unter unfern Glaubensgenossen feit Jahrhunderten hervorgerufen, noch nicht vernicht^ ist, sondern viele von uns noch immer hindert das wahre Wesen einer Sache, ihren einfachen sittlichen Gehalt zu erkennen.— Um so mehr ist es daher Pflicht, die rechte Einsicht in diese Angelegenheit zu vermitteln, und es wird uns dieses zuversichtlich bei allen unseren Lesern gelingen, wenn dieselben den nachfolgenden Bemerkungen ihre Aufmerksamkeit nicht versagen wollen. Es war nämlich von den nachhaltigsten Folgen, daß im Judenthum die Reform auf eine ganz andere Weise vor sich ging, als in andern Religionsbekenntnissen.

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