Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1843)
- Date
- 1843-11-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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18« Berührung gleichsam verpestet hat, weder feines Geschirrs zur Bereitung von Speisen noch seines Messers um Brod damit zu schneiden, darf er sich bedienen. Er verdammt denjenigen, der die gebotene Ruhe des Sabbaths dadurch stört, daß er mit einem Sacktuch in der Lasche die Schwelle seiner Thüre verlaßt; der einen Groschen berührt, obschon er ihn feinem Bruder reicht, um sich dafür Brod zur Stillung seines Hungers kaufen zu können. In den Tagen, wo der Genuß gesäuerten Brodes untersagt ist, findet sich in einem seiner Geschirre ein vermutlich mitgekochtes Getraidekorn, man kennt die Zeit nicht, wo es dahin gekommen ist. Der Besitzer ist mit der Strafe der Ausrottung feines ganzen Geschlechtes von ihm bedroht, nrD wenn er nicht sein ganzes Koch- und Eßgeschirr gänzlich zerstört, nicht einmal der Genuß ist ihm gewährt, es einem Nichtjuden zu schenken. Zur Zeit der monatlichen Reinigung, ist dem Ehemann nicht erlaubt mit seiner Frau aus einer Schüssel zu essen, er darf nicht zu gleicher Zeit mit ihr einen Gegenstand berühren, und muß auf die indecenteste Art sein Verhältniß zu seiner Frau dem Hausgesinde und seinen unmündigen Kindern offenbaren. 12 Foliobände würden kaum hinreichen, einen vollständigen Auszug zu liefern von den Verboten, die dem liebevollen Schöpfer, in dem Talmud und in den 1000 seiner Erklärer ang-- dichtet werden, besonders wenn man noch die herabwürdigenden antropomorphistischen Vorstellungen derselben hinzufügen wollte. Alle, Haß und Verachtung des Judenthums verbreitende Schriften von dem berüchtigten Eisenmenger bis auf den Judenbekehrungsmissionar M' Caul in seinem Nesiwat Olam, haben nicht ihre Donner, sondern was tiefer verwundet, ihren oft nur zu gerechten Spott mit angeführten Stellen aus dem Talmud und den Rabbinen, seinen Fortsetzern. Wohl haben in neuerer Zeit einige deutsche Rabbinen angefangen, ihre Stimme gegen mehrere Mißbrauche zu erheben, sie hielten sich aber meistens nach acht deutscher Art*) an der theoretischen Spekulation, an der Wissenschaft (mit welchem Namen sie auch das Talmudstudium beehren); sie bestreiten die Autorität des Talmuds nicht, sie suchen aus ihm zu beweisen, daß dies oder jenes nicht in seiner Absicht lag. Allein was laßt sich aus einer, ohne Methode und ohne System gemachten, Compilation von Sagen und Aussprüchen so vieler an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten gelebten Männer, nicht alles beweisen? Wenn der fortschreitende A. oder B. seine Meinung aus Traktat Erubim oder Edujoth begründet zu haben *) Die später und nur durch Leistungen deutscher Gelehrten zum Bewußtsein gekommenen englischen Juden, haben nach Art ihrer Landsleute gleich praktische Anwendung der ihnen bekannt gewordenen Theorien gemacht. Nach Angabe öffentlicher Blätter hat der neue Londoner Tempel die Absicht, sich ganz vom Talmud loszusagen, wozu bereits trefflich der Anfang gemacht ist. glaubt; flugs ist der conservative X. oder U. mit seinem Anatheme bei der Hand, was er aus einer Stelle im Sanbedrin oder Makoth beweist, und ein hundertstimmiger Chorus von Rabbinlein ruft: steiniget! steiniget! Die Gegenschrift ist in hebräischer Sprache verfaßt, denn der Chorus versteht kein Deutsch, das durch Geschrei so Vieler betäubte Publikum kein Hebräisch, und so kommt mit dem gemeinen Sprüchwort zu reden, die Kuh nie vom Eise. Die Zeit ist aber da, wo man aus der zaghaften Defensive in eine herzhafte Offensive übergehen kann. Ein großer Theil der jüdischen Jugend hat wissenschaftliche Erziehung genossen, die Autorität der Rabbinen ist sehr im Publikum gesunken, selbst als Rabbinatscandidat wagt keiner 'mehr aufzutreten, der sich nicht mit zurückgelegtem regelmäßigem Schriftstudium auswrisen kann; eine gesunde Exegese hat bei den nur einigermaßen Unterrichteten die alte Mirtrick verdrängt; dem Zweifler (die größte Zahl) braucht man nur die nackte Wahrheit der verdrebeten entstellten entgegenzustellen, und dem unverdorbenen Gradsinn wird die Wahl nicht schwer fallen. Man schildere dem größern Publikum in ihm zugänglichen Schriften, die Wahrheit des von allen Völkern der Erde hochverehrten ächten Judenthums, man zeige ihm den verhaßten Stand in den es seine Rabbinen versetzt haben. Man zeige den sich nennenden Rabanem, daß man ihr Wissen nicht fürchtet und es zu würdigen weiß, und bereite so, wenn auch für künftig (doch hoffentlich nicht zu sehr entfernte) Zeit, die Lossagung des wahren Judenthums, von dem ihn entstellenden Rabbinismus vor, damit erstens seinen verdienten Rang einnehmen,.und die zu ihm sich Bekennenden in den Reihen der übrigen Nationen brüderliche Aufnahme finden möge. Dann werden die Verheissungen des Propheten in Erfüllung gehen: In diesen Tagen wird es nur einenHirt und eine Heerde (wenn auch von verschiedenen Farben) geben. Getchichtr des Tages. Neber unsre Glaubensbrüder in Ancona klärt der Himmel sich wieder auf. Das Frankfurter Journal berichtet hierüber: „Die von Seiten des. Großinquisitors gegen die hiesige israelitische Gemeinde angeordneten Maßregeln sind in Folge eines Befehls von Nom suöpendirt worden. . . . Die israelitische Gemeinde verdankt diese Bestimmung einzig und allein der Gnade (warum nicht lieber der Gerechtigkeit?) Sr. Heiligkeit als das Resultat einer unmittelbaren Supplik. Ferner darf nicht unerwähnt bleiben, daß die großmüthige und erfolgreiche Verwendung des Nothschild'schen Hauses zu dem günstigen Erfolge wesentlich beigetragen hat. Alle übrigen in mehrere öffentliche Blätter übergegangenen Versionen über diese Angelegenheit entbehren, wie wir zuverlässig versichern können, einer jeden Begründung."