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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-11-05 · Heft 45 (5.11.1843) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 45 (5.11.1843)
Date
1843-11-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Sitte Wochenschrift für die Kemitniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Dr. M. Heß, Großherzogl. Wcimarschem ^and-Ravbinen zu Sradt-Lengsfeld bei Eisenach. 9kl?. 4L. Sonntag, den 5. November 1842. Iir. Was Lhut unserer Zeit Roth? (Aus S — g eingesendkt. *) Wie kömmt es, daß man in dem jetzigen philantropischen Zeitalter, wo man nur Menschenliebe und Duldung predigt, allgemeine Wohlthätigkeitsinstitute stiftet, wo für die Menschenrechte afrikanischer Neger Staatsmänner ersten Ranges während ihres ganzen Lebens ihre Thätigkeit verwendeten, wo die englische Nation allein zweihundert Millionen- Gulden dafür auf einmal opferte, noch jährlich Millionen opfert und zu demselben Zwecke sich sämmtliche europäische Mächte feierlichst verbunden haben, wo man selbst für Mörder und Räuber Sympathie äußert, und wie ein witziger deutscher Dichter sagt, heute noch den von der Angina zu heilen bemühet ist, der morgen gehängt zu werden verurtheilt ist, dennoch immer noch von Judenhaß hört, immer noch der Jude sich fast überall bedrückt und zurückgesetzt fühlt. Sollte diese Anomalie so ganz unerklärlich seyn? Mir bot sich bei ernster Erwägung dieses Gegenstandes Folgendes dar: allerdings gab es Zeiten, wo man im Religionseifer Judenabschlachtungen in Massen vollführte, Kreuzzüge gegen Ungläubige führte, Stämme und Nationen — selbst Christen durch Christen — ausrottete; diese Zeiten gehören der Vergangenheit. *) Obgleich die Richtung des Verfassers, der noch ganz der Zriedländerischen Schule anzugehoren scheint, eine etwas excentrisch-rationalistische ist, so enthält seine Mittheilung doch im Einzelnen so manche treffende Bemerkungen, die wohl einer großem Verbreitung würdig sind. Ncdaction. Ruhig und geachtet leben hundert Sekten neben einander; selbst zur Erhaltung der Macht und der Unabhängigkeit des Jslamismus ist das ganze christlich« Europa innigst verbunden: und der Jude sollte wegen seiner Religion gehaßt werden? Der Fetischdienende Afrikaner, der heidnische Südseebewohner, der Menschenfreffende Neuseeländer wird bedauert, man ist bestrebt, ihnen sammtlich europäische Sitten und Unterricht zu bringen, um sie der Glückseligkeit zuzuführen , die dem gesitteten Menschen zu erlangen möglich ist. Blos der Jude? — Er wird nicht gehaßt. Man kann aus Neid, aus politischen Gründen, wegen Erwerbskonkurrenz Jemanden Haffen, ihm zu schaden bemühet sein, ohne ihm die gebührende Achtung zu entziehen: der Jude wird zum Theil verachtet. Er wird als entschlossen betrachtet, sich der europäischen Gesittung, in deren Mitte er sich seit tausend Jahren befindet, nicht anschließen zu wollen, der Jude A. oderB. kann sich auszeichnen, kann sich Achtung erwerben. — das rabbinische Judenthum als Concretum, als moralische Person, erlangt dadurch weder bei der Gesetzgebung noch in der öffentlichen Meinung einen Vortheil. Die Juden, als Träger der erhabensten Lehre von der Einheit eines Schöpfers, eines allgütigen, allbarmherzigen Vaters aller seiner Geschöpfe, der das Gute belohnt, und nur Laster, Vergehen gegen Gott und Menschen bestraft, haben sich von ihren Rabbinen einen Götzen aufdringen kaffen von der lächerlichsten Launenhaftigkeit, an dem sie festhangen bleiben. Er zürnt demjenigen, der mit seinem freundlichen Nachbar sich zu einer fröhlichen Mahlzeit vereinigt, er darf ein Glas Wein nicht trinken, das er mit feiner

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