Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1843)
- Date
- 1843-10-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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«3 waschen, den ganzen Lag, bis zum Sonnenuntergang zu fasten, eine Anzahl täglicher Gebete zu beten, die Wallfahrten, das Herumgehen um den Altar u. dergl. offenbar arabischen Ursprungs. Auch aus Haß gegen solche Nationen, die ihren Staat zerstöret, auch sie nachher mancherlei Unterdrückungen haben ausstehn lassen, sind von den Juden verschiedene Gebrauche, und unter andern viele Neligionsgebrauche die den griechischen und römischen entgegengesetzt sind, angenommen worden. Hierzu harren die Rabbincn die mosaischen Gesetze selbst zum Vorbild, die theils mit den einmal eingewurzelten egyptischen Gesetzen übereinstimmten, theils diesen entgegengesetzt waren; wie dieses der berühmte Maimonides in seinem Werke, More Newochim aufs gründlichste gezeigt hat. Merkwürdig ist es, daß bei allen rabbinischen Ausschweifungen -in Ansehung des praktischen Theils, nemlich der Gesetze und Gebräuche, der theoretische Theil oder die lüdische Theologie noch immer rein erhalten hat. Eisenmenger mag sagen was er will, so kann man doch aus unwiderleglichen Gründen darthun, daß alle eingeschränkte bildliche Vorstellung von Gott und seinen Eigenschaften bloß in einem Bestreben, die Begriffe der Theologie dem gemeinen Verstände anzupassen, ihren Grund haben. Sie folgten hierin dem Grundsatz, den sie in Ansehung der heiligen Schrift selbst festgesetzt hatten: die heilige Schrift bedient sich der Sprache des gemeinen Mannes, indem religiöse und moralische Gesinnungen und Handlungen, als der unmittelbare Zweck der Theologie, auf diese Art am besten ausgearbeitet werden können. Sie stellen daher dem gemeinen Verstände Gott als einen irdischen König vor, der sich mit seinen Ministern und Kabinetsräthen, den Engeln, über die Negierung der Welt berathschlagt, dem ausgebildeten Verstände aber suchen sie alle anthropomorphistischen Vorstellungen von Gott zu benehmen, indem sie sagen: die Propheten haben viel gewagt, indem sie den Schöpfer seinem Geschöpf ähnlich vorstellen wie es z. B. bei Ezechiel 2, 26. heißt, und auf dem Throne war eine dem Menschen ähnliche Vorstellung. (Schluß folgt.) SrlchichLc des Tages. Aucb inmitten israelitischer Gemeinden der civilisirtesten Länder Europas, fallen nicht selten die empörendsten Prellereien vor, wenn einem verblichenen Fremden ein Plätzchen auf dem Gottesacker zur ewigen Ruhe, einzuräumen ist. Für 18 □ Fuß des Erdbodens wird oft ein Preis gestellt, der den eines ganzen Morgen Landes übersteigt. Eine solche Handlungsweise ist um so verabscheuungswürdiger, da sie der Hilfslosigkeit Hohn spricht $rb da sie sich der Noth und der Bestürzung des Hinterbliebenen gegenüber geltend macht, da sich Alle bei dem Raube betheiligen, da der öffentliche Ausdruck des Gemeinwesens den säubern Handel sanctionirt, und dem Einzelnen ein böses Beispiel gibt, wie man sich in Roth des Nächsten zu benehmen habe. Am blühendsten ist aber dieser Handel in Konstantinopel. So kostbar liegt kein Kaiser gebettet, wie es dort mit den verstorbenen fremden Israeliten geschieht. 4000 Piaster ist die Abfindungssumme, die der Chacham-Pascha dafür in Anspruch nimmt. Und wenn sie aufzutreiben ist, diese Summe, muß sie ihm werden, denn für die fremden Israeliten gibt es dort keinen Gottesacker. Desfallsige Beschwerden bei dem Sultan wurden abgewiesen. Man mische sich nicht in die innern Angelegenheiten der Israeliten. Graf Stürmer, der östreichische Gesandte bei der Pforte, unterstützt von den englischen und toscanischen Gesandten, erhoben darüber Beschwerde und verlangten, daß die Pforte wenigstens dahin wirke, daß für unbemittelte Personen die Erlaubm'ß zur Bestattung der Leichen herabgesetzt würden. Möge dieses grell hervortretende Beispiel der niedrigsten Habsucht unsere Gemeinden belehren, welcher Natur solche Vorkommnisse auch bei ihnen seien, und wie die sich von den constantinopolitanischen Vorkommnissen nur in dem Grade der Unbilligkeit unterscheiden. Tie Allmacht der Börse hat sich auch in Breslau bewährt. Es sott dort eine Börse errichtet werden, an der auch Juden Antheil nehmen dürfen. Ein Experiment zur Prüfung der angeführten Eigenschaft, kann Jeder im Kleinen mit seiner bescheidenen Privatbörse machen. Auch ist dort große Freude, über die Wahl zweier jüdischen Kausieute zu Ossicieren des Bürgermilitärs. Die Staatstrompeter brachten Morgenständchen, einige Herrn Ofsiciere von der Linie und das versammelte Publikum, sahen mit Freuden die pünktliche Auösührung des Commando's und den Parademarsch mit klingendem Spiele mit an rc. So erzählt ganz entzückt ein Correspondent aus Breslau. Tie Concession ist aber auch groß. Tie Trompeter des christlichen Staates bliesen und die Herren Offiziere von der christlichen Linie freueten sich, da der Bürger den christlichen Handschuh auSzog und dem jüdischen Bruder einen Finger reichte, frank und frei, ganz vernünftig, wie Menschen'. Ncber die im vorigen Jahre von dem Culturvereine zu Berlin gestellte Preisaufgabe — die historische Erörterung des NabblnenthumS — auf deren glückliche Losung ein Preis von 200Thalern gesetzt war, ist keine Arbeit eingegangen. Der Gegenstand ist auch, in der That, so schwierig, wie interessant. Ter Verein hat nun dieser Frage engere Gränzen gesetzt, und es wird nun gefordert: Eine historische Uebersicht von demRabbinen- und Predigevwesen, seit dem Jahre 1782, bis auf die neueste Zeit, verbunden mit einer Einleitung über die frühem Zustände, und einer Darstellung der Bedürfnisse der Gegenwart. Zu gleicher Zeit wird auch folgender wichtige Gegenstand, für dieser Jahr, als Preisfrage gestellt, und auf deren Lösung gleichfalls 200 Rthlr. ausgesetzt: Nämlich die Ausarbeitung eines zum Unterrichte für Lehrer und zur Lektüre Gebildeter geeigneten Handbuchs der jüdischen Geschichte von Alexander dem Großen bis auf unsere Zeit. Die Fragen verdienen die volle Aufmerksamkeit unserer Gelehrten, und den Wunsch, die baldige tüchtige Lösung gesunden zu sehen.