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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-10-22 · Heft 43 (22.10.1843) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 43 (22.10.1843)
Date
1843-10-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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m Am 7. September fand zu Hamburg die Weihe des neuen jüdischen Gemeinde-Krankenhauses statt. Der Platz, den das Gebäude cinnimmt, im Werthe von 100,000 Mark, hat der Senat dazu geschenkt. Zu den Baukosten trug der bekannte Menschenfreund Salomon Heine 115,000 Mark Banko bei. Außer den Wohnungen für die Angestellten, und den Zimmern für Aerzte und Verwaltung, befinden sich darin Säle und Zimmer für 100 Kranke. Für Kostgänger finden sich einzelne Zimmer vor, die für ihren Zweck und mit allen wünschenswrrthen Bequemlichkeiten aufs Beste eingerichtet sind. Ebensowenig fehlt es an einem OpcrativnSzimmer, Lokalen für Gemüthskranke :c. deren Einrichtung der fortgeschrittenen Wissenschaft in diesem Fache ganz entspricht. Für Pocken- und sonstige Hautkranke steht in dem sehr geräumigen und geschmackvoll eingerickteten Garten ein Lokal mit 20 — 28 Betten. Ferner befindet sich ein hübscher Betsaal darin, mit fünfzig Ständen für Männer und Frauen. In den Küchen, deren sehr zweckmäßige Koch- und Heizapparate eine neue Erfindung des Mechanikus Libberz und des Apothekers Zeise sind, ist Rücksicht auf die separate Einrichtung für die Bereitung von Fleisch- und Milchspeisen genommen werden. An Geschenken für den Betsaal sind eingegangen: eine silberne Ampel zum N er Tamid, eine Sefer Tora mit den üblichen silbernen Verzierungen, ein Kiddusch-Bccher nebst Gewürzbüchse und ein herrlicher, rothsammtener, goldgestickter Vorhang vor der heiligen Lade, der ein bewunderungswürdiges Kunstwerk genannt wird. Zur Einweihung hatten sich, auf geschehene Einladung, mehr als 500 Gäste eingefunden, worunter die Herren Bürgermeister, viele Syndici und Senatoren, die fremden Gesandten, die Altonaischen Regierungs- und Magistratsbehörden, die Vorstände der Hamburger und Altonaer portugiesischen und deutschen israelitischen Gemeinden, viele jüdische und christliche Geistliche :c. Der Gemeindevorsteher und Chef der Bauverwaltung W. D. Herz und der erste Spitalarzt vr. Heilbut hielten angemessene Reden. Die Schäffrrsche Liedertafel dortselbst, hob durch ihre gelungene Mitwirkung die schöne Feier des Tages. Die Stoffe aus dem Auslande zu beziehen, und sie verarbeitet wieder zurückzuschicken, war schon längst des Engländers Art und Weise. Wir haben Gelegenheit zu einer neuen derartigen Erfahrung. Gemischte Ehen, wenn der eine Theil jüdischer Religion ist, können in Hamburg, wie in dem überwiegend gröften Theil Deutschlands, kirchlich nicht geschlossen werden. Doch ehrt man die Natur in soweit, daß man gemischte Ehen in genannter Stadt, zu dulden geneigt ist. Wenn daher dortselbst die Neigung oder der Vorthcil aus verschiedenen kirchlichen Lagern sich zusammen findet, so reisen die Betheiligten nach England, — waö jetzt von dort aus eine Kleinigkeit ist, — werden dort, ohne Hindcrniß getraut, und die gemischte Ehe ist fertig. In Hamburg sollen auf diese Weise die gemischten Ehen sehr in Aufnahme kommen. Bei manchen derselben werden die Kinder christlich, und bei andern jüdisch erzogen. Wenn die geistliche Douane sich nicht hinein legt, so kann die gemischte Ehe unter dem Export Englands ein stehender Artikel bleiben. Kurze Anzeigen und Kritiken. Die Emanzipation der Juden, aus dem Ungarischen des Freiherrn von Eoetvoes. Zweite Auflage. Pesth, bei Philipp Korn. So kräftig, begeistert und gediegen hat sich lange keine Stimme für die rechtliche Gleichstellung der Juden vernehmen lassen, als diese Schrift eines Edelmannes im wahrhaften Sinne des Wortes. Sie hat darum in Ungar» unter allen Freunden der Humanität die lebhafteste Sensation erregt, und wir empfehlen daher die Uebersetzung allen unseren deutschen Mitbrüdern auf das Angelegentlichste. Die Judenfrage von B. Dauer, näher beleuchtet von H. Pbilippsohn. Dessau 1843- Fritsche und Sohn. Eine kleine, aber recht interessante Schrift, in welcher die Schlagpunkte in der Bauerschen Abhandlung kurz zusammengcdrängt und mit Witz und Scharfsinn widerlegt werden. Möchte sie einer großen Verbreitung sich erfreuen! Beiträge zur Beurtheilung der neuesten Literatur von August Boden. Mainz 1843, Faber. Diese Schrift hat insonders, für Israeliten darum Interesse, weil sie auch die Schriften über Emancipation der Juden bespricht, und zwar mit edler Humanität, frei von allen Jrrthümern und Vorurtheilen, wie sie leider! unter christlichen Theologen, zu denen der Verfasser gehört, nicht selten herrschen. Wir zweifeln nicht, daß sie auch ihr Schärflein zur Aufklärung einer der wichtigsten Fragen der Zeit beitragen wird, und empfehlen sie mit Freuden unseren Lesern. Bekanntmachungen. Wohlfeilste israelitische Schulbücher. Durch alle Buchhandlungen, in Hersfeld und Homberg durch F. Schuster ist zu beziehen: ABVAJhlOJSr I. Erstes Lese- und Sprachbuch für die israelitische Jugend, zur Weckung religiöser Gefühle. Von H. Jacobson. Preis gebunden nur 5 Sgr., roh 4 Sgr. jNjti Ist nur in größeren Partien roh zu haben, sonst stets gebunden. » ABTAILIOA 1B. Ein Lesebuch für die israelitische Jugend, zur Weckung und Hebung religiöser Gefühle. Von H. Jacobson. Vor dem Drucke geprüft und zum Gebrauch für die Jugend empfohlen vom Rabbincn Dav. Deutsch, Ober - Land - Rabbincn Hirsch, D--. Ludw. Uhilippson und Br. K. M. Kost. Preis gebunden nur 12i- Sgr., roh 10 Sgr. Verlag von F. E. C. Leuckart in Dreslau. Bei.Fr. Hentze iu Breslau erschien sd eben und ist in Hersfeld und Homberg bei F. Schuster sowie in jeder Buchhandlung zu haben: Beschreibung von Palästina von vr. W. K. Volger. Dritte verb. Aust., geh. 5 Sgr. Druck und Verlag von F. Schn ster in Hersfeld.

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