Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-10-08 · Heft 41 (8.10.1843) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 41 (8.10.1843)
Date
1843-10-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2566751-2566856-2566898--0722-2568418
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

es in seiner freiere» und edleren Entwickelung, in der gemeinützigerm Entfaltung seiner Kräfte hemmten und hinderten, die nicht mehr den Character göttlicher Gesetze an sich trugen, von denm der Talmud selbst sagt, "CH2 Ci"D ^riV' sie seien gegeben, um das Leben zu erweitern, zu veredlen, zu verschönern, nicht aber um es zu fesseln, zu beengen, zu tödten. Wissen die Herren nicht, daß in den Gemeinden, wo hyperorthodoxe Rabbinen an der Spitze der religiösen Angelegenheiten stehen, die Anzahl der sogenannten Aufgeklärten kaum geringer ist, als da, wo rationell gesinnte Rabbinen wirken? Und die neuen Rabbinen sollen unablässig bemüht sein, um jeden Preis alle Fesseln zu sprengen. Wer kann einer solchen Bilderstürmerei uns zeihen, wer muß nicht vielmehr zugestchen, daß wenn irgendwo fromme Borurtheile geschont, das was den Gemüthcrn noch ein Heiligendes ist, mit Zartheit berücksichtigt und überhaupt der Weg frommer und weiser Vermittelung eingeschlagcn wird, dieses bei dem amtlichen Wirken der neuen Rabbinen der Fall ist? Nein, nein, wenn von Bequemlichkeit die Rede ist, so huldigt ihr wahrlich Niemand mehr, als diejenigen Rabbinen, welche, wie die Herren Deutsch und Konsorten sich um Nichts kümmern, ruhig die Hände in den Schooß legen, ungestört die grasseste Unwissenheit und den kältesten Jndifferentismus in ihren Gemeinden wachsen lassen, da ihnen ja nichts damit geschadet wird, da sie fortwährend für ihren frommen Müssiggang honorirt, auch von denen honorirt werden, die selbst kein einziges Zeremonialgesetz beobachten, aber dafür den reichlich lohnen, der es zugleich mit für sie lhut, für sie sühnender Stellvertreter sein will. Wir aber, die wir den Kampf mit der noch bei weitem vorherrschenden Formgläubigkeit nicht scheuen, die wir auf ein ruhiges, unangefochtenes Leben verzichten, ja auch auf glänzende Aussichten und Beförderungen, deren größtentheils nur unsere heuchlerischen, unthätigen Amtsbrüdern (alten und neuen Schlags) sich zu erfreuen haben, resigniren, — wir huldigen warlich nicht der Bequemlichkeitssucht, den niederen und materiellen Motiven; sondern unterziehen uns dem schweren Kampf mit den Vorurtheilen der Zeit, weil die heilige Flamme in unserm Innern uns dazu treibt, weil die Ideen, welche in uns leben, uns dazu spornen, weil wir nicht anders können, als Gott die Ehre geben, und seiner Sache, die da ist die Sache der Wahrheit, leben. Und wenn uns dabei etwas tröstet, etwas freudig erhebt, so ist es die stille Achtung der wenigen wirklich Erleuchteten, im Geiste und im Herzen Erleuchteten, so ist cs der langsame, aber doch unaufhaltbare Fortschritt, welcher trotz allen Hemmnissen die Wahrheit macht, so ist es die Hoffnung, auf eine bessere und edlere Zukunft die inmitten der trüben Gegenwart uns entgegenleuchtet, und uns in die Worte einstimmen läßt, welche einer unsrer würdigsten Amtsbrüder*) für uns alle ausgesprochen: *) Stern in seinem Gutachten über die Breslauer Rabbinatsangelegelegercheit. 164 ,.Wir fühlen es — und dieser Gedanke, so schmerzlich für die Gegenwart, läßt uns doch mit Freude auf die Zukunft schauen, •— daß unsere theure Glaubensgemeinde Israel auch in die Wehen der jetzigen Zeit, und in die Schmerzen der nach dem Besseren ringenden Menschheit gezogen sei, und so wenig wir an dem Fortschreiten der letzteren zweifeln, welche dem Ziele höherer Vollendung an der Hand Gottes zuftrebk, ebenso hoffen wir auch mit unwandelbarem Gotlvertrauen, daß aus den Kämvfen Israels ein um so dauerhafterer Friede sich gestalten, und unsere heilige Religion, gereinigt und geläutert, siegreich aus dem Streite hervorgehen werde. Der Zukunft gehört unsere Hoffnung, der Gegenwart unser eifriges Streben an." (Schluß folgt.) Srlclzicjjte drs Tagrs. Einem Gaste die Kanzel zu versagen oder einzuräumen, ist allerdings am zweckmäßigsten dem Ortsgeistlichcn überlassen. Mannichsachen Unstatthastigkeiten, Parthciungcn und Unfrieden wird dadurch gewehrt. Des zu bezweckenden Guten halber muß man sich auch das daraus etwa erwachsende Unangenehme — Fälle, in denen die Maßregel mehr menschlichen Schwächen, als dem allgemeinen Besten dient, — von der Legislatur gefallen lassen, ^irß überhebt aber den betreffenden Geistlichen in einem vorkommenden Falle nicht der Kritik der öffentlichen Meinung. Wenn nun ein Dr. Wolf aus Kopenhagen ein solcher Gast wäre, und die Kanzel, die ihm verwehrt werde, gehörte der Gemeinde zu Darmstadt, die diesen Mann mit Stolz ans ihrer Mitte hcrvorgehcn sah, und die Beßten dieser Gemeinde, der Vorstand an der Spitze wünschen schnlichst die religiöse Ansprache ihres, unter Anderm namentlich als Kanzelredner ausgezeichneten Gastes, des Sohnes eines allgemein geachteten und geschätzten 80 jährigen Mitbürgers, und der cs ihm wehrte, sei der vr. Auerbach, Nabbine von Darmstadt; dann ist der Fall cingctretrn, den die öffentliche Meinung richtet. Sonst wollen wir uns jedes vorgrcifenden Urthcils enthalten. Wir legen nach der nothwcndigen Einleitung, die Anklage und die betreffenden Actcnstiicke, nach der wörtlichen Mittheilung, vor das Forum der öffentlichen Meinung; Hrn. vr. Auerbach, wenn er sich vertheidigen kann oder will, steht derselbe Weg offen. UebrigenS berufe sich Auerbach nicht, wie er es nach dem beifolgenden Bericht thun soll, auf Jore dca Kap. 245 §. 22, da man ihm sonst in demselben Werke, Kap. 242 §. 31 entgegen halten dürfte, nach welchem, während der Anwesenheit Wolfs, er selbst hätte die Kanzel meiden und sich aller wesentlichen Nabbinats-Funktionen hätte enthalten müssen. Vcrchrtester Herr Nedacteur! Indem wir den thatsächlichen Inhalt beiliegenden Aufsatzes i vertreten, ersuchen wir Ew. Hochwürden, demselben die Spalten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.