Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1843)
- Date
- 1843-10-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eia- Wochenschrift für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös - kirchlicher Beziehung. Herausgcgeben von ®r. M. Heß, Großhcrzogi. Weimarsckem ^and-Ratbincn;u Stadt-LengssclV bei Eisenach. Mp. 4L Die Gegenwehr -es starren Rabvinismrrs. Obiges Thema ist bis jetzt ein noch ganz fremdes in der neuen jüdischen Literatur gewesen. Dre starren Rabbaniten haben es bis jetzt unterlaßen, gegen die Angriffe, welche sie von der Wissenschaft und der humanreligiösen Auffassung des Judenthums erfuhren, irgend etwas zu thun; sie schwiegen auf Alles, was man ihnen entgegenhielt, was man ihnen sonnenklar demonstrierte, und daran thaten sie recht wohl! Gründe laßen sich nur durch Gegengründe, Beweise nur durch Gegenbeweise widerlegen, wo es aber an den letzteren fehlt, und die Vertreter des angegriffenen Systems dasselbe noch halten, retten wollen, da thun sie am besten, sich stolz in ihre Autorität zu hüllen, da ist es am klügsten, zu schweigen und nie das Schweigen zu brechen. Anderer Meinung scheinen jedoch zwei schlesische Rabbinerlein, ein Israel Deutsch zu Beuthen und ein David Deutsch zu Mislowitz (der Zuname ist nicht gut gewählt, denn wahrscheinlich verstehen die beiden Leutchen gar kein Deutsch und haben sich ihre Gedanken von einem Andern erst in's Deutsche übersetzen lassen) zu sein, sie haben den Fehdehandschuh ausgenommen, den Kampf mit dem Drachen (Wissenschaft, Geist der Zeit) nicht gescheut und die Gegenwehr des starren Rabbinismus in einem Schristchen wider Geiger *) begonnen. Gott segne sie dafür und verlängere ihre Tage! Denn sie haben der *) Dasselbe heißt: Rücksprache mit allen Gläubigen des rabbinischen Judenthums über die jüngst erschienene Broschüre, betitelt: Ansprache an meine Gemeinde, von vr. Abr. Geiger. iv. Jahrgang. Sache des religiösen Fortschrittes, dem heiligsten Interesse der Gegenwart einen unendlich großen Dienst erwiesen, sie haben dargethan, wie wenig haltbar das ist, was man gegen das erleuchtete Judenthum der Gegenwart Vorbringen möchte, und dadurch dieses selbst auf's Neue gefördert und gehoben. Doch müssen wir bei den Mittheilungen aus jenem Schristchen nur auf das wirklich Mittheilenswerthe uns beschranken, alles Uebrige übergehend, was sich von selbst widerlegt, oder durch die rabbinische Gutachten in der Breslauer Angelegenheit im Voraus entkräftet ist. Die Herren gehen nun gleich in ihrer Gegenwehr auf das Prinzip los, „welches die Rabbinen unserer Zeit auf den Thron bringen möchten", sie nennen dieses Princip ein solches, „welches dem materiellen Interesse fein Ent- und Bestehen verdankt, welches der Bequemlichkeitssucht, der leiblichen Wohlfahrt der jüdischen Glaubensbrüder auf das hilfreichste den Arm bietet, dadurch, daß es unablässig bemüht ist, um jeden Preis alle Fesseln zu sprengen, alle Hindernisse wegzuräumen, die im orthodoxen Judenthum dem äußeren Leben entgegentreten." Das ist eine Verblendung ohne Gleichen. Wissen denn die Herren nicht, daß langst, ehe einer der rationellen Rabbinen eristirt, oder ein Wort geschrieben hatte, eschon eine Masse von Glaubensbrüdern gab, die von der Befolgung der rabbinischen Satzungen sich lossagten, weil sie sie nicht mehr beobachten konnten, weil sie z» stark mit dem Leben und der freien Bewegung, welche dem Israeliten in der bürgerlichen Gesellschaft gestattet ward, collidirten, daß das Leben sich der Befolgung von Satzungen cntgegenftellte, die ihm widersprachen, dl« Sonntag, -en 8. O-tobee 1§43.