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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-09-24 · Heft 39 (24.9.1843) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 39 (24.9.1843)
Date
1843-09-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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159 Wahrheit Anspruch zu machen, sobald man auch nicht umgekehrt behauptet, daß man Mensch sein müsse, um Christ zu sein, daß man Menschen, wozu also auch Israeliten gehören können, suchen müsse, um Christen zu finden, daß man Menschen Humanität bieten müsse, um sie Christen zu bieten und von Christen zu fordern? Hätte jene Erwiedrung noch irgend eine innere Bedeutung, wenn der, der sie ausspricht, zugleich die Behauptung aufstellen würde, daß die Provokation der Menschenrechte von Seiten der Israeliten ein Hirngespirrnst des 18. oder 19. Jahrhunderts sei und nicht vielmehr im innersten Keime, in der geistigen Anlage der Menschheit selber als eine nothwendige Forderung des Geistes wurzele, welcher ebensosehr durch das Resultat der Bildung einerseits erst volle Genüge geschehen kann, als sie durch dasselbe andrerseils erst zum klaren Selbstbewußisein gelangt? Oder meint Ihr, es könne der christliche Geist nur in den Geistern walten, die den Christen - Namen tragen? Was wären alle Euere Missionen, wenn das Wesen der Menschheit, der Keim der Humanität, nicht an ihm selbst den Völkern innewohnte? Und können Missionen das unter den Israeliten erzielen, was allein die allseitige Gleichstellung derselben bezwecken kann — Humanität) Liebe? Wollt Ihr noch immer das schöne Zeichen der Zeit verkennen, welches dieß ist, daß das Christenthum zu einem prinzivicllen Standpunkt gelangt ist, wo es die Schranke des Glaubens, nachdem sie sammt ihrem historischen Bollwerk durch die Feuerprobe der Kritik durchdringlich gemacht worden ist, ebensosehr in sich aufzuheben, als in sich sestzuhalten vermag, wo es anfängt, praktisch zu nivelliren, ohne daß es darum vergäße, theoretisch zu systematisiren? Wollt Ihr nicht einraumen, daß vas Christenthum jetzt erst allmalig einfthen gelernt hat, daß es die Forderung, die die christliche Religion an den Einzelnen ihrer Bekenner ergehen läßt, in sich selber blickend die Schwächen und Fehler aufzusuchen und alle Menschen zu lieben, auch an seine Besonderheiten — seine Confessionen, Parteien und Sekten — zu stellen habe? Meint Ihr, daß das Christenthum sich zum Ruine zerarbeite, wenn es, wie es sich in sich concentrire und organisire, ebensosehr auch wieder über seine eigene Erscheinung hinausgebe und sein Selbstbewußisein zu dem der ganzen Menschheit, und wenn auch nur zunächst der Israeliten, erweitere? . Könnt Ihr es Euch nicht denken, daß die vermeintliche Unüberwindbarkeit dieser Concentration — abgesehen davon, daß letztere eine selbstgewollte, eine Selbstbeschrankung ist — nicht von der absoluten, sondern vielmehr von einer relativen und endlichen Stufe der Menschheit Zeugniß geben wird? Was aber ist es, was Euch zur Annahme zwingt, es seien die Juden, um der christlichen Politik nichts zu vergeben und den Staat nicht zu gefährden, in ihren Bestrebungen um allseitige Gleichstellung schlechterdings zu unterdrücken? Ich will es Euch nur sagen, daß es die Furcht ist, es möchte sich unter den Juden eine politische Einheit und Centralitat bilden und ein unchristlicher Geist unter den Christen überhand nehmen, der den gesunden Organismus des Christenthums krankhaft mache und verderbe. Ist dieß eine gerechte Furcht? Nein, es ist eine ungerechte und zugleich unchristliche Furcht: denn es liegt ihr das Mißtrauen gegen den Geist und der darin sich aussprechende furchtbare Zweifel zu Grunde, daß eben der Geist, der der versöhnende Geist der Humanität ist, einerseits nicht Macht habe, sich auch in solchen Geistern zu realisiren, die das Bekenntniß nicht an der Stirne tragen, und andrerseits bisweilen Einzelne unter denjenigen selbst zu verlassen für nüthig finde, die ihm bloß dem äußeren Zeichen nach anvertraut sind. Weg also mir Eurer Furcht! Bedenket, daß der vermeintliche Grund dafür vielmehr ihre Folge werden möchte: der Geist möchte zürnen! Was zunächst den einen vermeintlichen Umstand betrifft, der Euch Schlimmes fürchten heißt, daß die Israeliten in ihren jetzigen Bestrebungen eine revolutionäre Tendenz offenbaren, so muß ich folgendes erwidern: Mirabeau hatte vollkommen Recht, wenn er behauptete, „die Erwartung des Messias werde die Juden ebensowenig daran hindern, gute Bürger zu sein, als die Erwartung der Zukunft Christi die ersten Christen dazu untüchtig gemacht habe". Gesetzt selbst, die Israeliten des 19. Jahrhundert hielten noch streng fest an jener Erwartung des Messias, so laßt sich schon aus der Analogie der ersten Christen zeigen, vaß, wie diese, deren religiös-politisches Leben durch die Befriedigung des inneren Dranges, aus der alten Partikularität herauszutreten, die ideale Kirche zu realisiren und mit dem Staate organisch in Beziehung zu fetzen, wirklich auch die Partikularität und Innerlichkeit als abstracte aufgaben: — so auch jetzt die Juden in ihrem Wunsche, dem allgemeinen StaatSganzcn anzugehören, das Unbesriedigtsein mit der eigenen Partikularität, sowie, da jeder Schritt über das Judentbum hinaus, nothwcndig zum Christenthume führt und der Eintritt in das Christenthum selbst ist, zugleich auch theils bewußt, theils unbewußt die Anerkennung der Wahrheit des christlichen Principes deutlich zu verstehen geben. Es ist der christliche Geist in ihnen, wie in den wahren Christen, der die Aufhebung ihrer Partikularität als den Inbegriff aller ihrer gerechten Ansprüche vom Staate fordert. — Ihr sprecht von einer Zähigkeit des jüdischen Geistes. Was ist sie anderes, als das Beharren an der abstrakten Innerlichkeit, welche mit dem Aufgeben der Partikularität abstrakt zu sein, aufhören wird, wie denn auch die Juden schon eine geraume Zeit gerade durch die frühere Opposition gegen" christliche Einflüße immer weniger oppositiv geworden sind, und wenn gleich der christliche Geist, der der Geist der Liebe seinem Begriffe nach ist, sich gleichfalls gegen sie oft in Haß verkehrte, doch jemchr christliche Liebe ihnen wieder entgegenkam, eben diesem Geiste der Liebe um so weniger sich verschließen und entfremden konnten. Und was in aller Welt veranlaßt Euch, zu glauben, daß die Israeliten nach einem vom christlichen

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