Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1843)
- Date
- 1843-09-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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148 in mein Herz, wenn ich ihre Gestalt betrachte und ihren Dust einathme. Hier und dorthin wende ich den Blick und schaue keinen Menschen,. da ergreife ich denn die Rolle, um darauf meine bewältigende Empfindungen zu zeichnen — und liest du diese Worte, begib dich in einen Blumengarten und dein Herz empfindet, wie das meine. — Die Rosen und Feldblumen erregen in des Beschauers Herz reine, unschuldige Freude und Wonne, die keinen Stachel zurücklassen. Nimmer satt wird das Auge ihren kostbaren Schmuck zu betrachten, je öfter vielmehr der Mensch dieser Betrachtung sich hingiebt, desto mehr sucht er seine Seele an diesem Gottessegen zu laben, und nimmer folget Unmuth seiner Herzensfteude. Mehr denn Oel glänzt sein Angesicht; auf und ab lustwandelt er zwischen den würzigen Beeten in erhöhetem Selbstbewußtsein, und freudig schauen seine Blicke den Ueberfluß des Guten und die Fülle des Segens, womit Gott, der Herr, ihn so liebevoll bedacht, die «eithingestreckten Blumenbeete harren dem Beschauer mit den Worten entgegen: Würze dich im Nardengeruche. Blicke jetzt einmal auf die Thiere des Feldes, auf das Gewild des Waldes, wie bewußtlos gehen sie vor all dieser Augenlust vorüber, wie sind ihre Augen geblendet und anschauungslos! Mit ihren Füßen zertreten sie die herrliche Pracht der Erde, ohne davon die mindeste Ahnung^ zu haben. Ja, selbst die von Blume zu Blume schwärmende Biene sucht bloß Beute zu erzielen, und so bist du's, o Mensch, allein um deßwillen Gott das Schöpfpungswerk hervorgerufen. Um deinetwillen wuchern Thäler üppiges grün, blühet unter deinen Füßen fcie Slwme und des Feldes Gesträuch. Erhebe deinen Blick und schaue den ganzen Kreis um dich her! wie prangt er dir entgegen gleich einer jungfräulichen Schönen, die zur Liebkosung durch ihre Augenschmücke einladet und im höchsten Schmucke ihrem Herzensgeliebten entgcgengeht; wie gleicht er ihr an Schönheit durch seine Blumen, Rosen und Cyprustraubchen! Wem kann ich dich vergleichen, o anmuthvoller, herrlichprunkender Garten, in welchem die Menschen von ihren Mühen ausruhen und zwischen den Gesträuchen lustwandeln? Des Morgens erwacht und erschließt sich die knospende Lilie Scharon's, des Abends duften die Veilchen ihren Wohlgeruch aus, und verbreiten Myrrhen, Weihrauch und allerlei würzige Lüfte. Wer nun nicht der Verstocktheit seines Herzens folget und dem Tand seiner Leidenschaften nachgeht, dessen Herz überfüllt sich mit Freude und Wonne, so er die Menge der Geschöpfe nach ihren verschiedenen Gattungen betrachtet, von denen jedes Einzelne nach wunderbarer Anordnung zum Nutzen des Andern, und Alles zu seinem, des Menschen Nutzen, der damit nach Willkür schalten kann, geschaffen ist. — Die Sonne hat Gott geschaffen, daß sie auf die Erde leuchte und deren Dünste verscheuche, daß sie den Geist alles Lebenden erheitere, das Eis schmelze, und den Saft der Gewächse versüße. Der reichliche Regen ergießt sich um die lechzende Seele zu laben, den Boden zu tränken, das Gras und Gesproß des Feldes hervorzutreiben, Getreide und Wein und Baumfrüchte verschiedener Art gedeihen zu lassen. Alles dieses hat die Hand Gottes bereitet! Speise für das Vieh, Gewild und Gewürm; Nahrung für das Geflügel des Himmels, für alles Gevögel und Beschwingte. Und zu dem Menschen sprach er: Geh, regiere über sie alle, ergötze dich an den herrlichen Gestalten, würze dich mit Cypressen und Narben und halte deinen Körper mit allen Angenehmen. Rahm der Rinder und Milch der Schafe genieße nach Belieben; beherrsche den Stolz des Löwen, gewältige über die Fische des Meeres und die Vögel des Himmels, denn in deine Gewalt habe ich Alles gegeben. Aus diesem Grunde haben unsere Weisen um Gott, dem Herrn, im Frühlingsmonat, wo die Blüten aufbrechen, zu danken, den Segensspruch: „der da nichts in seiner Welt fehlen ließe und in ihr herrliche Kreaturen und Bäume zum Hochgenüsse des Menschen geschaffen" eingeführt. In der That, wie erhaben ist dieser Spruch für den, der ihn begreift! Unsere Weisen haben übrigens schon auf die Vollkommenheit der Geschöpfe, auf den prächtigen Bau und auf die wundervolle Harmonie ihrer Rangordnung in den Worten aufmerksam gemacht: „Alle Werke der Schöpfung sind in ihrer Vollkommenheit und Erhabenheit geschaffen worden u. s. w." Nach Maimonides Erklärung heißt dies so viel als, „daß Alles, was Gott geschaffen, auch auf der besten, vollkommensten und schönsten Weise eingerichtet sei, und besage dies der rabbinische Ausdruck CJTGSD „in ihrer Herrlichkeit". Ferner bemerkt M. „Du mußt wissen, daß Gesagtes ein wichtiger, zu beherzigender Glaubenspunkt ist, und der Mensch, der dies Alles wohl beachtet, gelangt bald zur Erkenntniß und Einsicht der über ihn waltenden Gottesgüten, fühlt sich zum Dank gegen die Liebe Gottes hingezogen und sein ganzes Wesen spricht: „Herr, wer ist dir gleich!" Auch der heilige Psalmist ruft, versenkt in eine tiefe Naturbetrachtung, entzückt die Worte aus: „Wie niest sind deine Werke, o Ewiger! sie alle hast du mit Weisheit gemacht" (Ps. 104, 24). Der Ausdruck: „viel sind deine Werke" deutet auf die unzählig vielfältige Verschiedenheit der Geschöpfe hin, und drückt das: „Sie alle hast du mit Weisheit gemacht," ganz wie wir bemerkt, den Gedanken aus, daß immer Einer zum Nutzen des Andern, das Kleinere für das ihm Uebergeordnete geschaffen worden sei, und so steigert sich die Reihenfolge immer aufwärts bis zum Menschen, der die Krone alles Geschaffnen ist. — Aber auch mit dem Menschen ist die Stufenleiter und die wundervolle Rangordnung noch nicht beendet, wie dies schon viele unserer Glaubensbrüder bemerkten. — vr. H. Jolowicz.