Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1843)
- Date
- 1843-08-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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13t aber in der That der Religion durch eine künstlich erzeugte Jsolirung einen sehr schlechten Dienst erweist; daß nicht durch jene trennende Einrichtungen, welche die Unduldsamkeit finsterer Zeiten geschaffen hat, die aber jetzt nur der Trägheit, die den Schutt und die Trümmer langst zerstörter Verhältnisse nicht hinweg raumen mag, ihr kümmerliches, vergeffen vegetirendes Dasein verdanken, — daß nicht durch diese nichtigen und schädlichen Außendinge das Judenthum erhalten wird, sondern durch ein höheres/ geistiges Lebensprincip, habe ich darzuthun versucht. Was in jenen äußeren Einrichtungen etwa dennoch gut ist, das wird durch jenes geistige Princip beseelt und schöpft seine Kraft aus ihm, so daß es, weit entfernt, ihm förderlich zu fein, ihm vielmehr einen Theil seiner besten Kräfte, die dem inneren Leben zu Gute kommen würden, wie die Schmarotzer-Pflanze dem edlen Gewächse, entzieht. Vor den vielen Sorgen um Aeußeres, das ihm fremd ist, um Rechtsfragen, um Rechtsverhältnisse und Rechtskampfe, die vernünftiger Weise nichts mit dem Glauben zu schaffen haben sollten, um politische und corporative Interessen der störendsten Art kann das religiöse Leben selbst nicht zu Worte kommen, nicht zu der höheren Entwickelung, zu welcher es den Keim in sich trägt, gedeihen. Wenn Ihr ihm wohlwollt, so befreit es von dieser drückenden Bürde, statt sie ihm noch schwerer und peinlicher aufzuladen! Und nun der Staat — der soll die Sorge übernehmen für die Erhaltung einer ihm fremden Nationalität! Es kostet Mühe zu glauben, daß Das ernst gemeint, mehr noch daß es ernst bedacht ist. Erscheint der Plan verwerflich und auf falschen Voraussetzungen beruhend vom Standpunkt der Religion aus, so weiß man vollends nicht, was man dazu sagen soll von dem des Staates aus. Auch kann ein Jrrthum in jener Sphäre uns weniger Wunder nehmen, als in dieser. Daß man das Judenthum und seine Lebens-Bedingungen nicht kennt, ist eine gewöhnliche Erfahrung, die Niemand mehr in Erstaunen setzen darf. Aber den Staat und seine Bedürfnisse, seine Lebens-Bedingungen, die kennt man ja fürwahr, und daß Einheit, daß ein durchdringendes nationales Bewußtsein, ein tiefes, ausschließliches, vaterländisches Gefühl in der Brust aller seiner Angehörigen vor allem Anderen zu jenen Bedingungen gehört, daß in ihnen die wesentlichste und wirklichste Kraft des Staates ruht; diese Wahrheiten, die gerade in unserer Zeit zu so lebendiger Ueberzeugung durchgedrungen sind, wird man doch hier nicht mit einem Male verkannt haben? Ich bin weit entfernt, Das anzunehmen; ich glaube durchaus nicht, daß man den politischen Gesichtspunkt aus dem Auge verloren hat; ich finde vielmehr in der Zumuthung, die hier in so naiver Weise an den Staat gemacht wird, den Beweis dafür, daß man doch im Grunde ahnt, was es mit der Sache für eine Bewandniß hat, wie es sich um nichts Ernstes, sondern um ein phantastisches, eitles Spiel mit Worten und mit Formen handelt. Nur darum, weil es sich in unserm Falle um eine Nationalität handelt, die keine ist, der alle Eigenschaften einer solchen abgehen/ nur darum kann man mit ihr tändeln und schönthun. Vor dem lebendigen Löwen würdet Ihr erschrecken, mit dem ausgestopsten können Kinder ihr Spiel treiben." (Forts, folgt.) Grtcftichte des Tages. Die israelitischen Religionsschulen der Rabbinats- Districte Aschaffenburg, Kissingen u. Niederwerren. (Fortsetzung von Nr. 33.) Die Aufstellung des Lehrplans zeigt nicht minder von pädagogischem Takte und Sachkenntniß, wie von dem löblichen Bestreben, die Forderungen einer erleuchteten Religionsansicht mit der vorherrschenden Religionsaniicht, wie sie noch in das Bewußtsein eines großen Theils des Volkes ihre Wurzeln schlägt, in Einklang zu bringen. Einiges Härten wir aber doch dagegen zu bemerken. So ist es uns ausgefallen in dem Lehrplane jede Erwähnung von Catechesation zu vermissen. Es ist wahr, die Catechctik ist überhaupt eben nicht die stärkste Seite israelitischer Schulmänner, und die Ueberzeugung von dem hohen Werth derselben, namentlich bei dem Religionsunterrichte, hat sogar bei den israelitischen Lenkern des Unterrichtswesens noch keine allseitige Anerkennung erringen können. Da aber hierzu die intelligenten und auch pädagogisch tüchtigen Männer die diesen Lehrplan geschaffen, gewiß nicht zu zählen sind, ist der Mangel einer Hervorhebung dieses Punktes besonders auffallend. Dafür wird .'Gedächtnisübung" um so reichlicher bedacht und gedacht. Der Religionsunterricht sinkt vhnedieß in den Händen unfähiger Lehrer, in den Tartarus unendlicher Gedächtnißübung, warum gleich in den Lehrplan so reichlichen Saamen für leider! von sich selbst wucherndes Unkraut streuen? Gedächtniß ist nur eine von den mannigfachen Seelenkräften des Menschen, und eben nicht die edelste. Warum soll dennoch gerade diese in das Bereich des Religionsunterrichts gezogen werden? Ja, Ausbildung des Verstandes und Uebung der Vernunft, der Tenkkrast überhaupt, das ließen wir uns gefallen, das ist schon an sich Religion. Darum loben wir uns auch die Catechctik! — Ferner haben wir an diesem Schulplan, wie an vielen andern, die anderwärts Geltung haben, auszusetzen, daß in denselben die hebräische Sprachlehre aufgeführt, und in der Regel mit großen Privilegien aufgesührt ist. Erstens lehrt uns die Erfahrung, daß die hebräischen Paradigmen und alle Grammatikfuchsereicn, wie sie nach einander heißen, in kurzer Zeir nach Entlassung der Schüler aus der Schule rein verschwitzt sind. Dann müssen wir uns die Frage stellen: Was soll der Zweck der hebräischen Sprachlehre in den Schulen sein? Tie Erlernung der hebräischen Sprache kann Selbstzweck sein, da es auch zur leidlichen Kenntniß derselben in den nieder« Schulen doch nicht gebracht werden kann, und sie dann auch nicht einen Theil des Religionsunterrichts ausmachcn konnte. Ihr Zweck ist also nur der, das Derständniß der Religionsschriften in der Ursprache — was allerdings wünschenswerlh