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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-08-20 · Heft 34 (20.8.1843) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 34 (20.8.1843)
Date
1843-08-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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138 bleibt, möglich zu machen. Dieses Einfuhren in die heiligen Bücher in der Ursprache, geschieht auch schon in allen jenen Schulen, die nebenbei die Grammatik als Hülfswissenschaft treiben. Allein bei der für beide Gegenstände sparsam zugemessenen Zeit, gehen beide leer aus, die Kinder lernen nichts von dem Verstandniß der heiligen Schriften, und starke Grammatiker werden sie noch weniger. Darin liegt der Grund, daß trotz der guten Anstalten und der tüchtigen Lehrkräfte, die dem Religionsunterrichte dienen, noch so viele ’QJJ aus den Schulen ins Leben treten. Wir sind daher der Meinung, daß man sich gleich der Ueberseßung heiliger Schriften zuwende, und die Zeit, die bisher für die Grammatik ausgebeutet wurde, dieser überlasse. Fähige und sprachkundige Lehrer, deren gerade jene Districte so viele zählen, werden dabei doch Gelegenheit finden, ohne Zeitverlust neben dem Uebersetzen, und unterstützt von anschaulichen Beispielen, die nöthigsten Regeln festzustellen, und dem Kinde einzuprägen. Wir wollen damit der Wichtigkeit eines tüchtigen Sprachunterrichts nach Regeln für das Hebräische gar nicht zu nahe treten, man mag in den wenigen Schulen, in welchen man den vorgesteckten Zweck zu erreichen im Stande ist, dieselbe hegen und pflegen. *) Allein in den Schulen wie in Baiern, wo das Maximum für den Religionsunterricht Winters wöchentlich 14 und Sommers 24 Stunden beträgt, dort scheint uns die Rubrik ^hebräische Sprachlehre" ein Luxusartikel des Lehrplans. — Auch mit der Bestimmung des Lehrplans können wir uns nicht befreunden, daß, bei nachgewiesener Fähigkeit, Kinder schon nach zurückgelegtem 12. Jahre aus der Schule entlassen werden können. Religion soll nicht blos den Geist erleuchten, sondern auch das Herz veredlen. Antwortet ein Kind nun noch so gut auf die Fragen des Examinators, wie weiß man, wie's mit dem Herzen steht? Weiß man, ob es auch Gott liebt, mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen? Ob es die Tugend nicht blos schätzt, sondern auch liebt? Findet man denn das nicht häufig genug im Leben bestätigt, daß so mancher geistreiche Mann, rohen und wüsten Herzens ist? Zudem ist denn der Religionsunterricht nur eine Speise der beschränkten Kinder, und können ihn im Gegentheile nicht eben die Gescheidten mit dem größten Putzen anhören? GibtS denn keine geistreiche Religionsverächtcr? Wir hätten dafür lieber gelesen: Bei nachgewiesener Unfähigkeit können Kinder auch noch nach dem zurückgelegten 13. Jahre, in der Schule zurückgrhalten werden. (Berlin.) Eine Dankaddresse der israelitischen Gemeinde dortselbst, an den rheinischen Landtag, in Betreff des Antrags desselben auf völlige Emancipation der Juden, von der öffentliche Blätter sprachen, iss bis jetzr nicht adgcgangen, und wird wohl nuch schwerlich was dergleichen zu Stande tommen, was einer *) Wenn das Erlernen des Hebräischen in den Schulen überhaupt für uöthig gehalten wird. politischen Demonstration ähnlich sieht. Doch ihre Sympathie gab die Gemeinde dadurch zu erkennen, daß in ihrer Mitte ein Kapital von 10,000 Thalern gesammelt wurde, deren Interessen jährlich an die Armen des Rheinlandes, ohne Unterschied des Bekenntnisses, vertheilt werden sollen. (Vom Rhein.) Aus allen Orten, von einiger Bedeutung, treffen israelitische Deputationen in Düsseldorf ein, um dem Landtage den Dank ihrer Gemeinden erkennen zu geben. (Frankfurt a. M.) Heium S. Goldschmidt, reich an weltlichen Gütern, aber noch ausgezeichneter durch Geist und Edelmuth, ist am 13. Juli ins ewige Leben eingegangen. Der Verblichene hat sich durch ein Legat von 10,000 Gulden — deren Interessen zur Beförderung der Handwerke unter den Israeliten verwendet werden sollen — ein schönes Denkmal gesetzt. Da für denselben Zweck in Frankfurt für diese Stadt und deren Umkreis von 6 Stunden schon ein Verein edler Männer wirkt, so sollen bei der Verwendung der Interessen jenes Legats nur Solche, die außerhalb jenes Bezirkes wohnen, bedacht werden. Homiletische Revue. (Schluß von Nr. 33.) Antrittsrede, gehalten von Di-, H. S. Hirschfeld, Nabbine in Wöllstein. (Alexandri'sche Buchhandlung daselbst.) Zur wahren Beredsamkeit, wie sie in einer einfachen, edlen Popularität besteht, hat es der Verfasser zwar noch nicht gebracht. Aber sein Geist weiß sich aufzuschwingen und auch dem Worte Flügel zu verleihen. Was er spricht ist dem Gedanken nach gediegen, dem Ausdrucke nach edel und erhaben. Dabei huldigt er der sittlichen, humanen Auffassung der Religion, weiß sich dem Geiste nach über die Parteien zu erheben, indem er das eigenthümlich Gute in allen anerkennt, und die nothwendige Verschiedenheit religiöser Ansichten begreift. Ist sein Styl aber auch noch allzu gedrängt, und leidet bei ihm die Form durch das Reichhaltige mitunter allzu Abstrakte des Inhaltes, so darf doch das unsere Hoffnungen für seine homiletische Wirksamkeit in der Zukunft nicht trüben. Die Hauptsache ist, daß geistiger Fond, daß ein guter Kern vorhanden ist, und wo es an diesem nicht fehlt, da wird er auch über kurz oder lang zur Blüthe und lebensvollen Gestaltung gelangen. Einer entgegengesetzten Erscheinung begegnen wir in der Predigt, gehalten zur Einweihung der Synagoge in Rüdeshenn, von B. Hochstatter, Prediger und Religionslehrer in Wiesbaden. Hier ist Einfachheit der Dictivn, populärer Ausdruck, lebendige Gestaltung des Gedankens, aber weniger Schwung desselben, Höhe der Auffassung, Großartigkeit der Anschauung. Doch ist das Gesagte erbaulich ansprechend durch passende Verflechtung von biblischen Stellen, und eindringlich durch Anknüpfung an bedeutende Momente des Lebens. Der Verfasser ist aus einem guten Wege und wird bei immer größerem Eindringen in den Reichthum und die Tiefe religiöser Ideen auch in immer höherem Grade religiös-veredelnd und erhebend wirken. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld. 3SST Da der Herausgeber dieser Blatter zur Herstellung seiner Gesundheit eine Erholungsreise von mehreren Wochen zu machen genöthigt ist, so wollen diejenigen verehrlichen Schriftsteller, Mitarbeiter und Correspondenten, deren Mittheilungen hierdurch eine Verzögerung erleiden, dieses geneigtest entschuldigen.

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