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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-08-13 · Heft 33 (13.8.1843) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 33 (13.8.1843)
Date
1843-08-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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132 in der Lhat Me VKsündiKkng an der gleichfalls so metaphysischen großen, so ideenstarken deutschen Nation, wollte man zweifeln, daß die Schriften von Rießer nicht von großer Wirkung auf dieselbe gewesen wären. Das beweist schon die zunehmende Theilnahme, welche sich unsere Sache gerade von Seiten der Besten und Edelsten der deutschen Nation zu erfreuen hat, das bewährt besonders jetzt aus das Glänzendste das Beispiel eines Landes, wo die Idee der Rechtachtung und der bürgerlichen Freiheit am allgemeinsten und lebhaftesten zum Bewußtsein gekommen, und dessen Volk daher mit nicht minderer Energie für seine Rechte, als für das seiner israelitischen Mitbürger Vorstellung an den Stufen des Thrones niedergelegt. Aber auch Preußens Regierung selbst, so viel bange Besorgnisse und Befürchtungen auch die projectirte neue Judenordnunz hervorgerufen, hat durch die Ansicht, mit welcher sie dieselbe zu motiviren suchte, den Beweis abgelegt, daß die engherzige Weise, mit welcher man bisher die Judenfrage auffaßte, die rein äußeren Gründe, die man der hierauf bezüglichen Gesetzgebung voranstellte, und nach welchen man heilige Menschen-Rechte ab- und zUwog, Nicht mehr von ihr festgehalten werde. „Es sei — so lauten die einleitenden Worte — wunderbar, wie sich das Judenthum in den Stürmen so vieler Zeiten und Völker habe erhalten können, diese Erscheinung sei nur dem Umstande beizumessen, daß Religion und Nationalität stets bei den Juden im Bunde gewesen, man handle daher nur im Interesse der ersteren — der Religion — und der Juden überhaupt, wenn man auch fernerhin ihre Nationalität zu wahren suche, und deßhalb solle der Staat nichts thun, was ihre Amalgamirung mit den übrigen Einwohnern noch mehr fördern könne." So hat allerdings hier unsere Frage eine höhere Auffassung erhalten, so hat man hier alle politische, juridische, polizeiliche, ökonomische, pädagogische und was sonst für Gründe, die man unserer rechtlichen Gleichstellung entgegenstellt, aufgegeben, sie stillschweigend für unwürdig und unhaltbar erklärt, und rein sich an eine Idee gehalten, und zwar an die heiligste, an die Religion selbst, in deren Interesse zu handlen, man aussprach. Darum ist denn auch nach dem, was schon von Anderen hierin geschehen, keiner mehr geeignet, diese wenn auch irrige, aber an sich doch gewiß würdige, weil ideelle, Auffassung der Sache, zu widerlegen, und dadurch die unheilvollen Folgen, welche sich hieraus für uns ergeben, möglichst abzuwenden, als unser Rießer, der wie seine Schriften vielfältig zeigen, eben sowohl auf der Höhe der politischen Idee sich befindet, als er Mit dem Tiefsten und Innersten seiner Glaubensgemeinde, mit ihren religiösen Anschauungen und Gefühlen, in der lebendigsten Verbindung steht. Sehen wir nun, wie er diese heilige Aufgabe zu lösen sucht. (Fortsetzung folgt.) Geschichte des Tages. Berlin, 17. Juli. (Privatcorresp.) Die Regierung scheint mit der Emancipation der Juden etwas Ernstliches vor zu haben. Sie hat den, als Sprachphilosophen bekannten Df. Stern hier, der vor einiger Zeit in der Vossischen Zeitung einen gedankenreichen und gut abgefaßten Aufsatz über Judcnvcrhältnisse in Preußen abdrucken ließ, beauftragt, einen Entwurf über die Verbesserung der bürgerlichen Stellung in der preußischen Monarchie auszuarbciten, und ihn ihr vorzulegen. Genannter Gelehrte soll 30 Bogen darüber geschrieben haben. Obiges wird auch bestätigt durch das Gerücht, daß die Negierung einen Abgesandten reisen laßt, um die Resultate zu sammeln, vie sich für das Staatsleben in denjenigen Ländern ergeben haben, wo die Juden der bürgerlichen und politischen Rechte schon seit längerer Zeit theilhaftig sind. Zeigt sich nun auch ein heiterer Horizont für die Freunde der Humanität und des Rechts, und zunächst für die Juden selbst, in Bezug aus deren staatliches Leben im Großen, so bildet sich auch wiederum in den inner» Angelegenheiten der Juden, namentlich der hiesigen Gemeinde, durch innere Zerwürfnisse, manche trübe Wolke. So wollen z. B. 70 Familien, deren Aufnahme in die hiesige jüdische Gemeinde der Vorstand darum verweigert, weil sie einst, in Folge ihrer Dürftigkeit, letzterer zur Last fallen dürfte, eine separirte Commune bilden. Andere, wohlhabende Mitglieder der alten Gemeinde, deren Beitrag zum jüdischen Fiskus aus dem Grunde eine Erhöhung hat leiden müssen, um die in Folge der Aufhebung der jüdischen Scharen, der Gemeinde deficirenden 6000 Thlr. jährlich zu ersetzen — und die ohnedies mit den Neuerungsbestrebungen des Vorstandes unzufriedenen Menschen erheben ein solches Jammern und Zähncgeklapper, daß es schon nach Sansouci gedrungen sein soll. Diese Schreier und Tobcr nennt man die „linke Seite.« (Warum nicht lieber, wenn wir doch die konstitutionelle Terminologie gebrauchen „der Sumpf"? Die Red.) Sehen Sie, die Juden haben schon eine Kammer, noch ehe sie politische Bürger sind. (Laßt nur die Fluthen der Vorurtheils sich legen, und sie nur erst aus der dumpfen politischen Arche steigen, sie werden dann diese Kammern schon vergessen. Die Red.) Carlsruhe. (Privatcorr. Verspätet.) Ueber den Standpunkt der hiesigen Juden ist es mir erst jetzt möglich, einige Notizen mittheilen zu können. Gottesdienst. Alles alt-herkömmlich. Die Gemeinde ist sehr schrei.thätig. Zum Glück für zarte Gehörnerven stellt sich ein großer Theil der Besuchenden nach längst begonnener Andacht (Andacht?). Die rWTI spielen noch eine Rolle in der Synagoge zu C. Am vergangenen VlSn fC2/ hielt der provisorisch angestellte Rabbine Millstätter eine Derascha, die 2\ Stunden dauerte. Trotz der vielen und ausgedehnten Glanzpunkte — Sohar-Stelen — die die Derascha für das kurze Gesicht der Alten berechnet sein mochten, merkte mau doch, daß die Alten sich langweilten. Im ganzen herrscht viel Unruhe in der Synagoge. Etwas Gesang, jedoch sehr unbedeutend, findet an Sabbath- und Festtagen, unter Leitung des Lehrers Rosenseld, statt. Rabbinenwahl. Sei*

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