Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1843)
- Date
- 1843-08-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eia- Wochenschrift für die Kemitniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegebe» von Dr. M. Heß, Großherzogl. Wermarschem Land-Rabbinen zu Stadt-Lengsseld bei Eisenach. Rr. 33. Aonntag. »nt 13. U«g»st 1843. iv. Jahrgang. Besorgnisse mtfc Hoffnungen für die künftige Stellung der Juden in Preußen. Von G. Rießer. (Hamburg, bei B. S. Berendsohn, 1842.) Zu unserem großen Bedauern sind wir erst jetzt im Stande, obige Schrift in den Kreis unserer Leser einzuführen. Aber wir kommen damit noch nicht zu spat, nicht nur weil der Gegenstand, welchem sie gewidmet, noch nicht erledigt ist, auch wohl in der nächsten Zeit nicht erledigt werden wird, sondern auch weil die Ideen, welche hier besprochen, die Grundsätze, welche geltend gemacht werden, und die höhere Anschauung, von welcher ausgegangen wird, nicht nur auf die Stellung der Juden in Preußen sich beschränken, sondern über die ganze Judenfrage überhaupt, an welcher Besprechung die edelsten Geister des deutschen Vaterlandes Antheil nehmen, Aufklärung geben. Es ist ja das eigenthümlich Große in der Betrachtungsweise unseres Rießer, daß sie durch und durch ideell ist: daß sie für nichts Anderes als für die Idee in den Kampf tritt, nichts Anderem als dem Rechte, der Religion, der Freiheit des Gewissens und der Ueberzeugung, die so lange entzogene Geltung wieder verschaffen will. Darum werden auch alle Beschränkungen, die noch auf dem Bekenner des mosaischen Glaubens lasten, nur von dem Höhepunkte der! Idee herab, der Rechtsachtung, die jeder Mensch als I solcher ansprechen, der uneingeschränkten Anwendung sei-! ner Kräfte, die er fordern kann, erschaut, und hiernach j gerichtet. Da verliert denn unsre Sache jeden Schein I von Eigennutz, den die Gegner noch aufdrücken möchten,! da sind es nicht Freiheiten, die wir verlangen, Vortheile, die wir fordern, Gerechtsame, die wir in Anspruch nehmen, sondern es ist nur das eine große und heilige Recht der Weihung aller unserer Kräfte für das Wohl des Vaterlandes, der uneingeschränkten Erfüllung dieser schweren, aber heiligsten unter allen Pflichten was wir begehren, was wir von den Völkern und ihren Führern im Namen dessen, der uns alle geschaffen, alle mit gleich edlen Kräften ausgerüstet, fordern; da erscheinen alle Beschränkungen, sie mögen Namen haben, welchen sie wollen, als Früchte derjenigen Anschauung, die die Freiheit, die das gleichberechtigte und gemeinsame Wirken aller Menschenkräfte im Staate in und für denselben noch nicht in ihrer ganzen vollen Bedeutung aufgefaßt, sondern dem Kastengeiste, dem Egoismus und der Selbstsucht noch Einfluß dabei gestattet, und da sind endlich jene Beschränkungen, weil sie an dem Religionsbekenntniß, und nur an dem Religionsbekenntnis, haften, weil sie gleich aufbören, sobald dieses nur, wenn auch auf die leichtsinnigste und unselbstständigste Weife gewechselt wird, zugleich eine der größten Entehrungen der herrschenden Religion selbst, die nicht „von dieser Welt" sein will und doch ihre Verbreitung durch gemeine irdische Mittel bewirken will, ja die, indem sie die Freiheit des Glaubens, durch die politischen Vor- oder Nach-! theile, welche sie damit in Verbindung bringt, beschränkt, I dadurch den Nerv und die Bedingung alles religiösen | Lebens, die Freiheit des Gewissens und der Ueberzeugung | freventlich zerreißt. | So ist Rießer ganz und gar metaphysischer Natur, so denkt und strebt er nur für die Idee, und es wäre