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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-08-06 · Heft 32 (6.8.1843) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 32 (6.8.1843)
Date
1843-08-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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129 talmudiscken Bestimmungen vornehme, mag er diese Bestimmungen selbst für göttlichen oder menschlichen Ursprungs halten. Oder ist etwa das Amt eines Rabbinats- Assessors in unserer Zeit wichtiger als das des Hohepriesters zur Zeit, da der Tempel stand; die Handlungen der Ehescheidung und der Chaliza wichtiger als die gottesdienstlichen Functionen im Tempel zu Jerusalem?" Wir schließen diese Mittheilungen mlt den vortrefflichen Worten Maiers, die uns allen zur Erhebung und Ermuthigung gesprochen sind: „Die Bemühungen dieser Leute, die religiöse und wissenschaftliche Wiedergeburt Israels zu Hintertreiben, wären, im hohen Grade betrübend und könnten an einer bessern Zukunft verzweifeln lassen, wüßte man nicht wie wenig sie im Grunde schaden. Haben alle Rabbinen Deutschlands und Polens das einzige Brunnenrohr der Wissenschaft, das im vorigen Jahrhundert floß, nicht zuhalten können (und darunter waren Männer, deren kleiner Finger dicker war, als der Schenkel dieser Leute), wie sollten nun diese Wenigen den mächtigen Strom, der gegenwärtig in Israel daher braust, mit ihren schwachen Armen aufzuhalten vermögen? Gewiß, er wird sie mit sich fortreißen und in den Tiefen seiner Fluthen begraben; „die Vernünftigen aber werden glänzen wie der Glanz des Firmaments, und die Viele in der Gerechtigkeit bestärkt, wie die Sterne immer und ewiglich." Geschichte -es Tages. (Von Rheinpreußen.) Wer in der Emanzipation blos eine bessere, leichtere und glänzendere Versorgung der Kinder, eine freiere Bewegung im bürgerlichen Thun und Schaffen, oder eine Gelegenheit zur Befriedigung des Ehrgeizes sieht, der wird sich über beifolgende Mittheilung in Betreff der Verhandlung des siebenten rheinischen Landtags, in der Judenfrage, nur halb freuen. In Berlin, in der Hand des Königs, im Rathe der Minister, dort liegt die Entscheidung. Wer aber in der Emanzipation den endlichen Sieg des ewigen Rechts, die Anerkennung des Siegels Gottes, des Allvaters Ebenbild, in jedem Mitgliede der Menschheit zu würdigen weiß; — wer dafür ein Herz hat ganz zu fühlen, was es heißt: der Haß der finstern Jahrhunderte der gesetzlichen Morde und der noch mörderischen Gesetze, hat aufgehört, und die sich geflucht und gewürgt, und die sich gehaßt und verfolgt mit aller Macht und Zähigkeit des Fanatismus mißverstandenen Gotteswillens, die haben sich in diesem Moment die Hand geboten, sind Brüder geworden, wollen sich lieben, statt hassen, wollen sich beistehen in allen Nöthen, statt sich nach dem Leben streben, wollen sich ehren, statt beschimpfen, wollen sich achten, statt lästern; — wer den Contrast sich lebhaft vor die Seele ruft, zwischen Anno 1096 —1146 — 1337 — 1349 u. s. w. bei Gelegenheit der Kreuzzüge, Flagellanten, der argen Pest u. dgl. wo Ströme vergossenen Judenblutes die Wellen des Rheins färbten, zwischen der letzten Halste des abgelausnen Jahrhunderts, da der Magistrat und die Kaufmannschaft Triers um 75 Louisd'or das Recht erkaufen, die Juden von ihrer Stadt auszuschließen, und zwischen unserer Zeit, Anno 1843, wo Jener Kinder aufstehen und zu ihren wärmsten Anliegen di« Emancipation der Juden stellen, und zu des Thrones Stufen legen — der wird den Jubel und den Freudenruf aus jenem herrlichen Theile Deutschlands begreifen, und sich selbst aufs innigste davon ergriffen und erhoben fühlen, wenn auch der factische Erfolg, im ganzen Umfange des Volkswunsches und des hochherzigen Antrags des Landtags, weit vom Rheine liegt und noch mehr in weitem Felde steht. (Köln, 15. Juli.) Gestern wurden hier die Beschlüsse des rheinischen Landtages bekannt, welche derselbe Tags vorher in Betreff der Emancipation der Juden gefaßt hatte. Der Antrag der Commission, die sich einstimmig dafür ausgesprochen hatte, Se. Maj. den König um Hinwegräumung aller noch bestehenden Hindernisse zur völligen Gleichstellung der Juden mit Dero christlichen Unterthanen zu bitten, wurde von der hohen Ständeversammlung mit einer Mehrheit von 54 gegen 19 Stimmen genehmigt. Außerdem wurde noch speciell in Vorschlag gebracht, die sofortige Aufhebung des sogenannten kaiserlichen DecretS an hoher Stelle zu beantragen, da dieses Ausnahmegesetz auch nur speciel die Juden der Rheinprovinz belästige. Dieser letztere Vorschlag wurde mit 68 gegen 5 Stimmen angenommen. — Die beiden Vota unserer hohen Ständeversammlung bedürfen keines Commentars. Wenn sie einerseits eine Ehrenrettung der so vielfach mit Unrecht geschmähten Juden enthalten, so ehren sie anderseits noch mehr die muthigcn Vertreter unserer Provinz, welche in allen Fragen des Rechtes, der Freiheit und Humanität dem gesammten deutschen Vaterlande mit so glänzendem Beispiele voran leuchten. — Kaum war gestern die Nachricht von den Eingangs erwähnten Beschlüssen des hohen rheinischen Landtags eingctroffen, so beeilte sich der Vorstand der israelitischen Gemeinde unserer Stadt, eine Addresse an unfern Landtag abzusenden. Wie es heißt, werden die Israeliten unserer Stadt zur würdigen Feier einer für sie so ehrenvollen Manifestation der rheinischen Bevölkerung und ihrer Vertreter, sofort eine nicht unbedeutende Anzahl von Broden unter die hiesigen Stadtarmen vertheilen lassen, sowie andere wohlthätige Stiftungen vorbereiten, an welchen sämmtliche Bewohner der Rheinprovinz Antheil nehmen können. Von Seiten der israelitischen Einwohner der hiesigen Stadt ist heute zu Händen Sr. Durchl. des Fürsten zu Solms-Lich, Landtagsmarschall des siebenten rhein. Provinzial-Landtages, durch eine Deputation folgende Dankaddreffe mit der Bitte überreicht worden, dieselbe zur Kenntuiß der hohen Ständeversammlung zu bringen: „Hohe Ständeversammlung! Durch das heute abgegebene Votum, bei Sr. Majestät dem Könige die Emancipatiou der Juden zu beantragen, hat eine hohe Ständeversammlung die Herzen vieler Tausende mit der größten Freude und Begeisterung erfüllt. Dieses Votum bildet einen unschätzbaren Annex zu denjenigen, die von einer hohen Srändeversammiung im Laufe ihrer diesjährigen Diskussionen bereits ausgegangen und-. die>'es Volum

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