Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1843)
- Date
- 1843-07-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Concert gegeben, d. h. die Frauen unterhalten sich ganz ungenirt bei allen Acten des Gottesdienstes derart, daß sie eine gefährliche Concurrenz mit dem betäubenden Getöse in der Männer-Synagoge bilden. Und das will was heißen! — Da wird der wochentliche Scandal, die Dienstboten-Welt, ein neuer Anzug:c. in den berüchtigten p2p mit dem störendsten Geräusch durchgewaschen. Am ärgsten und unerträglichsten wird's, wenn's was zu begratuliren gibt, denn da wird daö Völkchen auch noch mobil, und trägt von Bank zu Bank die persönlichen Huldigungen. Wo sind da die ^mp Der wahrhaft religiöse Besucher dieses Gotteshauses, wird versucht auszurusen: nNT px p"! nn ClpCH Ct6n* ' (Fortsetzung kann folgen.) (Preußen.) Mit Vergnügen berichtigen wir die in einer frühcrn Nummer gegebene Mitthrilung, daß der Beschluß der Berliner Freimaurer-Loge, weder Juden noch Convertiten aufzunehmen, auf Anregung des Großmeisters, des Kronprinzen gefaßt worden sei, dahin, daß im Gegentheile der wahrhaft königliche Mann, sowohl mit dieser Maßregel, als mit der ganzen Richtung dieses Ordens überhaupt in neuerer Zeit am wenigsten einverstanden sei, und eS wird sogar davon gesprochen, als sei Se. konigl. Hoh. gesonnen, aus dem Orden zu treten. (Berlin.) Mangel an Wohlthätigkeitssinn ist Israel eben nicht vorzuwerfen, umsomehr bleibt uns aber in der Art und Weise der Ausführung noch zu lernen übrig. Tie israelitische Wohlthätigkeit leidet in der Regel an Zersplitterung der Mittel, ist daher nicht großartig und von nachhaltiger Wirkung, hauptsächlich aber nährt sie die Arbeitsscheu. Wir sind mehr wC-^rvi" barmherzig, als wohlthätig im eigentlichen Sinne. Unsere Zeit zeigt auch hierin den bessern Sinn, sowohl bei Privaten, wie bei Heine, Gumperlz, Rothschild rc., als bei Corporationen, wie in Frankfurt, Hamburg, Lemberg, Prag, Wien re. durch Stiftung von Vereinen zur Beförderung der Handwerke, Künste und Wissenschaft unter den Israeliten, durch Gründung von Spitälern aller Art, Schulen, Kleinkinder-Bewahranstalten rc. Heute haben wir wieder ein schönes Beispiel von Berlin anzuführen, der Stadt, die in so verschiedener Beziehung den Deutschen Lectionrn gibt. Die Armenkommission dortselbst hat den Bericht über ihre Wirksamkeit, während des Zeitraumes 1839 bis 1841 veröffentlicht, daraus geht hervor, daß sie innerhalb dieser Zeit 14,456 Tblr. an Unterstützungsgrlder für 757 Familien verausgabt. Mehr als die enorme Summe ist das Prinzip, nach welchem bei der Verwendung verfahren wird, bemerkenswerth. Die Armenkommission hat nämlich den Grundsatz, wo möglich den Armen nicht Geld, sondern Arbeit zu bieten, und es wurde von oben bezeichneter Summe ein beträchtlicher Theil zu diesem Zwecke verwendet. Man beabsichtigt für die Zukunft den dazu geeigneten Armen in Fabriken Arbeit zu schaffen, selbst unter der Bedingung, daß die Armenkommission in einzeln Fällen einen Zuschuß zu dem Arbeitslohn bewilligen müßte. Wir glauben diesen so wichtigen Umstand, der in so vielen israelitischen Gemeinden so sehr beherzigt zu werden verdient, dadurch erst recht ins gehörige Licht zu setzen, wenn wir die betreffenden goldenen Worte des Berichtes, wenn auch nur im Auszuge, widergcben: »Daß Arbeitsfähigen keine Almosen gereicht, sondern vielmehr Gelegenheit zu einem ihren Kräften angemessenen Erwerb gegeben werden müsse, daß auch den Kindern der Dürftigen und Arbeitsscheuen eine große Sorgfalt zu schenken und ein besonderes Augenmerk darauf zu richten, daß das Beispiel der Eltern sie nicht verderbe, und daß sie körperlich und geistig nicht verkümmern, so wie, daß man stets bemüht sein müsse, das Selbstvertrauen des Armen zu heben, ihn aus seine eigene Kraft zu verweisen, und bei der Gewährung von Unterstützungen aus öffentlichen Fonds, sich nicht von Mitleid Hinreißen zu lassen, das Empfangen nicht so leicht zu machen und mit den Gaben sparsam zu sein, damit diese Unterstützung als das letzte Mittel erscheine und nicht eher in Anspruch genommen werde, als bis die Andern, auf eigne Thätigkeit beruhenden, vergeblich versucht worden und erschöpft sind: das sind Prinzipien, über welche man einig ist, und deren Ausführung und Anwendung überall mit mehr oder weniger Glück gesucht wird." — „Wie aber die ekelsten Gefühle oft zur Uebcrspanntheit führen, wie Sparsamkeit leicht in Geiz, Freigebigkeit leicht in Verschwendung ausarten kann, so hat der schöne Gebrauch des Wohlthuns bei den Inden auch viele nur mühsam und schwer zu bekämpfende Nachtheile herbeigcsührt. Die Bereitwilligkeit zn geben, hat Almosen-Empfänger erzeugt, und das geräuschlose, oft heimliche Entgegenkommen die Scham besiegt, welche Bedürftige gelehrt hatte, Jahre lang in Benutzung ihrer eigenen Kräfte aus Unterstützung von Außen zu verzichten." (Vom Rhein). Tie von vielen rheinischen Städten an den Provinzial-Landtag eingegangenen Petitionen zu Gunsten der bis fetzt auch dort den Inden noch vorenkhaltnen Rechte und gegen die, durch den bekannten Entwurf der preuß. Communalordnung gehenden neuen Beschränkungen, haben bei dieser hochherzigen Versammlung die wärmste Theilnahme gesunden. Ter tz. des genannten Entwurfs, nach welchem die Juden von allen Gemeindeämtern ausgeschlossen werden sollen, wurde verworfen. Der Landtag will sogar nichts von der Ausschließung vom Bürgcrmeisteramtc (was bisher der Fall war) wissen. Run muß sichö ja zeigen wer in Humanität und Bildung oben steht, Negierung oder Volk. Die israelitische Gemeinde zn Düsseldorf händigte, da dieses schone Resultat bekannt ward, dem Oberbürgermeister 100 Thaler ein, zur gleichmäßigen Vertheilung unter den Armen aller Confessionen. (Trier.) Wir halten unS verpflichtet folgendes Aktenstück, das so sprechend das erfreuliche brüderliche Vcrhältniß zwischen Juden und Christen, namentlich in den Rheinprovinzen — die gereiste Frucht der freisinnigen rheinischen Gesetz - Institutionen, und einer weit vorgeschrittenen politischen und religiösen Bildung — beurkundet, unserem verehrlichen Leserkreis nicht vorzuenthalken. Es ist dieses die Petition, welche der intelligenteste Theil der Bürgerschaft Triers an den Provinzial-Landtag, richtete. Hohe Stände v e r s a m m l u n g '. Trier's Magistrat und Bürgerschaft haben bereits ihre an die diesjährige Wirksamkeit Einer hohen Versammlung geknüpften Wünsche und Hoffnungen ausgesprochen. Nie — seit Entstehen unserer ständischen Verfassung — war diese Wirksamkeit eine so schwierige, vielumfassende, und in die Verhältnisse dco Vaterlandes und der Provinz ties eingreifende, wie jetzt.