Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1843)
- Date
- 1843-07-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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109 so deutete ich ihm dieses docb nur nebenbei blos an, und ging im Ganzen auf sein Argument ein, machte ihm aber folgenden Einwurf: Die über Gleichstellung oder Nichtgleichstellung der Juden zu sagen haben, wollen doch von der Behauptung, die eine Consequenz der neuern philosophischen Bestrebungen ist, daß nemlich der jenseitige Gott eigentlich nur Mensch und der Mensch Gott sei, nichts wissen, und sind vielmehr unaufhörlich bemüht, die frühere, nach der gewöhnlichen Ansicht, alttestamentliche Auffassung Gottes, als ein jenseitiges Wesen dem religiösen Bewußtsein des Volkes nahe zu rücken, folglich also müssen sie die Lehre von der Menschwerdung Gottes entweder anders deuten, oder wenn sie dieselbe wörtlich nehmen, nur auf Christus anwenden, oder endlich sie für keinen Vorzug vor der jüdischen Religion anseben, wodurch nun für die Juden Bauer selbst mit seinen Prinzipien über Religion von der Regierung bei ihrer jetzigen Gesinnung das obige vic6 versa (d. h. daß die Juden auf eine Abwechselung der Rollen von Herrschaft und Unterdrückung zwischen ihnen und den Christen Anspruch machen könnten) fordern müßte. Er sah mich an, gleichsam, als wäre er von dieser Argumentirung überrascht, suchte hierauf dieser Frage auszuweichen, beleuchtete aber die Judensache mit andern höchst interessanten Argumenten, die ich Ihnen vielleicht ein anderesmal mittheilen werde. *) -) Wir brauchen wol nicht erst darauf aufmerksam zu machen, daß wir mit dieser wortgetreuen brieflichen Mittheilung keineswegs unsere Zustimmung zu der Grundansicht der beiden Streitenden haben ausdrückcn wollen. Die Red. Geschichte des Tages. Vor einiger Zeit las man in öffentlichen Blättern, die preußischen Freimaurerlogen wollten die Aufnahme in ihren Orden nicht mehr an die Bedingung des christlichen Glaubensbekenntnisses knüpfen; ihr Tempel sollte fortan nicht der Confesficn, sondern der Menschheit geweiht sein. Die preußischen Patrioten knüpften die erfreuliche Lösung dieser Frage, wie man das in neuerer Zeit auch bei andern Fragen der Humanität und des politischen Fortschrittes gethan, an das königliche Haus. In neuerer Zeit hört man aber, daß der Prinz, von Preußen, der Großmeister dieses Ordens, dieser Maßregel entgegen sei, und somit der Altar der Menschheit in Preußen, nach wie vor, ein Postament des Kreuzes verbleiben werde. Wenn jedes Unrecht nicht schon in der Regel eine Kette von Jnconseguenzen wäre, dürfte man sich über die Ausdehnung dieser Maßregel auch auf getaufte Juden — wie die Mittheilungen berichten — nicht wenig wundern, da doch in Preußen jährlich eine Menge getaufter Juden zu Justiz-, Camera!-, Finanz-, Sanitätsbeamten u. s. w. befördert werden. Freilich ist cine Anstellung auch ein ganz anderer Köder, als die Aussicht auf die Ausnahme in den Orden. Der brave, wackere Moses Cohen, Rabbine in Kaiserslautern, ist nicht mehr. Er verschied in der Nacht vom 13. auf den 14. v. M. in seinem 58. Jahre. Den Glaubensgenossen des Verewigten, die aus allen Orten des Bezirks in Menge herbeigeströmt waren, hatten sich die christlichen Bewohner der Stadt in Masse angeschloffen: die Beamten, die Geistlichen der verschiedenen Confessionen, die Lehrer der Volksschulen, bezeigten, indem sie dem Leichenzuge folgten, ihre Theilnahme. Dr. Grünebaum, Bezirksrabbine in Landau, hielt eine ergreifende Leichenrede. — Als der Verblichene vor 15 Jahren sein Amt in Kaiserslautern antrat, fand sich in seinem Bezirke auch nicht eine einzige öffentliche jüdische Schule, und seitdem sind unter seiner Mitwirkung gegen 20 in» Leben getreten. Wir wissen den Verlust seiner Pflegbesohlenen um so mehr zu würdigen, da der Verblichene in unserer Gegend noch im besten Andenken steht, indem derselbe vor seiner Berufung nach Kaiserslautern, in Schwarza, im Hennebergischen, domizilirte, und dortselbst, und in der Umgegend, wegen seiner talmudischen Kenntnisse, seiner gediegenen, wissenschaftlichen Bildung, die er seinem Selbststudium verdankte und besonders wegen seines achtungSwerthen CharactcrS, Aller Achtung und Liebe genoß. (Hamburg.) Eine Deputation der Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe (die seit dem Brande viel unter dem Namen »vatrionschc" von sich sprechen macht) überreichte dem Herrn Salomon Heine das Diplom der Ehrenmitgliedschaft, das ihm von den Mitgliedern der Gesellschaft einstimmig votirc worden war. Das echte Diplom aber hat Heine sich selbst geschrieben. (Sondershausen.) Der Vorsteher Czernikow dortselbst machte seiner Gemeinde ein Geschenk mit einem sehr zweckmäßig gebauten Leichenwagen. In vielen Gemeinden ist es anders, da ew öffnen manche Gemeindeglicder, indem sie ihren Vorstehern auf alle erdenkliche Weise das Amr erschweren und das Leben verbittern. die Aussicht auf einen solchen; und wieder in andern Gemeinden sicht das ganze Vorstehrrwcsen einem Leichenfuhrwcrk ähnlich. — (Mainz.) Ein Corrcspondcnt der „Tidaskalia" behauptet, die Israeliten dortselbst seien, trotz dem, daß israelitische Arme nichts aus der städtischen Armenkasse empfingen, verpflichtet, dazu beizusleuern, da sie daraus den Vorthcil zögen, von den Armen nicht angegangen zu werden. Ter Mann ist entweder sehr bequem, oder sehr ästhetisch. Er gibt den Armen damit sie ihn nicht stören, oder weil ihr Anblick ihm zuwider ist. Wo ist aber sein Herz? Und nachdem er solche Geständnisse macht, und sich öffentlich brandmarkt, fragen wir weiter: Wo hat der Mann seinen Kopf? (Cassel.) Dort, wo unter der Leitung sehr begabter Lehrer ein jüdisches Schullehrer-Seminar besteht, soll von mancher Seite, und zwar von einer pädagogischen, darauf gedrungen werden, daß das Lateinische in die Zahl der Unterrichtsfächer in jenem Institute ausgenommen werde. Das ist aber in der That sehr auffallend. Tie christlichen Pädagogen gratuliren sich, wenn cs ihnen gelingt, wo hie und da ein solcher Lehrmißbrauch noch besteht, diesen Ballast hinaus zu werfen, ob gleichwol das Lateinische dort, wegen des Eingreifens in die Liturgie, der lateinisch