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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-07-02 · Heft 27 (2.7.1843) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 27 (2.7.1843)
Date
1843-07-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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LOS das Absolute als Einiger, und h-s neue als Dreieinigen Gott auffaßt, bildet zwischen beider Anschauungen nicht nur nicht einen wesentlichen, sondern gar keinen Unterschied. Denn, nimmt man dem dreieinigen Gott des Evangeliums das Kleid des Symbols, das nur für die religiöse Vorstellung unddie sinnliche Auffassung da ist, ab, so bedeutet Vater nichts anderes, als das göttliche Sein (die Idee) vor der weltlichen Existenz, und Sohn nichts anderes, als das weltliche Sein, und der heilige Geist nichts anderes, als die Einheit beider, der menschliche Geist. Welcher Bekenner des alten Testaments aber wird die Welt und den menschlichen Geist wegläuqnen wollen? Wenn nun auch im alten Testament noch so oft gesagt ist, daß Israel ein separates Volk sein und mit andern Völkern in keine Berührung kommen soll, so bezieht sich und kann sich dieser Separatismus nur auf die Gojim beziehen, deren religiöse Goltesanschauung von der Israels qualitativ verschieden ist, wodurch sich die Bekenner der einen wahrhaften religiösen Gottesanschauung von den Bekcnnern einer anderen religiösen Gottesanschauung im practischen und theoretischen Leben, um nicht in eine unaufhörliche Reibung und Collision zu geratbcn, gegenseitig fern halten müßten. Nach dem Worte des alten Testaments sowol, wie nach seinem Begriffe von dem Absoluten, kann sich dieser Separatismus unmöglich auf diejenigen religiösen Menschen beziehen, die dieselbe religiöse Anschauung des Absoluten, und daher dasselbe Recht, dieselbe Moral und Sittlichkeit, wie Israel haben. Die für den Separatismus sprechenden Stellen des alten Testaments hat Bauer fälschlich auf diejenigen angewendet, die unmöglich damit gemeint sein können. Wenn er sic auf die Chinesen, Indier rc. anwendet, und dadurch beweist, daß diese Nationen, deren religiöse Anschauung des Absoluten von der jüdischen verschieden ist, die Juden nicht emanciviren können, so hat er Recht; sobald er sie aber auf den christlichen Staat anwendet, so hat er in dieser Hinsicht beide Religionen in ihrem Wesen nicht erfaßt. Daß die Geschichte ihn Lügen straft, liegt auf der Hand, und dies haben wahrscheinlich andere seiner Bekämpfer gesagt, oder mögen es noch sagen. Aber selbst wenn auch der ganze Verlauf der Geschichte und der ganze Raum der Erde für sein Argument, d. h. die Nichtemanciparion spräche, so würde dies noch nicht einmal einen Punkt an dem ideelen Begriffe der Sache, der die Emancipation der Juden im christlichen Staate fordert, andern. Auf die Entgegnung Bauers, daß wir doch die Geschichte nicht verläugncn könnten, und daß diese zeige, daß die beiden Hauptreligioncn der Erde seit ihrer Entstehung sich gegenseitig unaufhörlich befehdeten, woraus hervorgehe, daß sie verschiedene Grundanschauungen des Absoluten haben müßten, antwortete ich, daß auch innerhalb des Cbristenthums die verschiedene Ausübung eines Ceremoniells Secten hervorgerufen hat, die sich seit ihrer Entstehung ebenfalls unaufhörlich anfeinden, aber doch sofort unversehrt räumlich und zeitlich nebeneinander bestehen und nebeneinander im staatlichen Einsleben bestehen müssen, weil sie dieselbe religiöse Grundanschauung des Absoluten haben, gerade, wie aus gleichem Grunde die Bekenner der beiden Testamente seit ihrem historischen Auftreten räumlich und zeitlich nebeneinander existirten und existiren mußten, weil ihr Begriff ihr beiderseitiges practisches Wirken im Staate fordert. Wollten wir ferner die Geschichte in unserer Beweisführung mitreden lassen, so spricht sie beredt für mein Argument. Warum sind die Juden in so vielen christlichen Staaten in das staatlich-politische Leben schon lange eingetreten,^ und warum nicht in außerchristlichen Staaten? (Die Türkei gehört in einem gewissen Sinne auch zu der jüdisch-christlich-religiösen Grundanschauung des Absoluten.) Antwort: Aus oben erwähnten Gründen. Was ich über diesen practischen historischen Theil noch gesagt, sowie alle Schattirung und Nüancen hiervon, werden Sie, Herr Dottor, von selbst ergänzen können, sowie dasjenige, was Bauer hierauf erwiedert haben kann. Das Erwiedern seinerseits und Entgegnen meinerseits hielt mehrere Stunden lang an. Wenn er nun auch mein Grundprinzip anerkennen mußte, so kamen wir doch zu keinem reinen Resultate. Ich versuchte zuletzt, ihn auf seinem eigenen Felde zu schlagen. Diesen Versuch, den ich für einen der gelungensten einer Disputationsparthieen halte, will ich Ihnen in aller Kürze noch mittheilen.. Ich begab mich auf sein Feld, und räumte ihm auf eine kurze Zeit ein, daß Juden und Christen sich als feindliche Kasten gegenüberstünden, und daher sich auch hinsichtlich ihrer Rechte und Vorzüge gegenseitig ausschließen müßten. Nur sagte ich ihm, wir wollen einmal vier; versa machen, die Christen sollen einmal ihr Haupt unter das Joch der Juden beugen, und diese sollen die Herrschenden werden. Vorsichtig genug antwortete er nicht: ja so! wenn die Juden sich zu den Herrschenden machen könnten, so dürften sie den Christen ihre Rechte vorenthalten, dies aber können sie wegen ihrer Unmacht nicht; denn mit dieser Antwort hätte er sogleich den Juden begrifflich und dem Rechte nach einen nothwendigen Anspruch auf die Emancipation zugestanden. Er argumentirte vielmehr so: Es ist wahr, an und für sich sind beide Religionen überflüssig, da sie aber einmal zwei Facten sind, die noch lange bestehn werden, so können wir nicht umhin, dem einen Factum, der christlichen Religion nemlich, vor dem andern, der jüdischen Religion, den Vorzug zu geben, und zwar darum, weil crstere das große Wort ausgesprochen: Daß Gott Mensch ist. Und durch dieses Wort verdient sie, hat sie cs gleich unbewußt und symbolisch ausgedrückt, einen großen Vorzug vor der jüdischen Religion und ist berechtigt, ihren Bekcnnern größere Rechte und Privilegien zu ertheilen, als den Bekcnnern der jüdischen Religion. Obgleich ich ihm hier hätte einwenden können, daß diese Wahrheit dem jüdischen Bewußtsein gar nicht fremd sei, und im alten Testament auf eine geistigere Weise in den Worten: „und Gott blies Odem von seinem Odem dem Menschen in die Nase" ausgedrückt sei,

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