Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-07-02 · Heft 27 (2.7.1843) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 27 (2.7.1843)
Date
1843-07-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2566751-2566856-2566884--0654-2568336
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

HO geschriebenen Kirchenväter, der ursprünglichen Verbindung mit Rom u. s. w. eine religiöse Färbung angenommen, obgleich es dort dem gründlichen Neligionslehrer allerdings auch nützlich wird, und für ihn in verschiedener Beziehung das ist, was dem israelitischen das Hebräische — und in einem israelitischen Seminar soll man diesen ursprünglich christlich-religiösen Unterrichtsgegenständ (in Beziehung auf das Seminar nämlich), den nichtsdestoweniger die christlichen Pädagogen hinauszuwerfen für gut fanden, aushebcn und pflegen! Die pädagogischen Leiter der christlichen Schullehrer-Seminare befinden sich in nicht geringer Verlegenheit, wie die immer sich steigenden unabweisbaren Forderungen der Zeit, die so manchen neuen Unterrichtsgcgenstand, und die Erweiterung anderer auch in den Semiuarien hervorgerufcn, mit dem immer sich gleichbleibcndcn Zeitmaaße der Tage in Einklang zu bringen, und ein jüdisches Institut der Art, das außer den gewöhnlichen Anforderungen noch so großen andern zu entsprechen hat, die hebräische Sprachlehre, das Verftändniß der heiligen Schrift in der Ursprache und deren wichtigsten hebräischen Commcntarc, Mischna, Schulchon Oruch u. s. w. in seinem Lehrplan aufführr — da soll man noch Zeit für die lateinische Sprache habend Hcißr das nicht von Seiten der Lehrer, wie der Lernenden Unmögliches fordern und versprechen? Doch man hat in j-nitti: Jnstirme allerdings überflüssige Zeit, aber das ist eben paS Leklagenswcrrhestc. Besser wäre es, man ließe der Katechetik, die dorr gar nicht, der Methodik und Pädagogik, die nur als untergeordnete Gegenstände behandelt werden — der deutschen Sprache, in welchem Fache noch immer Vater „Hesse" das ausschließliche Regimen: führt, ohne sstücksicht ans die neuen so schätzbaren Systeme von Lecker, Wurst und Accn, deren Behandlung freilich mehr Mühe, Zeit und Lchrgcwandhcit fordern, als die alt-herkömmliche Methode, aber auch andere Resultate liefert, — und andern stiefmütterlich behandelten UnterrichtSgcgcnständen — von dem reichen Zeirschatzc was zukommen? — Wahrlich ein Crocrimcnl mit der Elektrisir-Maschine, der galvanischen Säule, de: Luftpumpe, eine chemische Zersetzung oder Zusammensetzung, murr den Augen der Seminar-Eleven ausgrführt, bringt diesen, und somit den Schulen, für die Erde und für den Himmel mehr Runen, als der ganze lateinische Plunder. Ta es den an jenem Institute angestellten Lehrern weder an pädagogischer Tüchtigkeit, noch an gutem Willen und besserer Einsicht fehlt, so bleibt die ganze Verfassung des Seminars ein Räthsel, das sich, wir wollen cs den wackcrn Hessen herzlich wünschen, mit der Anstellung eines pädagogisch-gebildeten, und von der Wichtigkeit wahrer Volksbildung durchdrungenen Land - Nabbincn, zum besten lösen möge. Als gewissenhafter Referent der Tagcsgeschichte wollen wir auch einen dcmüthigen Bericht nicht unterdrücken. Tie Zeitschrift „Europa" theilt nämlich mit, daß in Gibraltar eine zahlreiche jüdische Gemeinde lebe, in welcher die Männer übertrieben häßlich, die Weiber dagegen hübsch seien, und sollen diese, in ihren schwarzen Kapuzmärucln mit scharlachrother Einfassung sich allerliebst ausnehmcn. Seitdem diese europäische Classification bekannt geworden, will man auch in einem Lande zwischen dem 46. und 56.° Breite, und dem 22. und 37.» Länge auf wahrhafte Pracht exemplare von Gibraltaranern gestoßen sein. Durch die Bemühung der Gebrüder L. und H. W. Löwenfeld in Böhmen flössen den Nothlcidenden im böhmischen Erzgebirge, im Baaren, ohne Kleidungsstücke und Lebensmittel über 100,000 Fl. zu. Hunderte der Erzgebirger, unter ihnen auch solche, welche Städten, wie Joachimsthal angehören, in welchen Juden nicht wohnen dürfen, erkennen es dankbar, daß sie diesen menschenfreundlichen Männern die Fristung ihres Lebens verdanken. Grammatik der hebräischen Sprache von Dr. Joseph Gläser, mit einem neuen Syntaxe vermehrt von Anton Schmitter. (Reqensburg, bei F. Pustet.) Zeichnet sich die Ewald'sche Sprachlehre durch eine geistreiche originelle Auffassung des Sprachelemcnts aus, so verdient vorliegendes Werk durch seine sehr reichhaltige und doch gedrängt gegebene Auswahl, durch seine methodische Anordnung und klare Darstellungsweise des gegebenen Stoffes, vorzüglich als Leitfaden bei dem Unterrichte und zum Selbststudium für Anfänger empfohlen zu werden. Am Horizont unseres literarischen Himmels steigt gegenwärtig wie ein hellleuchtender Stern „Das verklärte Bild der Freiheit" ein Kanzelvortrag vom Dr. G- Salomon. (Hamburg bei Moritz Geber.) auf. Diese Predigt, hervorgegangen aus den die Zeit bewegenden Interessen, steht in jeder Beziehung auf der Höhe der Zeit. Sprache, Diktion, Eintheilung, Abrundung, Frische des Ausdrucks, Alles ist dem Thema wol angemessen, *) und bekundet den Mann der Zeit, den Mann, der die Zeit in ihren Mängeln und Schwächen zu schildern versteht, der in der Zeit über der Zeit zu stehn vermag, und mit klarem, weitsehendem Auge in die Zukunft blickt, und uns von ihr mit der größten Zuversicht Freiheit und Frieden, Ruhe und Trost verheißt. O, daß sie doch bald erfüllt würden, die Worte unsres begeisterten Propheten, — „Vorurtheile schwinden — beschämt sieht sich der Aberglaube — der Haß verstummt — Verfolgung kennt man nicht; die Wahrheit siegt; die Vernunft schreibt das Gesetz; das Band der Liebe umschlingt die Menschheit, das Jubeljahr der Freiheit beginnt und endigt nimmer!« *) Es liegt diese Predigt vor uns und wir müssen ganz mit dem Urtheile unseres Correspondenten übercinstimmen. Es sind inhaltrciche, hochbcgeisterte Worte, wahrhaft golbne Früchte in silbernen Schalen. Red. Bitte. Zur Unterstützung unserer israelitischen Glaubensgenossen zu Jerusalem, sind kürzlich mehre milde Gaben bei mir cingegangen. Diejenigen, welche sonst noch zu dem wohlthätigen Werke — unsre im heiligen Lande wohnenden Mitbrüder geistig zu erheben und so in der Religion unserer Väter zu stärken und zu befestigen — beitragen wollen, können ihren Beitrag mir zuscndcn. Besonders wollen die Gemeinden die in den Synagogen gebräuchlichen Spenden wieder recht zahlreich machen und mir solche, zur weitern Beförderung übersenden. Soest, den 25. Mai 1843. Hell Witz. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.