Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1843)
- Date
- 1843-07-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Zsraeilt des neunzehnten Jahrhunderts. Ei«- Wochenschrift für die Kenntniß des israelitischen Lebens/ besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von He» § c r Großi,cr;ogl. W-imarscli-m Land -Radbinci, zu Sradt-Lengsfcld bei Eisenach. 9fr» 2V. Sonntag, den Eine Nntervedung mit Bruno Bauer über die Budenfrage. (Schluß von Nr. 26.) Beide Religionen fassen Gott als Geist, als Wahrheit, und als den Urgrund alles Seins; beider Urkunden legen Gott eben und dieselben Eigenschaften bei, nur daß die eine manche Eigenschaft, weil sie zu einem minder ausgebildeten religiösen Bewußtsein sprach, etwas anthropomorphosirt, und die andere, weil sie ein fortgeschritteneres religiöses Bewußtsein voraussetzte, dieselbe Eigenschaft etwas mehr vergeistigt. Die heiligen Bücher beider Religionen fassen das Absolute, wie schon eben erwähnt, sowol transcendent, als immanent. Dieser Gegensatz von Transcendenz und Immanenz, wie er in beiden Testamenten enthalten ist, hat nun allerdings im Laufe der Entwickelung des religiösen Bewußtseins der Anhänger genannter Religionen viele verworrene und sich widersprechende Vorstellungen von Gott zu Tage gefördert. Man faßte die Transcendenz und Immanenz meistens räumlich auf, und die, welche erstere festhielten, ließen Gott außerhalb der Welt, während die, welche letztere aussaßten, glaubten, daß Gott und die Welt identisch wären. Allein Gott ist sowol transcendent als immanent, er ist selbstbewußte Persönlichkeit und unter Immanenz ist die Natur und unter Transcendenz der Geist zu verstehen, deren höhere Einheit der Weitgcist; oder das Absolute bildet. Gott ist unaufhörlich ideel j in einem Prozesse begriffen, d. h. er macht sich mit jedem j Augenblicke zur Natur (Immanenz), wird sein Anders- I sein (Weltschöpfung) nur nicht zeitlich und immer nur I ». Zu« 184». IV. Jahrgang.! ideel gefaßt, hebt sich oder die Natur im menschlichen j Erkennen derselben zum Geiste auf, und überwindet so j sein Anderssein, die Natur, (die göttliche Weltregierung,! Transcendenz) gewinnt aber erst sein Selbstbewußtsein oder wird persönlicher Gott in dem geistigen Gesammtbewußtsein des ganzen Menschengeschlechts, wo Gott erst Weltgeist oder das Absolute wird, weil hier dem Ab-! soluten die Natur nicht mehr gegenübersteht, sondern ■ durch das gestimmte menschliche Denken zum Geiste aufi gehoben ist, und es sich als die höhere Einheit der Na-! tur und des menschlichen Gesammtgeistes weiß. Dieser! Prozeß aber findet unaufhörlich statt und hört nie aus. j Denselben Prozeß macht der individuelle Mensch nur i aus endliche Weise und zeitlich durch, was ihn zur selbstbewußten, allerdings endlichen Person macht. Jedoch kann dies hier nicht weiter ausgeiührt werden. Genug die Auflösung des Gegensatzes von JmlH-uenz und Transzendenz in den beiden Testamenten wird von den Gebildeten so gefaßt. Faßt nun aber der größere Theil der Bekenner des neuen Testaments, indem er den in demselben enthaltenen Gegensatz nicht vereinigen kann, nur die Transcendenz in ihrem abstracren ^inne auf, so ist dies derselbe Fall bei dem größern, ungebildeten Tbeile der Bekenner des alten Testaments, fassen dagegen die gebildeten Bekenner des neuen Testaments, indem sie die Gegensätze darin zu vereinigen wissen, die Immanenz auf, so laßt sich auch dasselbe von den gebildeten Bekennern des alten Testaments behaupten. In jedem Falle aber haben beide Religionen dieselbe Grundanschauung vom Absoluten, und somit, wie schon erwähnt, dieselbe Sittlichkeit, Moral und Recht. Daß das alte Testament