Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-06-25 · Heft 26 (25.6.1843) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 26 (25.6.1843)
Date
1843-06-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2566751-2566856-2566883--0648-2568329
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

105 scheu Lehrbüchern eine wesentliche Umgestaltung Hervorrufen. Der geehrte Verfasser aber hat sich jedenfalls mit diesem gehaltreichen Werke ein dauerndes Denkmal, nicht aus ein Gemeinfeld, sondern auf ein selbstgeschaffenes, errichtet. Aus Berlin wird uns geschrieben: »Die Posse vom hiesigen Rabbinat spielt noch fort, ich glaube aber den letzten Act. Es heißt nämlich hier allgemein, der zum Rabbinen designirte vr. Frankel aus Dresden aspirire jetzt auf das Londoner Rabbinat, und deßwegen halte er seine Bewerbung um das preußische Bürgerrecht noch zurück. Das liegt wohl im Bereiche der Möglichkeit, aber wirklich dürfte das kaum der Fall sein. — Doch bleibt es immer ein großes Unrecht, daß Hr. Frankel seinen Entschluß so lange hinhält, und dadurch Vermuthungen veranlaßt, die ihm sowol als der guten Sache nur Nachtheil und Schaden bringen." »Der Bau des hiesigen jüdischen Hospitals schreitet rasch vorwärts, und es ist zu erwarten, daß das Institut noch in diesem Jahre wird eingeweiht werden können. So zeigen sich in humanistisch-philantropischrn Angelegenheiten die hiesigen Juden großherzig und bereitwillig, nicht so aber, wo cs ihre Religion und deren Erfüllung und Ausrechthaltung gilt; doch wir kommen nächstens darauf zurück." Wir können jedoch die Ansicht unseres verehrten Korrespondenten, der in dem so lange zurückgehaltenen Entschluß vr. Frankels »jedenfalls" ein Unrecht sieht, nicht theilen. Wenn Jemand zaudert zu avanciren, so sind edle Motive wohl die wahrscheinlichsten. Wir haben uns nicht getäuscht. Die neuesten Berichte erwähnen eines Schreibens, das vr. Frankel an Minister Eichhorn richtete, und in welchem er mit edler Freimüthigkeit die Bedingungen auseinander setzt, unter welchen er die Stelle zu übernehmen bereit sei. Wir werden demnächst aus dieses durch Form und Inhalt gleichmäßig ausgezeichnete Schreiben zurückkommen. Vor 10 Jahren hatte B. Auerbach in Berlin seine Waisenanstalt mit 4 Waisen eröffnet, von ihnen sagt der Gründer in dem uns vorliegenden Jahresbericht von 1842: »Wir wußten nicht, wie wir die geringe Zahl von 4 Waisen speisen und kleiden und mit dem Allernothwendigsten versehen sollten." — Seitdem sind 31 Waisenknaben im Waisenhause erzogen, und mit allen ihren Bedürfnissen reichlich versehen worden, 15,123 Thaler sind dafür verausgabt worden, und trotzdem besitzt die Anstalt den unantastbaren Fond von 24,535 Thlrn. Nun geht der unermüdliche Gründer mit dem Plane um, auch eine Mädchen-Waisen-Anstalt zu gründen. Von einem edlen Menschenfreund, der nicht genannt sein will, sind dafür 5000 Thaler schon ausgezahlt, ein Anderer hat gleichfalls unter dem Siegel der Verschwiegenheit, diesem projectirten Waisenhause eine jährliche Rente von 100 Thalern, testamentarisch zugesichert (und »diejenige würdige Frau, — sagt Herr A. — die mir bei der Gründung des Knaben-Waisenhauses die ersten 25 Thaler zum Fond gegeben, hat auch zu diesem Waisenhause 25 Thlr. gespendet"). Auch ein neues Waisenhaus steht in Aussicht, und wieder steht ein Wohlthäter im Hintergründe, und zarte Rücksichten halten Herr A. ab, sich darüber näher auszusprechen. So wünschen wir denn allen Waisen die thätige und erfolg, reiche Theilnahme einer Berliner Gemeinde, und einen liebevollen religiös-begeisterten Waisenvater wie Baruch Auerbach. Unermüdlich läuft und rennt, schafft und wirkt, bittet und bettelt dieser Menschenfreund für seine Waisen, seine Kinder, und ist fcemüht, aber auch begabt und befähigt, nicht allein in materieller Sorge und Strebsamkeit Vater und Mutter zu ersetzen, sondern auch was diesem erst den rechten Werth gibt, in geistiger und gemüthlicher Beziehung. So wendet denn derselbe treffend auf sich selbst an: p b>V T^b22 üb p b'j 'bmup pn WT3» •iPCN bfr 3 JHül wzbro TW "Ja, der Herr hilft mir, darum scheue ich mich nicht. Darum hebe ich mein Angesicht kühn empor; denn ich weiß, daß ich nicht zu Schanden werde." (Jesaj. 50, 6.) Der treffliche Mann hätte treuer übersetzen sollen. — »Drum mache ich mein Angesicht zum 'Riefet« — denn sein rastloses Anpochen an die Thüren der Neichen, in den Kreisen der Glücklichen und das so Großes geschaffen, wird dadurch am besten bezeichnet, und ist eine Ehre und ein unvergänglicher Ruhm. — Schreiben, die Rede eines christlichen Geistlichen am Grabe eines Israeliten betreffend. Ich überreiche Ihnen ganz gehorsamst, die von unserm hiesigen evangelischen Stadtpsarrer, Hrn. Neumann, gesprochene Trauerrede, bte derselbe am Grabe des hiesigen Kaufmanns, Hrn. Julius Friedländ er, der in der vollsten und rüstigsten Manneskraft plötzlich seine irdische Laufbahn durch einen Stur; aus dem Wagen endete, gehalten. — Tie allgemeine Theilnahme sprach sich bei dem Lekchenzuge unzweideutig aus, eine seltene Weihe jedoch verlieh dieser Trauerfeier unser sehr würdige Herr Pastor durch die kräftigen und begeisterten Worte die er am Grabe gesprochen. Ein christlicher Geistliche am Grabe eines Juden Trost spendend ist und bleibt ein herzerhebender Anblick. Eine solche menschenfreundliche Handlung, frei von jeder vorurtheilsvollen Gesinnung, ein solcher Act der höchsten Toleranz verdient unsere öffentliche Anerkennung, und da Ihr geschätztes, in unserer Gegend allgemein gern gelesenes Blatt „der Israelit" es sich zur Aufgabe gestellt, jeden bessern Fortschritt, wo er sich bekundet, kräftigst zu unterstützen, hoffe ich, daß Sie gerne diese Worte unseres hochherzigen Redners in Ihrem geschätzten Blatte vollständig, so wie ich Ihnen solche nachfolgend angegeben habe, veröffentlichen werden. In dieser Erwartung zeichne ich Ew. Ehrwürdcn Leobschütz (in Schlesien), ganz ergebenster Diener am 10. Mai 1843. Holländer. Die Rede lautet: »Gott blicke gnädig herab auf uns, die wir in so tiefe Trauer versunken sind, und sende Trost unserm gebeugtem Gemüthe, Linderung unfern verwundeten Herzen. Amen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.