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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-06-25 · Heft 26 (25.6.1843) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 26 (25.6.1843)
Date
1843-06-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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104 Antwot: Nein! Nach den Urkunden beider Religionen kann das Göttliche sowol transcendent, als immanent aufgefaßt werden, und dies gerade ist das ewig Große und Wahre jener alten Denkmäler geistiger Starke, daß sie für beide Anschauungen des Absoluten Stoff darbieten. Denn beides ist wahr. Gott ist sowohl ttanscendent, als immanent, je nach dem man ihn, um mich mit Spinoza auszudrücken, als res eo§itaits, oder als res extensa auffaßt. Daß der Gott der christlichen Religion neben seiner Transcendenz zugleich immanent ist, glaubt jeder, denn die Evangelien erzählen, daß Gott in Christus Mensch geworden ist. Daß der Jehovah des alten Testaments aber ebenfalls immanent sei, beweisen, ist es gleich nicht auf eine so sinnliche Weise, wie im neuen Testament ausgesprochen, viele Stellen in den Urkunden des Mosaismus. Unter vielen anderen führe ich nur, um nicht die Briefform allzusehr zu überschreiten, diese zwei an: „Und Gott blies ihm (Adam) einen Odem von seinem Odem in seine Nase," und die bekannte, oft wiederkehrende, Stelle: „Die ganze Welt ist voll von der Herrlichkeit Gottes." Wer den Inhalt dieser Stellen recht in Erwägung zieht, und erstere Stelle auf den Geist und letztere auf die Natur bezieht, und den Begriff „Herrlichkeit" recht erfaßt hat, der kann nicht länger zweifeln, daß das alte Testament nach seiner Anschauung des Absoluten die Immanenz Gottes enthalte. Somit sehen wir, daß der Inhalt beider, in Rede stehender Religionen nach ihrem Gehalte, der Grundanschauung des Absoluten, derselbe ist. Ist aber ihre Grundanschauung des Absoluten dieselbe, so ist auch notwendig ihre Weltanschauung überhaupt dieselbe, ihr theoretisches und praktisches Leben dasselbe, ihre Begriffe von Sittlichkeit, Moral und Recht dieselben. Somit hat Bauer Recht, wenn er behauptet, daß verschiedene Religionen ihre Bekenner aus ihrem staatlichen und sittlichen Leben gegenseitig sich ausschließen lassen, sobald sie verschiedene Grundanschauungen vom Absoluten haben. Nur hätte er erst näher zusehen sollen, ob sich diese seine Behauptung auch auf genannte beide Religionen anwenden lasse, d. h. ob beider Grundanschauungen des Absoluten verschieden sind. (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. Das Feld der hebräischen Linguistik bietet auch in der neuesten Zeit eine erfteuliche Erndte. Dem Kenner und Verehrer dieses Zweiges der Literatur, führen wir heute folgende sehr beachtenswerthe Schriften vor. I. Hebräische Sprachlehre für Anfänger, von Heinrich Ewald. (Leipzig, Hahn'sche Verlags-Buchhandlung.) Der Name des, als eines der gründlichsten Kenner und geistreichsten Forscher im Gebiete der orientalischen Sprachen anerkannten Verfassers, überhebt uns aller Lobesspenden über das angekündigte Werk. Doch mochte der Wortlaut des Titels, im gewöhnlichen Sinne genommen, manchen von denen von der Erwerbung desselben abhalten, für die dasselbe eigentlich geschrieben ist, wiederum wird derselbe Andre zum Anschaffen desselben bestimmen, die gar keinen Gebrauch davon zu machen im Stande sein möchten. Wir glauben daher dem dabei interessirten Publikum einen Dienst zu erweisen, wenn wir, ein solches Mißverständniß zu beseitigen, die eigenthümliche Art von „Anfänger" für die der gelehrte Verfasser seine Grammatik geschrieben, andeuten. S. 7 heißt es in jenem Buche: „Die Aufgabe der Grammatik ist also, die Mittelstufe nachzuweisen, worauf das Hebräische zunächst in seinem eigenen Kreise zwischen dem Arabischen und dem Aramäischen, sodann aber als semitische Sprache überhaupt zwischen den ausgebildetsten (sanskritischen) und den weniger ausgebildetsten (koptischen, malaischcn) Sprachen steht." — Können wir nun auch, nachdem wir das vorliegende Werk mit Aufmerksamkeit durchgegangen, die Versicherung geben, daß daS Buch auch von Denjenigen mit Nutzen gebraucht werden kann, die jener angedeuteten, ausgedehnten Familiensippschast der hebräischen Sprache fremd sind, und die auch keinen Beruf in sich fühlen, ihre Bekanntschaft zu machen, und das Hebräische nur seinem Wesen nach kennen zu lernen wünschen, ohne Rücksicht auf dessen Beziehungen und Stellung zu andern verwandtxn Sprachen, so sind wir doch zu der Ueberzeugung gelangt, daß Viele, die das Hebräische treiben, da aufzuhören geneigt sind, wo die Ewald'schen Anfänger beginnen. Der Ewaldsche Anfänger muß nicht allein ein scharfes und gereiftes Urtheil überhaupt, und eine wissenschaftliche Vorbildung insbesondere mitbringen, sondern, sollte er auch das Gerippe der hebr. Sprache aus andern Grammatiken schon kennen, dann lehrt ihn das Genie Ewald's, dem tobten Körper Lebeusfülle zu geben, und der unregsamen Zunge die beredete Sprache. Für jüdische Elementar- Schulen, in welchen das Hebräische getrieben wird, wäre also dieses Werk am wenigsten geeignet, desto mehr aber können wir dasselbe allen Lehrern, denen es bei der Erlernung der hebräischen Sprache mehr, als um ein leidliches Eramen zu thun ist, und andern gereiften Jüngern dieser interessanten Sprache, von ganzem Herzen empfehlen. II. Die Lehre vom Tempus und Modus in der hebräischen Sprache. Bon Dr. Simon B. Scheier. Der Verfasser erweitert und begründet das vom Professor Herling für alle ihm bekannte Sprachen, mit besonderer Bezugnahme auf die hebräische, geltend gemachte System der Dichotomie, (Zweitheiligkeit der Zeitformen, statt der bis jetzt angenommenen Dreitheiligkeit: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) soweit dieses neue System die hebräische Sprache berührt. Als besonderes Verdienst bei der Geltendmachung dieses Systems, nach welchem der hebräischen Sprache nur daö Präsens (der früher "pny) und das Präteritum bleibt, verdient angeführt zu werden, daß man nun der fatalen Annahme eines -qj; “]?nDri,1 Tnyi “rny1? überhoben bleibt. Diese wichtige Reformation, wenn nicht Revolution in einem so wichtigen Theile der Grammatik, wird nicht spurlos verhallen, sie muß entweder kräftig und mit Gründen niedergekämpft werden, oder in den hebräi-

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