Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1843)
- Date
- 1843-06-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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lOO tut seines Begriffes und seiner Geschichte zu erklären, aber nicht einem VormtheLK, das niemals in mir Raum gefunden, zu schmeicheln. Werfen wir einen Blick auf die Geschichte der Religionen sowohl, als auf den Begriff derselben, so finden wir, daß jede Religion ein Kastenwesen ist, das die andere, ihm gegenüberstehende Kaste von ihren Privilegien ausschließt, und dem sie seine Rechte verweigert und verweigern muß. So lange der Mensch ein religiöser ist, ist er nur ein partieller, aber nicht reiner Mensch. Der reinen Humanität wirft die Religion unaufhörlich den Fehdehandschuh zu; erstere steht, so lange der Mensch denkt, letzterer gewappnet gegenüber, und letztere wüthet gegen erstere so lange, als der Mensch nur fühlt, d. h. als er sein Gefühl mit dem Lichte des Gedankens nicht lautert und aufhellt und zum reinen Aether des Gedankens selbst erhebt. Die Zeit wird kommen und muß kommen, wo dieser Druck (dieß ist sein Ausdruck) einmal zunächst aus einem Staate verschwinden und an seiner Stelle die reine Humanität sich auf den Thron setzen wird, worauf dieser Staat theils freundlich und theils feindlich die übrigen Staaten mit seinem Lichte beleuchten wird, bis der Mensch reiner, ganzer, Mensch einmal auf der ganzen Erde geworden sein wird. Wie es jetzt Staaten gibt, die nur democratisch, und andere, die nur republikanisch, und wieder andere, die nur absolutistisch sind, so wird sich einmal ein Staat zum rein humanistischen machen, dessen Beispiel die übrigen Staaten früh oder spät befolgen werden. — Ich kann Ihnen natürlich wegen Mangel an Raum und Zeit eine detaillirte Wiederholung seiner Auseinandersetzung nicht mittheilen; gestatten sie mir nur, Ihnen einige Einwürfe vorzuführen, die ich ihm meistens ex abrupto gemacht. — Zunächst berührte ich, daß es ein gewaltsamer Streich des Gedankens wäre, die Religion, deren Wesen in der unmittelbaren Natur des Menschen, dem Gefühle, wurzelt, ganz und gar als etwas Zufälliges, dem menschlichen Sein nicht f Notwendiges, zu betrachten. Es ist wahr, das religiöse Gefühl enthält das Göttliche, diese ewige Wahrheit, nur seiner einen Seite nach, nämlich dem Inhalte nach,. aber nicht von Seiten der Form. Gott ist dem religiösen Gefühle präsent, als ein zufälliger, Vorgefundener, unmittelbarer, aber nicht als ein erkannter, von allen Prämissen befreiter und voraussetzungsloser und daher noch nicht als objectiv wahrer. Diese formelle Seite kann erst die Vernunft ergänzen; diese erst erkennt objectiv für wahr, was das Gefühl subjectiv als wahr fühlt. Darum aber sind wir noch nicht berechtigt, zu behaupten, das religiöse Gefühl enthalte etwas Falsches, Unwahres, und sein Inhalt sei ein unberechtigter; noch weniger, aber dürfen wir es unterdrücken, oder gar aufheben wollen. Niemand wird behaupten, daß die Sinnlichkeit die Wahrheit enthalte, und den letzten Grund alles Seins ausmache; aber nichtsdestoweniger wäre es ein Unsinn, wenn nicht gar ein Wahnsinn, die sinnliche Welt ganz aufheben, oder, wie dieß Fichte gethan, ganz wegläugnen zu wollen. Die Sinnenwelt enthält für das menschliche Wahrnehmungsvermögen und für die Empfindung ebenso das Absolute, wie letzteres für die Vernunft im Geiste enthalten ist. Allerdings wird dort das Absolute als ein Unmittelbares, von der Seite seiner Ausdehnung, in seiner Entäußerung aus sich selbst, als ein, dem Subjekte noch gegenüberstehendes, empfunden, aber noch nicht als ein im Subjecte selbst präsentes gefühlt, und noch weniger in seiner wahrhaften Form, in seinem Sinn, als Geist, erkannt. Darum aber ist das Sinnliche noch kein Unberechtigtes und Zufälliges, sondern für dir Sinne ist es ebenso berechtigt und nothwendig, wie der Geist für die Vernunft berechtigt und nothwendig ist. So lange der Mensch mit einem Empfindungsvermögen begabt ist, wird es eine sinnliche Welt geben, und so lange es Geist gibt, wird es auch Sinnlichkeit geben. Dasselbe Bewandniß hat es aber auch mit dem Gefühle. Sowie es einen göttlichen Geist gibt, muß es auch ein religiöses Gefühl, das von ihm erfüllt ist, geben, und so wie der göttliche Geist ewig ist, so muß auch das religiöse Gefühl ewig sein. Wenn es nun auch nur dem vernünftigen Denken gelingt, das Absolute dialektisch und daher objectiv zu erkennen, und dadurch der Inhalt, den das religiöse Gefühl und die Sinnlichkeit auf eine unmittelbare Weise besitzt, auf einem vermittelten und dadurch an und für sich wahren Weg gewinnt, wodurch für dasselbe allerdings beide erstere Sphären überflüssig werden, so kann es von denselben doch nur so lange abstrahiren, als es sich in der Spekulation erhält, sobald es diese fahren läßt, verschwindet ihm auch sogleich das Absolute, worauf es seinen Inhalt sogleich wieder aus dem religiösen Gefühle und der sinnlichen, Welt nehmen muß. Im speculativen Denken aber kann sich die endliche Vernunft nur eine kurze Zeit erhalten, so lange sie die sinnliche Natur zu ihrer Basis hat, nur die göttliche Vernunft denkt immer speculativ, indem sie nach Aristoteles die vovöio vovö£«s ist und unaufhörlich sich selbst denkt. Demnach muß es nach der Natur ihres Begriffes eine Religion geben, weil es ein Gefühl, welches ein nicht hinwegzuläugnendes Factum ist, gibt. Und sie hat eine ewige Existenz, wie der Mensch, der mit einem Gefühle verr sehen ist, ewig ist. Es entsteht nun die Frage: Wie so und warum gibt es viele Religionen und wie viele Religionen kann es dem Begriffe ihres Inhalts nach geben? Die Antwort hierauf ist einfach die: Es gibt darum viele Religionen, weil es viele Anschauungen von dem Göttlichen gibt, und es gibt, oder es kann so viele Religionen geben, als es Anschauungen von ihrem Inhalte, dem Göttlichen, und seiner Manifestation, geben kann. (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. Seitdem die hochherzige ungarische Nation den jüdischen Vaterlandsgenossen die brüderliche Hand gereicht, wollen letztere mit ihren magyarischen Brüdern nicht blos ein Herz, sondern