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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-06-11 · Heft 24 (11.6.1843) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 24 (11.6.1843)
Date
1843-06-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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99 Bestimmung habe, auf alle jerusalemitischen Briefe, die im Verdacht stehen, den wunden Fleck seiner Verwaltung zn berühren, Jagd zu machen, und die Eingefangenen nach Amsterdam zu schicken. Was weiter mit den Briefen geschieht, ist schon mehr geschehen, aber von minder heiligen Leuten. Ferner sollen die armen Aschkenasim gegen die Sfardeim ungebührlich zurückgesetzt werden, auch soll ein Agent Lehrens in Jerusalem mehrere Israeliten ü Ia Pascha habe mißhandeln lassen. Diese und noch vier andere gravircnde Anklagen, sind Lehren in Form von Anfragen zur Beantwortung resp. Rechtfertigung auf Privatweg vorgelegt, und da das ohne Erfolg blieb, veröffentlicht worden. Dafür läßt Lehren sich die Apotheose aus der heiligen Stadt kommen, und wer darf nun rechten mit dem Gotte minus (Nach der Kabbala habe Moses nämlich die 49 Pforten der Vollkommenheit passirt, und nur die 50ste, die ihm noch verschlossen, habe ihn von der Gottheit getrennt, darauf das VTlDnm uTltaO Jenes Schreiben läßt sich demgemäß auf die Regeln, wie sie in solchen Fällen bei Menschenkindern in Geltung stehen, Z. B. ^-];-,"a C'pj crVTTh gar nicht ein, sondern hält den Anklägern die Glanzparthie der Lchrenschcn Verwaltung hin, daß es nämlich jetzt in Jerusalem hinter der Thora hergehe (Hort!) nny ~v jvs nnon cra nrvra tö imaa im und daß in die Bathe Midraschim noch viele Bänke hätten gebracht werden müssen, (wer denkt da nicht an die fcnV) ’Zül •KEEp tihü) und fordert dann die Ankläger auf Buße zu thun in Sack und Asche. — Noch sind die Akten nicht geschlossen, vielleicht schlägt Lehren alle diese Anklagen noch siegreich nieder. Aber darüber glauben wir im Klaren zu sein: der einen Hauptbedingniß, die man dem Verwalter eines solchen Amtes stellen muß, tiefes religiöses Gefühl, und die strengste Uneigennützig keit, entspricht Lehren aufs genügendste: allein die zweite, ohne welche religiöses Gefühl einer Kuh gleicht, die ihre Milch wieder umgießt, muß man anderwärts suchen. „Die Luft von Erez JZroel" hat ihn nicht klug gemacht, und von den 50 C’IJ/Itf scheint ihm, leider! gerade das wichtigste verschlossen. Deßhalb braucht der fromme Leser nicht verlegen zu sein, wohin nun mit dem Erez-Jsroel-Gelde. Nachdem Moses Montefiore auf eigene Kosten einen jüdischen Arzt, einen Apotheker und die nöthigcn Mcdicamcnte nach Jerusalem gesendet, um dem Elend unter den dortigen Glaubensbrüdern einigermaßen entgegen zu treten, hat Dr. Philippsohu in Magdeburg einen Aufruf an die Mildthätigkeit der europäischen Glaubensbrüdcr zum Behufe der Gründung eines Hospitals in Jerusalem, mit welchem eine geordnete Schule für beide Geschlechter in Verbindung gebracht werden soll, erlassen. Die Zeichnungen belaufen sich schon auf 30,000 Thlr. Das Haus Rothschild hat freilich das Beste dabei gethan. Dasselbe sandte nämlich sein ^p£',l rvvna vom verwichenen Purim, für jeden Hausvater der Gcsammtfamilie ä 2 gGr., Summa 10 gGr.; da man aber mit dem eigentlichen Werthe des Sekels noch nicht im Reinen ist, so legte das solide Haus noch ein Agio CxoMvßog p2^p) bei von 26,000 Thlr. und 6 gGr. Wir glauben: wer zum Baue dieses ProjectS einen Stein trägt, hat mehr gethan, als wenn er ein Lehren'sches Bank-Institut gründet. Die israelit. Gemeinde zu Frankfurt a. M. will ei« neues Schul- und Gemeindehaus und eine neue Synagoge bauen. Daß man dort mit dem Schul- und Gemeindewesen gut umzugehm weiß, beweißt die Erfahrung, und außer der Erwartung, daß die beiden ersten eine neue architektonische Zierde der Mainkönigin werden wird, hat man mithin auswärts auch schon ein gutes Vorurtheil von vem Geiste u. s. w. der in demselben herrschen werde, gefaßt. Aber die Synagoge, die Synagoge! Die hochherzige Familie Rothschild will auch hier allerdings das Beste thun, ja, wie öffentliche Blätter versichern, will dieselbe die enormen Kosten des Baues allein tragen. Aber damit ist noch nicht die größte Schwierigkeit überwunden. Die israelitische Gemeinde Frankfurts wäre auch noch, ohne Rothschilds Beistand, reich und fromm genug eine prachtvolle Synagoge zu bauen. Aber worin liegt denn die Schwierigkeit? Man wirds kaum glauben, man ist in Verlegenheit um den nöthigen Kirt, den Harmonie-Kitt! — Auch dürften die Baumeister wegen einiger acustischen Schwierigkeiten bei dem Baue noch einige Zeit sich hinter den Ohren kratzen. Tenn es müßten innerhalb dieser Synagoge zu gleicher Zeit Mizwot verkauft, rabbinische Contrvverse gehalten, gememmert, gejodelt, gepredigt, Orgel gespielt, Kirchcnftücke ausgeführt werden u. s. w., ohne daß Eins das Andere genire. Denn von Nachgeben weiß man dort weniger als in manchen deutschen Ständekammern. Auch müßte, was auch nicht schön bei Synagogen ist, ein allzngroßer Vorplatz eingerichtet werden, weil auch die berücksichtigt sein wollen, die schon lange außerhalb der .... zu stehen gewohnt sind. Ein Gtva i einer gewissen eictc beglückt auch die Israeliten in Teschen (Böhmen). mcv 3 raclitm öüre» ein: Sy- »aaogc van-:». JEDOCH die Fenster und der Eingang dürfen nicht gegen die Gassen gerichtet sein, sie darf keine runde kirchenähnlichc Bauform, sondern muß mehr eine den Privathäusern ähnliche haben; es darf darin keine förmliche Synagoge errichtet, kein eigener Rabbine angestellt werden, in dem Gebäude darf nur eine einzige Wohnung für den Religionsdiener angebracht sein; für das Territorium muß vor wie nach die Grundsteuer entrichtet werden, und sollte endlich dieses Gebäude seine gottesdienstliche Bestimmung verlieren, so muß es einem Christen überlassen werden. — Vorerst hat die Staatskanzlei noch keinen Beschluß gefaßt, .ob der liebe Gott, wenn die österreichischen Stiefkinder beten, in einer kirchenähnlichen Staatsuniform, oder im Privat- Negligce, etwa in Civil, das Gebet hinzunehmen zu geruhen hat. Im Himmel muß der Krieg vor der Thüre sein, denn es wird stark für ihn geworben und gepreßt. Auch ein freiwilliges Corps ist errichtet, und durch verliehene Vorrechte wird zum Eintritt ermuntert. Namentlich ercönt die Werbetrommel gar stark in Preußen. Wie die Geier umkreisen dort die Missionäre die arme verirrte jüdische Heerde, und wo ein lüderliches Subject nur einen schwachen Widerstand in Aussicht stellt, der Missionär hinter ihm her, und links umgekehrt, marsch, zur großen Armee! In Frankfurt a. d. O. soll man. besonders während der Messe, bei einem jeden Schritt in Gefahr kommen einen Missionär todt zu treten, so umschwirren sie die Kinder Israels und namentlich deren vielversprechende Taugenichtse. Die preußischen

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