Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1843)
- Date
- 1843-06-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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II.) mit unserem nördlichen Klima entschuldigt. Aus derselben Rücksicht hat man erlaubt, am Sabbath Behufs der Erwärmung Feuer anmachen (Heizen) zu lassen (Orach Chajim o. 276, § 5.), was der Talmud (Sabbath f. 129, a.) nur bei einer Wöchnerin gestattet. Ja, nach demTalmud (dem die älteren Gesetzlehrer, z.B. Maimonides Hilch. Sabb. c. 12, H. 3. folgen) müßte man das Feuer, das im Hause eines Israeliten am Sabbath ausgebrochen, fortwüthen lassen, und wenn es die ganze Stadt zerstören sollte, und dürfte nicht einmal Nichtisraeliten direct zum Löschen auffordern, was gewiß kein Mensch befolgt, weil die später» Casuiften nicht bloß zu löschen erlauben, sondern gebieten, und zwar auch, wenn es bei einem Nichtjuden brennt (Schulchan ar. Or. Chaj. c. 334, §. 26.). Es muß zwar zugestanden werden, daß die nachtalmudischen Lehrer es selten gradezu wagten das Recht zu Abänderungen für sich in Anspruch zu nehmen und meistens das Leben Vorarbeiten ließen, dem sie dann mit Entschuldigungen und Ausnahmszugeständnissen in Berücksichtigung der Zeit umstände zu Hülfe kamen, wodurch aber nichtsdestoweniger die bedeutendsten Erleichterungen (und freilich noch mehr minutiöse Erschwerungen) Sanktion und allgemeine Gültigkeit erhielten; und aus einer Geschichte der religiösen Satzungen würde hervorgehen, daß vielleicht kein einziges Gebot seit der Abfassung der Mischnad (der früheren Zeit nicht zu gedenken) feinem Inhalte und Umfange nach unverändert geblieben. Die Einflüsse, welche diese Veränderungen hervorgebracht, haben sich nur nie so plötzlich bemerkbar gemacht, weil sie nie so stürmisch und massenhaft ins jüdische Leben eingedrungen, wie feit etwa 60 Jahren, wo die aufgehobenen Schranken, die veränderte bürgerliche und sociale Stellung, die verbesserte Jugendbildung durch gute Schulen u. s. w. ganz neue Verhältnisse, Bedürfnisse und Lebensansichten erzeugt, die aber unglücklicher Weise unsere von aller Welt abgesperrten Talmudgelehrten am wenigsten zu beurtheilen und zu würdigen im Stande sind." (Schluß folgt.) Geschichte -cs Tages. Die betagten Frauen, die gerne jung werden möchten, können guten Muthes sein, denn mit der bewußten Mühle ist's nicht ganz ohne, da es nun bekannt geworden, daß in Jerusalem ein derartiges Etablissement erstanden, in welchem vor der Hand, aus ordinären Menschen Engel fabricirt werden. Der erste herausgekrochene Engel ist aber nicht — wie der galante Europäer erwartet — eine junge Frau, sondern ein alter Mann in Amsterdam, Herr Lehren, der schon lange zwischen der Mildthätigkeit eines großen Theils der europäischen Israeliten, und dem Elende der jcrusalemitischen Glaubensgenossen, den ungeschickten Vermittler machte. Ein jerusalemitischer Rabbi geht aber nun so weit, in einem Schreiben, voll der plumpsten Schmeicheleien, das aber veröffentlichen zn lassen der Amsterdamer £12*7 unbescheiden genug war, die Phrase E'Ilta ayo ITPCrtn "Nur ein Weniges weniger, als die Gottheit" — auf Herrn Lehre» anzuwenden. Ferner nnK imfTD m -STVrn ^31 rra&rt "Wer Mißtrauen gegen ihn hegt, der hegt Mißtrauen gegen die Gottheit." — Aber schon sind die Weltkinder hinter dem Engel her, und rupfen ihm die himmlischen Federn aus. Wir werden in einer der nächsten Nummern darauf zurück kommen. DaS neue preußische Crnsurgesetz nimmt natürlich auch die Kirche in seinen zweideutigen Schutz. Nach einer, vom Ministerium ausgegangenen, Interpretation, soll aber durchgängig die Synagoge von dem Begriff „Kirche" ausgeschlossen bleiben. Wäre es nun nicht gar zu bekannt, welch frommer christlicher Wind jetzt in jenem Staate weht, so würde man in der That nicht wissen, wem man eigentlich, nach der gegebenen Bestimmung, in Beziehung auf das Censurgesetz, wohl will, der Synagoge oder der Kirche? In Mähren, wo eben die Land-Nabbinen-Stelle vakant ist, partheit man sich in der Vorfrage zur eigentlichen Wahl, ob dieses colossale Rabbinat in seiner bisherigen antokratischen Verfassung beizubehalten wäre, oder ob nicht eine rabb. Oligarchie, durch Anstellung mehrerer, in ihrem Kreise von einander unabhängiger Rabbinen, vorzuziehen wäre, und endlich ob nicht iw einem Triumvirat, wie in Prag, das Heil zu finden?' Die- Geschichte hat im Großen die Mängel aller dieser Einrichtungen gezeigt, und die mährischen, böhmischen, wie die Israeliten anderer Länder haben sie, in geistlicher Beziehung zn suhle» Gelegenheit gehabt. Wäre aber bei diesem und' bei ander» z» besetzenden größeren Landrabbinaten, nicht in einer Synodal-Verfassung der beste Ausweg gefunden, um einerseits dem- Nachtheike derVermannigfaltigung, und anderseits dem der Conrentrirung des geistlichen Einflusses zu entgehen? Eine solche Einrichtung würdeauch der Idee einer allgemeinen Synode, zu deren Ausführung, früher oder später doch geschritten werden wird, den Weg bahnen, und Volk und Rabbinen gewöhnen, in dem Ausdrucke der Intelligenz, und in der Vermittelung der Gegensätze, aber nicht in der Schroffheit der Partheien, in der Selbstüberschätzung, oder in der vermeintlichen Autorität einzelner, hervorragender, Einer Richtung angchörende Persönlichkeiten, das Heil zu suchen. Im russischen Militärdienste stehen 10,000 Israeliten. Ei» eclatanter Beweis, daß die Geruchsnerven mit dem Glaubensbekenntniß auch bei kriegsdicnstlichen Verrichtungen nicht kollidiren. Desgleichen zählt die Ostseeflotte 4000 israelitische Matrosen unter ihrer Bemannung. Dieselben haben ihren Geistlichen, der, wenn der Dienst es zuläßt, nach einem Commando, jeden Sab- I bath Gottesdienst abhalten läßt. Dasselbe ist auch auf der Flotte des schwarzen Meeres der Fall. In Kronstadt ist den jüdischen Matrosen, auf Kosten des Kaisers, ein hübscher Betsaal eingerichtet worden, woselbst sie mit ihren Frauen und Kindern ihre Feste feiern. Also ist eigentlich doch nur das bekannte höhnische Sprüchwort — ohne Balken. (TamascuS in Böhmen.) In einer Badestadt Böhmens geräth eine Frau, christlichen Glaubens, mit einer angesehene»