Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1843)
- Date
- 1843-04-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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des '"I «och verschieben, um einem Dilemma auszuweichen, in welche man in Folge eines Punktes der Gemeindeordnung geraden könnte. Eine Verordnung des Sanitäts-Amtes im Betreff der Beschneidung, worin der Ausdruck vorkommt: in sofern sie (die Aeltern) ihre Kinder beschneiden lassen wollen —hat die Orthodoxen gewaltig aufgeregt. Diese möchten den Arm der christl. Regierung zur Aufrechthaltung des RitualwesenS angewendet wissen, und haben den Rabbinen bewogen, eine Eingabe beim Senat einzureichen, in welcher er erklärt, daß Gemeinde und Rabbinen verpflichtet seien, die Aeltern zu zwingen, und daß man einen Unbeschnittenen nicht als Zeugen und zum Schwur zulassen könne. Er hat eine nichtssagende und ausweichende Antwort er- Der Bischof Alexander in Jerusalem rühmte vor einiger Zeit u. A. in seinem Schreiben an die Freunde Israels in Großbritanien: „Während der Bau der Kirche auf dem Berge Zion vorwärts schreitet, haben wir in unserer einstweiligen „Jacobs- Capelle" (so heißt sie jetzt) regelmäßig den Gottesdienst unserer (anglikanischen) Kirche in dessen vollständiger Form fortgesetzt. Die Gebete nnserer unvergleichlichen Liturgie sind täglich um 7 Uhr Morgens in hebräischer Sprache gehalten worden. Die Gemeinde der Gläubigen aus den Hebräern, obgleich nothwendigerweise noch klein, ist dennoch von sehr ermunternder Art. Eine jüdische Familie und mehrere Kinder jüdisch-christlicher Eltern sind durch die heilige Taufe der Gemeinde einverleibt worden. Am Sonntage, den 9. Oktober, hielt ich meine erste Confirmation, welche sehr ergreifend war. Während der folgenden Woche wurde ein jüdisches Paar der Gläubigen aus Jerusalem feierlich zur heiligen Ehe verbunden. Letzten Sonntag hatte ich die Gnade, den ersten Israeliten zu dem Amte, daö die Versöhnung predigt, zu ordiniren. Ich will noch hinzufügen, daß ich gedenke, an dem erwähnten Tage (21. Januar) das heilige Abendmahl zum erstenmal Hebräisch zu halten, und zwar nach dem hebräischen Morgengebete. Hiermit contrastirt aber wunderbar, was nunmehr auS Berlin gemeldet wird: „In manchen Kreisen herrscht jetzt große Betrübniß, da aus Jerusalem die traurige Nachricht cingegaugcn sein soll, daß der dortige evangelische Bischof Alexander mit den Türken und Juden wegen des Proselytenthums fortwährend in Sorge erregende Collisionen gerathe, welche demselben die Rückkehr nach Europa sehr wünschenöwerth mache." Neuerdings hört man von Rußland, daß dort ein neues Gesetz über die bürgerliche Stellung der Juden ausgearbeitet, und man dabei das preußische Gesetz vom 11. März 1812 zu Rathe ziehen werde, da der am Berliner Hose accredirte Gesandte schon vor längerer Zeit über diesen Gegenstand zu berichten aufgefordert worden ist. Die reicheren Israeliten scheinen auch im Königreich Polen diesen Gegenstand mit aller Wärme ersaßt zu haben und wollen mit bedeutenden Geldopfern zum Besten ihrer ärmeren Glaubensgenossen beitragen. Auch die Alto na er Addreß - Comptoir - Nachrichten vom 11. Februar enthalten eine Beschreibung der bei Gelegenheit des 50 jährigen Jubiläums des Kopenhagener Handwerksvereins stattgehabten Feier, und begleiten dieselben mit einer Aufforderung zur -Gründung eines ähnlichen Vereins zu Gunsten der jetzt zum Bürgerrechte zugelassenen schleswig-holsteinischen Juden. Neueste Nachricht! In Frankfurt a. M. ist der letzte — ein dreizehnjähriger Ochse — in der Nacht weggebracht worden. Metalliq - Obligat. 111J; Bank - Aktien 1995; Preuß. Staatsschuldscheine 1041. — Börne'S Kindheit. (Fortsetzung von Nr. 17.) Es ist nicht zu verkennen, daß diese eigenrhümliche Stellung, die Borne als Kind in seinem älterlichen Hause hatte, besonders, die ungerechte und hartherzige Verfolgung der allen Elle viel zur Entwickelung seines spätern Charakters bcigetragen hat. Indem er sich zurückgesetzt fühlte, lockerte sich das Band, welches ihn an seine Umgebungen fesselte. Eine gewisse Gleichgültigkeit beschlich sein Gemüth, er wurde minder reizbar für Freud und Leid, er gewöhnte sich, fremde Interessen mit einer Ruhe zu beobachten, die man ihm in spätern Jahren mit großem Unrecht oft als Herzlosigleil auSgelcgt hat. Zu gleicher Zeit fing der Knabe schon früh an, sich gegen die Unbill namentlich der alten Elle mit den Waffen der Satyre zu vcrtheidigen. Er gab, da er ohnehin in seinen glücklichen Geistesgaben bald von seinem Lehrer anerkannt und nach Verdienst bevorzugt wurde, gewöhnlich so treffende Antworten, daß er die ihm feindlichen Elemente des Hauses zum Lachen zwang und dadurch allmälig mit sich aussöhnte. Tie Mutter, der, wie man sich wol denken kann, der Witz und der Verstanddes Knaben schmeichelte, bezeichnete ihn mit dem ihm von der Elle gegebenen Namen Eharev (Witzbold), mit dem er später lange Zeit gerufen wurde. Besonders mußte, je älter der Knabe wurde, die alte Elle seine Satvre erfahren. Sie suchte zwar, da sic über ihn lachen mußte, feine Ausfälle zu crwiedern, aber er blieb keine Antwort schuldig, und griff zuletzt nicht selten zur Malice. Sie sagte ihm L. einmal: „Wirst du Rabbi, so läßt sich die ganze Gemeinde taufen." „Nun," antwortete er, „so bleib ich der einzige Jude und verderbe deinen beiden Söhnen (sie hatte zwei und sorgte ängstlich für deren Wohl) ihren ganzen Handel." „Tu kommst gewiß in die Hölle;" sagte sie ihm ein andermal. „Das thut mir leid", entgegnete er, „so Hab' ich auch noch im Jenseits keine Ruhe vor dir." Ungeachtet der Lehrer alles aufbot, zwischen seinen drei Zöglingen jeden Unterschied der Bevorzugung auszuheben, so gelang es ihm doch nichr, dem Knaben die Neigung zum Jsoliren und Entferntstehen, die einmal in ihm vorherrschte, gänzlich zu nehmen. Ungern schloß er sich andern Knaben an; selten, daß er Thcil an ihren Spielen nahm. Er hatte keinen Sinn dafür; kaum, daß man ihn bewegen konnte, auf der Pfingstweide vor den Thoren Frankfurts so wie andere Knaben seinen Trachen