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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-04-23 · Heft 17 (23.4.1843) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 17 (23.4.1843)
Date
1843-04-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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69 einen neuen Beleg zu dem allbekannten Satze geliefert, daß „der Wahrheit und dem Rechte^ nie schlechter gedient wird, als: wenn ungeschickte Hände sie fördern wollen. Gelchichtr des Tages. Allgemein preist man eine Verfügung der österreichischen Regierung, wornach sämmtliche Kreisämter Böhmen« ausgefordert werden, ein Gutachten über die jura stolae bei den böhmischen Israeliten zu erstatten; aus weiche Weise nämlich die Nebenzuschüsse der Rabbinen zu reguliren wäre, für welche Verrichtungen sie eine Gebühr verlangen dürfen, wie hoch sich dieselbe zu belaufen habe und welche Funktionen sie unentgcldlich verrichten sollen. Denn bis jetzt war es der Willkühr des Rabbinen anheimgestellt, die Gebühren für die Ausstellung eines Zeugnisses, oder einer andern religiösen Verrichtung zu bestimmen. Und welche Willkühr herrschte da! Za, welche Gewissenlosigkeit kann man sagen. Die Herren zeigten aber bei solchen Gelegenheiten, daß das Geld eine nicht geringe Attraktionskraft für ihr eisernes Herz hatte, daß weder Talmud noch Bibel im Stande waren, sie vom Erwerbe unrechtmäßigen Gutes abzuhalten, vorzüglich war Las bei den Taxen, welche das Brautpaar für die Prüfung dem Rabbinen zu erlegen hat. Der Fall geschah nicht selten, daß Seine Hochwürden, der Rabbine, in persona über den Preis der Prüfung mit der Braut unterhandelte, und nachdem er die verlangte Summe, wenigstens 5 Fl. C. -M., in seinem Geldkasten hatte, flößte er derselben Muth ein, und gab ihr sein Nabbinenwort, daß sie von der Prüfung nichts zu fürchten habe, und im Falle die Braut so gelehrt war, daß sie nicht deutsch lesen konnte, ließen sich Seine geistlichen Hochwürden herab, die Fragen und Antworten mit Mischen Lettern auf einen Zettel niederzuschreiben, wofür die arme Braut etwa noch 10 Kr. bezahlen mußte. Ehre dem gerechten und humanen Gouverneur von Neurußland! Der israel. Gemeinde von Odessa, welche sich durch Vermittelung des Dr. Lilienthal mit der Bitte an ihn gewendet, sich höchsten Orts dafür zu interessiren, daß mit der beabsichtigten Verbesserung der geistig - sittlichen Zustände der Juden auch die ihrer bürgerlichen Verhältnisse verbunden werde, ertheilte er folgende Antwort: "Herr vr. Lilienthal überreichte mir zugleich mit einem Schreiben des Ministers der Dolksaufklärung ein Memoir der sehr achtbaren Odessaer Judengemeinde, das ich mit großer Aufmerksamkeit gelesen. Großes Vergnügen verursacht mir die eben gemachte Bekanntschaft mit Herrn vr. Lilienthal, dev mir vom wirklichen Geheimrath Uwarof so sehr empfohlen ward, und über welchen ich auch allerseits viel Rühmliches vernahm. Nach einer beinahe zwanzigjährigen Bekanntschaft mit mir hat sich bei der Odessaer Judenschaft sicher die Ueberzeugung festgesetzt daß ich stets bereit war und daß ich auch in Zukunft immer bereit sein werde, der Judenschaft in den hiesigm Gouvernements in Allem, was von mir abhängt, beizustehen, und daß ich es besonders für eine angenehme Pflicht halte, durch alle mir zu Gebote stehenden Mittel den Fortgang und das Gedeihen der jetzt schon in Odessa und Kischineff bestehenden jüdischen Lehranstalten zu befördern und den Wirkungskreis dieser nützlichen Anstalten auch auf andere Orte Neurußlands und Beßarabiens auszudehnen. Herr vr. Lilienthal wird seinen Glaubensbrüdern in Odessa bezeugen können, daß ich, im Betreff der Schwierigkeiten, die unter obwaltenten Umständen jeden gebildeten jüdischen Jüngling hindere, die in der Schule erworbenen Kenntnisse nützlich anzuwenden, die Meinung der Bittsteller vollkommen theile, und daß auch ich überzeugt bin, daß jüdische Lehranstalten erst dann wahrhaft nützlich würden, wenn der aus ihnen entlassenen Jugend eine unbeschränktere Bahn offen stünde. Unsere Regierung, welche für die Verbesserung des Zustandes der Juden in Rußland so wohlthätig sorgt, wird sich mit solchen Maßregeln befassen, die geeignet sind, die jüdische Jugend zur Erlernung nützlicher Kenntnisse anzuspornen, und denen gemäß auch sie von ihren Fortschritten mehr Nutzen ziehen könnte. Die Ortsbehörden, an die sich der Minister der Dolksaufklärung in dieser Angelegenheit gewendet hat, haben das Recht und die Pflicht, der Regierung ihre Meinung über diesen Gegenstand mitzutheilen. In Folge dessen will ich mich sogleich mit dieser Angelegenheit befassen, und nach meiner Rückkunft nach Odessa mich mit den Mitgliedern der dortigen Judengemeinde besprechen, um mit ihnen über das übcreinzukommen, was man nach St. Petersburg vorzustellen habe. Das Original ist unterschrieben: General-Gouverneur von Neurußland und Beßarabien: Woronzoff.» Ein neuer Maimonides ist auferftanden, der den alten — wo möglich — noch überstrahlen soll. Ein Herr Baretti rühmt nämlich in der vossischen Zeitung von dem vr. Borchart in Berlin, daß seine Manuscripte ihn neben, ja sogar über Maimonides stellen. Philosophie, Mcdicin, Naturwissenschaften, Philologie, Mathematik und diverse andere Wissenschaften sollen durch Hr. Borchart ganz neu aufgefaßt sein. Auö dem Talmud soll der Phönix wie aus der Asche steigen; im Talmud soll bis jetzt der Stein der Weisen unbeachtet gelegen haben und Herr B. hat ihn gefunden und wird ihn der erstaunten Weh bezeichnen. Die Gemeinde Lengenau, im Kanton Aargau, hat um Verbessrung des bürgerlichen Zustandes der Juden und um ihre Verpflichtung zum Militairdienste gebeten. Börne's Kindheit. (Fortsetzung von Nr. 15.) ZacvL Sachs, ein «m die Fortschritte der Erziehung in Frankfurt a. M. verdienter Pädagog, wurde als junger Mann von dnn grade in Lüttich abwesende» Vater Börners ausgefordert, die Erziehung seiner drei Söhne zu übernehmen und zu dem Ende das in der Judengasse belegene Baruch'sche Hauö zu beziehen. Die Bedingung, welche Herr Varuch machte, konnte für den jungen Pädagogen nicht erfreulich sein. Dieser, von den aus Berlin strömenden Reformationsideen eines Mendelssohn und

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