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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-04-23 · Heft 17 (23.4.1843) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 17 (23.4.1843)
Date
1843-04-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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66 Mahlzeit der hungrigen Heuschrecken scheint da nicht beneidenswerth zu sein, wenn ihnen auch der Kaiser und die Herrschaften zu Tischgenossen gegeben sind.) „Wo man hinsieht ist in jedem Winkel eines Dorfes wenigstens Ein Jude, wenn nicht mehrere angesicdelt. (Das Verbrechen!) Er hat die Mauthen des Landes, (der Kaiser wird doch wol das Beste davon bekommen) alle Straßenöauten, (Was soll das heißen?) alle Viktual- und Naturallieferungcn gepachtet" (vom Kaiser!). „In seinen Händen ist der ganze Woll-, Getreide-, Hornvkeh- und Pferdehandel, (Wäre das Land besser daran, wenn Niemand da wäre, der sie abnehme und ausführe?) „Was ist das Loos der Dauern unter solchen Händen? Seine zunehmende Verarmung." (Ob das wahr ist, ob gegenwärtig Böhmen schlimmer daran ist als sonst, als vor 100, 200 Jahren u. s. f. wird nicht leicht ein Sachkenner unterschreiben, und wenn es wäre, so liegen die Ursachen wahrlich nicht in den angeführten Umständen, so weit sie die Juden berühren. Wenn es aber dem Verfasser ernstlich um das Wohl seiner böhmischen Bauern zu lhun wäre, wenn das Herz des „kalten Lebensbeschauers" gerührt wäre von dem traurigen Schicksale jener Menschenrasse, so müßte er der Erste sein, der sich für die Abschaffung jener enormen Judensteuer interessirte; denn diese 220,000 Fl. C.-M. die die böhmischen Juden außer den laufenden Staatsabgaben noch aufzubringen haben, müssen ja von denselben entweder durch eine ungemeine Mäßigkeit abgespart werden, oder der Jude muß sie dem Bauer wieder abpressen. S.56—59 enthält einen besonder» Abschnitt „der Jude in Galizien". Dort seien Mord, Raub und Todtschlag zu Hause, von 10 dergl. Verbrechen sollen 6 auf die Juden kommen. Ein ganzes Dutzend Juden sollen in einem Jahre dort wegen Raubmords hingerichtet worden fein. Die christliche Cultur könne, nach des Verfassers Worten, in ihrer grenzenlosen Vernachlässigung, ihren trägen, kaum bemerkbaren Fortschritten des Einflusses des Judenthums sich nicht erwehren. Die moralische Kraft der Einwohner liege in den Händen der Juden, weil — alle Brennereien Galiziens in ihren Händen sich befänden. Was thut denn da die Kirche, die Schule, der gebildete Beamten- und Gelehrtenstand? Da sollte man freilich statt Pfarrer und Schullehrer und Philosophen zu bilden und zu besolden, die Branntweinbrenner und Branntweinschenker studiren lassen und als Wächter des Heils anstellen. Wenn der moralischen Kraft der deutschen Nation etwas Besseres nachgesagt werden kann, so verdankt sie es am wenigsten den vaterländischen christlichen Giftbrennern und Giftausschenkern, denn die sind nicht besser und nicht schlimmer, wie die jüdisch-galizischen, sie leben alle von dem Verderben der Menschheit. Die großen Gutsbesitzer sitzen im Rathe der christlichen Fürsten, und wahren den christlichen Staat so ängstlich und gewissenhaft, wie es sich aus den mannigfachen Gesetzgebungen in Betreff der Juden besonders kund gibt; — und auf ihren Höfen brennt das Korn und die Kartoffel, die Lebensgedingung des armen hungrigen Volkes, und aus ihren Höfen ergießt sich das Gift und tödtet was der Hunger verschont, und wird zur neuen Erbsünde; und in den Städten und Dörfern sind die pfiffigen Schenkwirthe oft zugleich fromme eifernde Kirchen- und Schulvorsteher, und eben nicht bemüht, der Trunksucht Einkalt zu thun, und sich vor den Riß zu stellen. Im Verlaufe spricht sich der Verfasser über die Gestattung des Besuchs christlicher Schulen Seitens der Juden folgendermaßen aus: „Die natürliche Abneigung des jüdischen Glaubens (hat der Glaube auch Neigung?) vor dem Ehristenthume (Findet der Verfasser diese Abneigung wirklich „natürlich"?) der feit Jahrhunderten fortgepflanzte Nationalhaß und endlich sein mosaischer Glauben selbst, der den Juden allein als rein hinstellt, während er alle übrigen Bewohner seines Vaterlandes zu den Go'ims, Unreinen (?) zählt, alles dieses trägt dazu bei, daß sie die Kinder wenig oder gar nicht in die Schule schicken." Hier macht es Vers. den Juden zuin Vorwurfe, daß sie sich spröde gegen die Assimilation mit dem christl. Mitbürger zeigen, scheint aber dabei das Citat aus der Broschüre eines gewissen Theodor Brand (S. 53) vergessen zu haben, das da lautet: „Es ist in der Christenheit ein krankhafter Auswuchs, eine Schule gleichsam entstanden, welche die Lehre Christi auf eine scheinheilige, dem Heuchelwesen sich nähernde Weise auslegt, in Wahrheit aber kein Christenthum mehr ist und das hohe Gebirge, welches sich zwischen dem Judenthum und Christenthum aufthürmt, entweder nicht sieht, oder es wegschaufeln möchte, wenn nur Dritte sich zu dem letzteren Geschäfte hergeben müßten. Dieser Auswuchs heißt „Humanität, Jndifferentismus!" Die jedesmaligen Zwischenräume zwischen den angeführten Documenten und S. 81 — 82 füllt Verfasser aus mit Gemackel über die preußischen Juden, die in den 30 Jahren, seit welchen das gelinde Judengesetz bestch't, das Vertrauen, das die Christenheit in sie gesetzt nicht gerechtfertigt, und mithin die nunmehrige in Aussicht stehende Einschränkung vollkommen verdient hätten. S. 83 — 90 der Abdruck des sächsischen Judenpatents von 1838. Hier ist dem Vers, nach Willen geschehen, die Gesetzgebung im Königreich Sachsen ist seinen Vorurtheilen nicht vorgeeilt, und zwar der Art, daß sich derselbe zu der Frage bestimmt fühlt, wie cs komme, daß gerade in 'Lachsen, im Lande der „Humanität" und der „Duldung" diese Beschränkung? Das kommt daher, weil die Judenfrage dem christlichen Volksthume gegenüber steht, und hier das Volk, als in einem constitutionellen Staate zu entscheiden hat." Der Verfasser scheut sich demnach wiederum nicht, in seiner Naivetät das Christenthum der Humanität und der Duldung entgegen zu stellen. — Doch wir sind es müde, dem geschwätzigen Herrn Grafen weiter zu folgen. „Seinem Schicksale kann Niemand entgehen." Dieser sein eigener prophetischer Ruf bestätigt sich an ihm selbst auf eine Weise, an die er schwerlich dachte. Er hat nämlich — und das ist sein einziges Verdienst —

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