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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-04-16 · Heft 16 (16.4.1843) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 16 (16.4.1843)
Date
1843-04-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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63 Fall drohe das Gesetz mit Consiscation. Mit diesem sei aber nicht nur der Moral überhaupt schlecht gedient, sondern es öffne der Hölle der Denunziation die Thore, da dem Denunzianten die Hälfte des Consiscirten vom Gesetze versprochen ist, und erbittere die letzte Stunde des dahin scheidenden böhmischen Israeliten, der über den wahren Bestand seines Vermögens nicht verfügen könne. Der „kalte Lcbensbeschauer" macht hierauf die geistreiche Bemerkung: „Fragt man eigentlich, was die Juden wollen." (Es scheint demnach, als unterscheide der Verfasser zwischen eigentlichen und uncigentlichen Fragen und rechne zu den Letzteren die ausgesprochen werden um nur etwas zu schwatzen,^wie z. B. die Frau Basen sich untereinander fragen: Lrind sie fleißig? Schon Kaffee getrunken? dann hat der Verfasser aber wahrscheinlich sagen wollen-: Fragt man uneigentlich, denn er antwortet sich selbst) Jo weiß man wirklico nicht, wie man sich aussprcchen soll." (Schluß folgt.) Srt'chlctite drs Tages. (Schluß des Artikels aus der Mannheimer Abendzeitung.) „Bei dieser Versicherung aber, (die Schreiber dieses namentlich mit seiner Persönlichkeit zu belegen vermag,) tritt uns der andere Einwand entgegen: „Wenn dem so ist, warum schwört ihr den Talmud nicht ab? warum gebt ihr nicht schriftlich, daß euch der nicht bindet?" — Man fordert hiermit zu einer neuen Art von jüdischer Augustana Confessio auf, in welcher wir nothwendig die Dogmen unseres Glaubens für alle Zukunft sixiren müßten, wodurch das natürliche WachSthum des freien Glaubens gehemmt würde; ein Schritt, der noch dazu ganz unnütz ist, wie die Geschichte deutlich gelehrt hat? Und die ewige Entwickelung eines inniggchcgten, als Familiencrbtheil besessenen Glaubensläßt sich nicht in solche ganz unphilosophische und unhistorische Gränzen eindammcn. Auch wäre der ganze Werth des neuen Fortschritts damit für ewig verloren. Man betrachte nur unparteiisch, wie sich täglich mehr das Judenthum der Zeit zubildet, wie unsere Gemeinden, welche durch die glückliche Passivität der Negierungen ihre Seelsorger selbst wählen, immer mehr solche anznstcllcn bemüht sind, die die Bedürfnisse der Gcmüther mit den Anforderungen eines aufgeklärten und gebildeten Volkslebens zu versöhnen verstehen, wie wenig von der heuchlerischen und weltschlauen Ascctik selbst in unseren Frommen zu finden ist. — Wenn die Engländer ihre Quäckcr oder Mennoniten vom Staatslebcn auszuschlicßen sich erlaubten, wie sie das nicht thun, so wäre dafür ein Schein des Rechts daher zu holen, daß dieselben sich dem bürgerlichen Eide und dem Kriegsdienste entziehen; beides aber ist bei den Juden nicht der Fall, und wenn auch die äußersten Frommen sich des Verkehrs mit Christen enthalten wollten, wird denn die Emanzipation für diese gegeben? — Würden diese die Vortheile derselben ansprechen? Keineswegs! — Wie glücklich wären wir, nicht bloS wir Juden, sondern wir Deutsche allesammt, wenn wir mit dem Stolze des Amerikaners sagen dürften: Wir leben in einem freien Land, wo jeder seiner Ueberzeugung in seiner ganzen äußeren Existenz genügen darf, und jeder Fähigkeit ihre Bahn eröffnet ist, wenn sie sich nicht selbst davon ausschließt! — Was geht es den Staat an, wenn der eine oder andre Jude am Sabbath kein Gewehr tragen oder am Dienstag keinen Schinken essen wollte, oder gar am Purimfeste seinen Hamann todt schlüge! — Hamann ist kein christlicher Staatsbürger; wer keinen Schinken vertragen kann, mag sich Rindfleisch kaufen oder Brod essen, wie der fromme Katholik am Freitag seine Fische. Wohl denen, die einen guten Magen haben! — Der Einzelne aber, der sich dem Kriegsdienste oder einer einzelnen militärischen Function weigerte (was bis jetzt noch nicht geschehen ist!), der mag sich einen Ersatzmann stellen, wie etwa derjenige, welcher es für verboten hält, an allen sechs Wochentagen Federn zu schneiden, kein Beamter werden kann. — Auch der MessiaSglaube und eine gewisse retrograde Sehnsucht nach Jerusalem ward den Juden vorgeworfcu. Aber macht eine solche Sehnsucht mehr untüchtig zum occidentalen Staatslcbcn, als etwa die Sehnsucht nach jener besseren Welt die Thätigkeit in dieser schlechteren vergessen ließe? — Darüber sollten die Psvchologen entscheiden. Ich glaube, und die Erfahrung stimmt bei, daß die Juden im Allgemeinen sich einstweilen recht gerne mit dieser schlimmeren Welt begnügen, in welcher man ihnen nur zu viel Rührigkeit zum Vorwurf macht. Die beste Cur gegen solche Sehnsucht nach dem gelobten Lande wäre freilich die erwünschte bürgerliche Gleichstellung in dem ungelobten, das übrigens wohl der General-Auswanderung nach Palästina wenig Hindernisse in den Weg legen würde. — Wer aber in Deutschland schon die bürgerliche Gleichstellung verlangt, hat damit praktisch alle ultramontancn Ansprüche aufgegeben. Dieses Verlangen schon bezeichnet die moderne Richtung des Juden-, thums, und die Emanzipation würde es, wo möglich, der christlichen Weltanschauung noch näher bringen, während jede Ausschließung es entfernt. — Ich für meinen Theil z. B. rcsignire jetzt schon recht gern auf all' mein grundbesitzlicheS Erbtheil in Palästina, und ließe den Messias allein dahin ziehen, selbst wenn er mich zum Justizminister machen wollte; aber schriftlich würde ich diese Entsagung nicht beurkunden, denn eine Unterschrift ist immer eine gefährliche Sache; nicht als ob die Furcht vor möglicher Reue mich abhieltc, Gott bewahre, — aber man bedenke bei solchen leichtfertigen Forderungen, daß eS allen Staatsgesetzen zuwider ist, neue Sekten zu bilden, und eine neue Sekte wäre eine solche ausdrückliche protestantische Ablösung vom alten Jndcnthum, — noch dazu der leichtsinnigste Streich von der Welt, den die Juden zu begehen sich bisher — trotz der Aufforderungen der ba di scheu Kammer von 1S31 — weislich gehütet haben, da es äußerst schlimm wäre, wenn die Unterdrückten ihre letzte Waffe, die unverbrüchliche Einigkeit und den festen Zusammenhang unter einander, vor der Zeit aus den Händen geben. — Mit der Emanzipation wird diese Zeit allerdings kommen, dann aber ist anel»

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