Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1843)
- Date
- 1843-04-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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62 des Volk rc. (Also Irland wäre mit feiner unverbältnißmäßig starken Bevölkerung besser daran, wenn Englands Ostindienfahrcr ein Raub der Flamme, die Kolonien vom Murterlande getrennt, die Bank und alle colossalen Stützen des großartigsten Welthandels eines Tages zusammenbrächen! O Du unheilige Einfalt! Was nun die Juden betrifft, so sollen sie wegen des gefürchteten, unbegränzten Geistes des Handels nicht der Emanzipation tbeilhaftig werden. Aber ist denn das das rechte Mittel? Ist Handel und Trödel nicht das Einzige, auf das wir Jahrhunderte lang hingewiesen waren? Und wie groß ist die Spanne Zeit, während welcher uns in manchen Ländern Ackerbau und Gewerbe frei gegeben sind? Hat sich aber schon durch diese theilweise Emanzipation ein großer Tbeil der Israeliten dem Handel ab- und anderen bürgerlichen Berufen zugewendet, so wäre eine weitere Emanzipation das vernünftigste Mittel dem Handel noch mehrere zu entziehen. Während aber der Verfasser erst die Behauptung ausspricht, Emanzipation werde uns zu einer einzigen Handelsklasse machen, weil es eben so zu seinem Krame paßt, unterschreibt er weiter unten, weil es wieder zu seinem Krame sich eignet, die entgegengesetzte Behauptung eines eingefleischten Judenfeindes: die Israeliten wollen Beamte, Ofsiciere, Professoren rc. sein. Doch, was thuts? Im heiligen Eifer sieht man auch mit dem Widerspruch. Nun bricht des Verf. besseres Ich durch die Wolke des Vorurtheils hervor: — „Nur vor dem Vorwurfe der Inhumanität verwahre ich mich. Es gibt einen Schöpfer, der alle Nationen seine Kinder nennt, der alle mit gleicher Liebe umfaßt. — (Da ist nun aber gleich die magre Kuh hinter drein und frißt total Alles wieder auf. —) Eben deßhalb aber kann er nicht zugeben, daß ein Volk sich auf Kosten des anderen bereichern rc." — List's Staatsökonomie scheint also auch im Himmel durchzudringen, und mit den Engländern, Holländern, Hanseaten, die mehr handeln, als sie, um mit dem Verfasser zu reden, Volksarbeiten verrichten, muß sich's ändern, und die Seelen derer, die während der langen fehlerhaften Regierungsperiode der Vorsehung gelebt und mehr dem Handel als der Volksarbeit sich unterzogen haben, werden wohl noch nachträglich im Orkus hölzerne Schuhe, Peitschenstiele, u. dgl. der Bilanz halber, liefern müssen. Nun folgen einige Zeilen Einleitung, in welcher der Verfasser sagt, es sei ihm darum zu thun eine vorurtheilsfreie Schilderung der Judenverhältnisse Oesterreichs — insbesondere Böhmens und Galiziens — Preußens und Sachsens zu geben, um zu zeigen, wo man damit besser oder schlechter daran sei, und was für Besserung der Judenverhältnisse gethan werden könne, oder müsse, er wolle sich nur vom Gefühl für Recht und Wahrheit, aber auch von der im Geiste der Zeit liegenden Humanitär leiten lassen. Ist der nun, fragen wir aber, comr petent über eine Forderung der Humanität mitzusprechen, vielweniger zu entscheiden, der über diesen Begriff in solch' unseligem Jrrtbum schwebt, daß er denselben durch ein „aber" dem „Recht und der Wahrheit" entgegenstellt! Noch will der Verf. eine geschichtlich entwickelte und legal nachgewiesene Darstellung der böhmisch-jüd. Verhältnisse zum Besten geben. Wenn ein deutscher Autor eine geschichtliche Entwickelung ankündigt so steckt der lernbegierige Leser ein frisches Licht auf und bestellt bei der erschrocknen Ehehälfte den Saft des edlen arabischen Gewächses auf Mitternacht; es wehet ihn der Modergeruch der Archive an, und er macht sich gefaßt, an feinen Fäden geleitet, ein Labyrinth von dunklen Gängen zu durchwandern, um so der am Ausgange als ein fernstrahlender Punkt leuchtenden Wahrheit näher zu kommen. Freundlicher Leser! dießmal kannst Du alle diese Vorbereitungen wieder aufgeben, nur von der einmal vorhandenen Geduldsfassung magst Du anderweitigen Gebrauch machen; denn der Geschichtsfaden, den der Verfasser anknüpft, ist weder sehr fein gesponnen, noch von einiger Ausdehnung, da er schon auf einer Seite abgewickelt ist. Es ist derselbe eigentlich nur ein altes Stück Strick aus der Rumpelkammer der Cbronick fcandalös über die Juden. Zur Zeit des 7 jährigen Krieges hätte nämlich das Judenthum (!) den Feinden Oesterreichs Vorschub geleistet. Maria Theresia besinnt sich nicht lange und dekretirt: Fort sollen sie sammt und sonders! Die Landstände und der Magistrat bitten, man möge doch dem Lande diese Menschenklasse nicht entziehen, besonders da doch nur Einzelne Verrath begangen hätten. „Auf 10 Jahre dürfen sie wieder bleiben", sagt die menschenfreundliche Kaiserin. Die Juden erbieten sich in der Freude ihres Herzens zu einem freiwilligen Geschenk. Ein anderes Dekret bestimmt die Größe des Geschenks, das für die ersten zehn Jahre, und dann so weiter, in einer erklecklichen Zahl von Millionen bestehen sollte. Darauf folgt der Abdruck des Judcnpatents von 1797 (von Seite 5 — 22) nach dem die Juden n Minute ein paar Mal mehr schnaufen dürfen. Seite 23 entwikkelt der Verfasser wieder weiter: Die Juden seien (trotz dem daß sie ä Minute ein Mal hätten mehr schnaufen dürfen) doch um kein Haar besser geworden, dennoch habe der Staat — mithin unbekannt mit des „kalten Lebensbeschauers" trauriger Erfahrung — fortgefahren die Juden mit Wohlthaten zu überschütten, so daß sie immer „kühner" und endlich so kühn wurden, daß sich, in Betracht der schwierigen Erhebung und der damit nothwendig verknüpften Unbill die von der Staatsbehörde selbst erkannt wurden, eine Gesellschaft böhmischer Juden zur Pachtung der Judensteuer anbot. Seite 40 — 43 findet man einen Artikel der Leipziger Zeitung von 1842 Nr. 118 wieder gegeben, in welchem ein warmer Lebensbeschauer darlegt, wie nach dieser Steuer der Jude entweder von seinem Vermögen, und zwar auch von dem tobten, Häusern, zweifelhaften Forderungen, Pretiosen und was es immer sei 25 % jährlich abzugeben genöthigt sei, oder, wie es in der Regel geschieht, da die Ehrlichkeit hier eine Unmöglichkeit ist, wird der wahre Bestand des Vermögens nicht dargethan, aber für diesen