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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-04-09 · Heft 15 (9.4.1843) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 15 (9.4.1843)
Date
1843-04-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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59 ehre tückisch zu rauben. Aber ein anderer, wenn gleich nicht neuer, Widerspruch tritt hier ein, die Behauptung nämlich: daß die Juden unmoralische Leute wären, welchen man den näheren Umgang mit den ehrlichen und frommen Christen erschweren müsse. — Hep, hep, — die alte Geschichte! — Dieser Widerspruch geht schon von der Behauptung ab, daß die Unfähigkeit der Juden zum Staatsdienste in ihrer Religion, dem Einzigen, was sie eigentlich als Juden verbindet, begründet wäre. — Aber sind denn wirklich die Juden alle so schlecht und die Christen in ihrer Unschuld vor diesen Verderbern zu behüten? Man zählt doch heut zu Tage in allen Zweigen der Wissenschaften und Künste, in allen Branchen menschlicher Thätigkeit Koryphäen, welche dem Judenthum angehören! wäre ein solcher Aufschwung bei allgemeiner moralischer Versumpfung denkbar? — Nein, nicht gerade alle Juden, nur die Mehrzahl soll nichts taugen! — Und habt ihr keine Polizei, keine Criminal-Justiz gegen die Nichtswürdigkeiten der Juden, wie etwa gegen die seltencrn Schlechtigkeiten einiger entarteten Christen? — „O ja, aber Polizei und Justiz reichen gegen die jüdische Schlauheit und Psisfigkeit nicht aus." — Eine schone Justiz, welche eine ganze Reihe von Glaubensgenossen, ganze Gemeinden verurthcilt wegen der Möglichkeit eines Betrugs, welcher, um vor möglichem Unrecht im Einzelnen zu sichern, wirkliches Unrecht en masse begeht! — Ihr frommen Christen und gar germanisch-christliche StaatshauShalter, kennt ihr den alten Satz nicht, daß es besser sei, tausend Verbrecher gingen frei aus, als daß ein Unschuldiger leide? Zwar lehren alle — von Christen verfaßten — statistischen Tabellen, daß unter dem jüdischen Pöbel bei weitem weniger Verbrechen verkommen, als unter dem christlichen, daß daS Familienleben selbst der jüdischen Armen weit reiner und fruchtbarer, die Erziehung sorgsamer ist, als die der christlichen, daß z. B., trotz der Erschwerung jüdischer Ehen, verhältnißmäßig nicht die Hälfte der unehelichen Geburten vorkommt, und überhaupt weniger Kinder geboren, aber viel mehr von Tod und Krankheit gerettet werden u. s. w. — Und wenn wirklich die Betrügerei der Juden so gefährlich ist, wenn die Nicht-Emanzipation ein Arznei- Mittel dagegen wäre, so ist es doch seit Jahrtausenden vergeblich eingenommen worden; wenn wirklich die Spitzbüberei der Juden so fürchterlich ist, warum zwingt man sie zur Lebenssristung durch Schacher und Handel, indem man ihnen alle andere Erwerbszwcige versperrt oder unendlich erschwert, ja selbst den Zutritt zu den dürftigsten Handwerken hemmt, die ihnen ohnedies schon dadurch schwerer, als Anderen, sind, weil sie dieselben erst nen zn begründen haben, ohne daß sie auf die Unterstützung ihrer Nachbarn nur am geringsten rechnen dürsten, während gerade der kleine Ackerbau und die Gewerbe auf Dörfern und in kleinen Städten überall familienmäßkg ererbten Boden, ererbte Mittel und Werkzeuge, ererbte Kundschaft nothwendig voraussetzen. — Am weitesten in dieser vorsichtigen Cautelar-Justiz soll unter anderen Sachsen-Meiningen gegangen sein. Discite, moniti! — Andere welthistorische Institute der modernen Gesetzgebungsweisheit, oder die freieren Ausbildungen der altgermanischen Rechtsgrundsätze thut man besser, in Frankreich und England zu studiren. In Frankreich, Holland und Nordamerika spricht kein Mensch von jüdischem Betrug, wiewohl in diesen Ländern die größte Gewerbefreiheit herrscht, aber in Sachsen-Meiningen, Altbaiern, Krakau und Böhmen mögen die ärmeren Juden wohl auf der geraden Heerstraße des Verkehrs nicht durchkommen. — Und ist denn, frage ich noch einmal, die Emanzipation eine Förderung des Betrugs? wird er dadurch erleichtert? — Werden denn alle Juden sogleich ins Finanzministerium gelangen? — Es ist eine Schande, sich gegen solche Ausfälle vertheieigcn zu müssen, wenn es nicht noch mehr Schande wäre, solche Ausfälle zu machen. Aber es ist Pflicht, auch die mattesten Gemeinplatze stets und immer zu wiederholen, bis ihnen ihr Recht geschehen ist. Die Juden aspiriren nicht auf die höchsten Staatsthätigkeiten, sie wissen, daß in Deutschland diese der freien Concurrenz noch bis heute verschlossen sind; aber sie wollen nichl gesetzlich für unfähig und bürgerlicher Ehre unwürdig erklärr sein. — Jede Ausschließung, welche dem Sinn dieser Forderungen gegenüber berechtigt wäre, müßte auf dem unmoralischen oder staatswidrigen Inhalt des Judenthums an sich fußen. Aber es ist erwiesen, längst sattsam erwiesen, daß die jüdische Religion weder Haß noch Betrug lehrt, weder zum Ungehorsam gegen die rechtmäßige.Obrigkeit aufreizt, noch von irgend einer bürgerlichen Pflicht abmahnt, daß sie im Gegcntheil das staatsbürgerliche Leben und die Verehrung der obrigkeitlichen Gewalt höher stellt, als irgend ein anderer CultnS, daß ebenso alle unmoralischen Lehren, die man ihr vorwarf, blinde Verläumdungcn waren. — Tie wenigsten Stellen in dem weitschichtigen Talmuds welche vielleicht dieser Richtung zu widerstreben scheinen, sind verborgen, wie ein Tropfen Essig im Weltmeer, und werden wie der ganze Talmud von der jetzigen Generation fast gar nicht mehr gekannt, am wenigsten aber als kanonisch verehrt." — (Schluß folgt.) Aus einer norddeutschen Stadt wird uns Folgendes geschrieben: »Im Judenthum und seiner Reformation steht es gewaltig still oder schreitet es rückwärts (?), wie mich bedünkt. Wie gehen sie dem armen Rabbinrn Hofmann jetzt zu Leibe! Wahr ist es, er hätte seine Sache geschickter anfangen und das »lT.?n C‘C3”t mehr beachten müssen; indeß wie erheben sich so wenige Stimmen wenn auch nicht für ihn, doch mindestens für die Sache? Ich wollte doch wahrlich das Schreiben am Sabbarh von jedem anderen Standpunkte aus rechtfertigen! Was faseln sie vom mosaischen Gebote? Wo steht in Moses das Schreiben und besonders in der Schule als Verbot? Ich bin überzeugt, ■j{ von den Gegnern des Hofmann schreiben selbst am Sabbath. Und wie steht eS denn wirklich mit der Uebernahme eines Amtes? Ich hätte wohl sehen mögen, wenn die Regierung umgekehrt das Schreiben untersagte, oder das Offenhalten der Läden, — was viel richtiger und wie man vor einiger Zeit von Preußen glaubte, daß es so kommen werde, — wie dann die Leute im entgegengesetzten Sinne ebenfalls und vielleicht noch ärger geschrieen. Wir geraihen immer tiefer in die Klemme, so lange wir nicht

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