Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1843)
- Date
- 1843-04-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Palästina, das -and der Ideen, die sich bestreiten, Italien, das der That, wo die Idee verkörpert in trübe Wirklichkeit die ideelose Lhat niederwirft; Jerusalem, ewige Stadt, ewig durch das Grab und den Tod; Rom, ewige Stadt durch das Leben und die Lebenskraft. Italien, blühendes Land, Schlachtfeld der Freiheit deS Körpers mit der Sclaverei, Blutgefild des Barbarismus und der Cultur; Palästina, Land des Honigs und der Milch, Schlachtfeld der Geistesfreiheit mit der Sclaverei, Dlutield des gläubigen Orients mit dem ungläubigen Occidenl; Italien, Denkmal der Geschichte, Denkmal der Größe; Palästina, Säule des Gedankens, Mittelpunkt der gläubigen Phantasie, Wiege des Fanatismus; Italien, Pflegerin der Kunst; Palästina, Mutter der Schwärmerei, die mitJndependentismus die Kunst verlacht. Italien, Palästina, Länder der ungemessensten Sehnsucht für die Glücklichen, die euch nicht bewohnen, Italien, Paradies des Gelehrten und Künstlers, jeder Schritt wird ihm zum Lehrer, und aus dem Auge rinnt eine klassische Thräne auf klassischen Boden; Palästina, Pilgerland der Juden, die im Schmerze um die Vergangenheit aufseufzen, Pilgerland der frommen Kreuzfahrer, die deiner früheren Bewohner Blut, deiner Söhne und Tächter Blut wie dem Moloch zum Opfer gebracht. Italien, Sehnsucht der Jünglinge, deren Herz ein romantischer Schmerz mit dem Geiste vermählt; Vaterland der Raphaele und Correggio's; Palästina, tägliche Sehnsucht der Juden, die nur von der Wahrheit zu fürchten hat, jährlicher Wunsch der am Pesachfest versammelten Gäste; Italien, Palästina, Länder des Unterganges, Länder der Erinnerung; das römische Reich ist gesunken, der Krummstab hat sein Eisen wieder zum Holze gewandelt, und man spricht vom Papstthum das einst, als ob kern Papst mehr lebte. Das jüdische Reich ist gesunken; seit Bether's Zerstörung lebt der Jude nicht mehr in Palästina; mit des großen Constantin's Thronbesteigung gewinnt es neue Gewalt; der Fall von Store schafft es zur frommen Erinnerung und der gläubige Türk behält sich den Zankapfel des pilgernden Juden und des frommen Christen. Italiener und Juden, Männer mit dunklem Aug und gebräuntem Antlitz, Männer ohne Nationalität. Seitdem der Name Italien existirt, hat noch keine italienische Nation, kein italienisches Reich existirt. Von der Ironie eines mittelalterlichen Königs von Italien bis zur Idee der Patrioten von 1814, die Napoleon zum König wollten. ist ein Königreich Italien nur Phantasie geblieben, und das schöne Land ist zerstückelt in hundert Theile, obschon sein blauer Himmel hier und da mit gleicher Züimuth sich wölbt. Die Juden haben eine Nationalität gchabt, aber die Schlacht bei Bether hat sie ihnen geraubt und sie wurden Europäer und Asiaten, Australier und Afrikaner. Italien und Palästina, Länder der Herrschaft, der Sehnsucht und des Unterganges, seid ihr auch Länder der HoMung? Gewiß! Napoleon ist untergegangen und das Concordat ist untergegangen; der Papst wird wieder lebendig und die Jesuiten werden wieder lebendig; bald kommen die Bannbullen wieder in Mode, und ern neuer Prometheus mit der Tiara holt wieder Blttze der Excommunication vom Himmel. Gewiß?; Alexander von Wollstein, der Bischof von Jerusalem schafft alle Taugenichtse weg, indem er sie zu Christen macht für schweres Geld aus fremden Landen, und ein Arzt mit Hülfe des werdenden Krankenhauses wird die Hebet heilen, an denen das Ländchen krankt. f Glückliches Land, deine Restauration zum Glücke fangt mit einem Bischof, einem Arzte und einem Krankenhause an!! Geschichte des Tages. (Fortsetzung des Artikels aus der Mannheimer Abendzeitung.) /»Kein vernünftiger Mensch wird mehr behaupten, daß die Juden weniger deutsch sind, als die cingewanderten Hugenotten auch, oder als jeder Fremde überhaupt, der sich in zehn Jahren naturalisirt; vielmehr konnte man behaupten, daß die Anwesenheit der Juden in Deutschland nach ebenso viel Jahrhunderten zu berechnen ist, als die der Gothen sogar. Es ist also die Frage von der Berechtigung der Juden keine nationale, keine historische mehr, insofern man nicht aus altem Unrecht ein neues Recht deduziren wollte; — und es kann schließlich nur behauptet werden, daß die Juden deßhalb vom Staatsbürgcrthum ausgeschlossen werden, weil sie eben — keine Christen sind; — das ist der Kern der Sache, der nicht verhüllt und nicht umgangen werden darf. — Konsequent kann nur eine Partei diesen Punkt festhalten, die Partei deö s. g. christlichen Staates, welche seit Adam Müller vom Berliner politischen Wochenblatt, jetzt von der Literarischen Zeitung daselbst, und von einer gewissen reactionairen Clique eben daselbst vertreten wird. Eine Partei, welche den Staat auf ein strenges Dogma basirt, hat allerdings Recht, die Juden auszuschließen. Wer würde dem Papst die Emanzipation zumutheud — Solche Annahmen aber heben überhaupt das Wesen des Staates auf, das eines freien Staates gewiß, denn das ist gar kein Staat, der auf eine streng kirchliche Ansicht gegründet fein soll, so wenig, als im früheren Mittelalter wahrhaftes Staatsleben bestanden hat. Das Christenthum, welches den Blick gen Himmel gewendet hat und aussprach: //Mein Reich ist nicht von dieser Welt," hat die alten Staaten aufgelöst, ohne neue zu gründen. Sein erstes Produkt war die Kirche, welche die Staatsidee in Fesseln hielt. Wie wenig Segen, wie schlimme Früchte brachte doch die unsriedliche Ehe der weltlichen mit der geistlichen Macht! — Hat die Reformation nun den Staat aus solchen Banden erlöst, so konnte sie das nur, indem sie das Gewissen der Individuen frei sprach, und durch das Prinzip ungehemmter Forschung an diese selbst appellirte. Wer aber die Forschung und den Gedanken befreit, der kann ihren Resultaten, wie sie auch ausfallen mögen, nicht zum