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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-04-02 · Heft 14 (2.4.1843) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 14 (2.4.1843)
Date
1843-04-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kemitniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Dr. M. Heß, Großhcrzogl. Weimarschem Land «Radtinen zu Stadt-LengSfcld bei Eisenach. Skr. 14. T-nnt-g, ittt r «pril 1843. IV. Jahrgang. — 1 »■ .. ii — . —.■ül'L'Jg , "« Italien ««- Palästina, eine Bettachtung von S. Cassel in Berlin. Die Geschichte spricht gern in Bildern und Parallelismen. Parallelismen stehen geschrieben in den Ideen der Facta, sind eingcgraben in den Factis selbst mit ehernen Lettern, und wenn auch der heutige Tadler das Reversbild der Verschiedenheit hinstellt und wenn auch die Exception unbarmherzig das Gewand aufhebt, das den hinkenden Fuß bedeckte, so mahnet die Geschichte mit solcher schauderhaften Kraft und durchdringenden Rede, daß den Tadlern selbst nicht wohl ward und sie einsehen lernen, daß, wettn die Geschichte spielt, sie mit Menschen spiele und der Weltgeist in seinem Spaße mit Menschen spaße, mit Menschen wie die Tadler selbst, daß der Staub zu Staub wird und die Ideen neu wuchern in dem fremden Boden, zu vaterländischer Frucht. Es gab und gibt Parias in dem fernen Indien, an dem Ufer des Ganges laufen Parias, und Parias durchschneiden die Territorien der Donau und der Elbe: dort saugt der der Unglückselige in der Milch der Mutter die Verdammung seines traurigen Lebens, hier schlürft er aus der salzigen Fluth des Stromes das Gift des christlichen Staates, das Gift der Unfreiheit ein. Hier Jammer, dort Trauer; hier Unglück, dort Unfreiheit, und Unglück und Unfreiheit, und Jammer und Trauer haben immer einander sehr ähnlich gesehen. Aehnlichkeiten sind aber nur Trost, der leidige Trost des Unglücks; das seufzende Unglück athmet auf, wenn es die fallende Thräne rollen sieht; es tröstet die Geschichte sich durch sich selbst und die Völker trösten sich durch die Geschichte. Italien und Rom, Palästina und Jerusalem tragen in der historischen Physiognomie des Aehnlichen genug, um beider Mund schwebt ein trauernder Zug des Schmerzes. Beider Auge beschattet die Wolke der Düsterkeit. Beide horchen mit lauschendem Ohr den Tönen der Vergangenheit, beide malen mit zitternder Rechte Bilder vergangener Pracht. Beide sitzen sie entthronte Königinnen, zwiefach entthronte, beide ttagend im trauernden Aug noch den dunkeln Blitz der Kühnheit, ruhend auf zerbröckeltem Marmor und Ruinen von Alabaster, beider Haupt bedecken Diamanten - Kronen, aber die Steine sind falsch wie das Herz der Menschen; die betrügerische Zeit hat den echten Glanz gestohlen und falschen hinzugethan, beide tragen einen weit hknragenden Sceptcr, aber der nicht Gold, wie ehemals, sondern Holz, und er ähnelt der Narrenpritsche, die trotz ihrer Gewichtigkeit Lachen erweckte. Sie sitzen da Rioben vergangener Zeiten; die Thrane ist erstarrt, der Finger ist erstarrt, der in das ferne Rückwärts zeigt. Italien-Rom, Palästina-Jerusalem, zweimal herrschtet ihr über die Welt, zweimal ward sie euch entrissen; das römische Schwert siegte über den Erdkreis; die Idee des israelitischen Gottes zertrümmerte die Götter der Gojim; auf den Trümmern des Schwertes gewann der Krummstab die Macht, die schwerer drückte als Eisen und schärfer schnitt als Stahl; aus der israelitischen Idee quoll der christliche Glaube, der demüthige Hirtenknabe, der sich zum Weltherrscher empor warf, den Stab hinwegwirft und die tödtende Lanze zum Scepter nimmt.

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