Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1843)
- Date
- 1843-03-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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43 diene. Mit dem am 1. Dec. 1842 geschehenen legislativen Fortschritte sei aber wenig gewonnen; anders würde sich schon die Sache stellen, wenn den Juden Gewerbfreiheit eingeräumt würde. Darauf sei auch im Jahre 1634 das Streben der Hamburger Emancipationsfreunde gerichtet gewesen; in dem damals dem Senate eingereichten Memoire sei man mit seinen Wünschen nicht über das Maaß hinausgegangen, welches schon im Jahre 1814 der Senat zu erfüllen geneigt gewesen sei und auch wohl schon damals erfüllt hätte, wenn die Bürgerschaft sich nicht zu engherzig und selbstsüchtig gezeigt hätte. — Seien nun wohl die Juden anmaßend gewesen, wenn sie 1834 das als daS Maximum verlangt hätten, was ihnen 1814 der Senat selbst als das Minimum zugestanden, was der damals versammelte Ausschuß der Zwanziger ihnen unbedingt eingeräumt wissen wollte? Und wie steht es vollends mit der Anmaßung im Jahr 1843, nachdem abermals 9 Jahre vergangen, und erst ein schwacher Fortschritt in der Gesetzgebung stattgefunden habe, obgleich nicht geleugnet werden konnte, daß die Ansicht der Hamburger christl. Bürger von den Hamburger jüdischen Einwohnern eine bedeutend günstigere geworden sei? Die Juden begehrten freilich jetzt nur das für unsere Zeit und unsere Verhältnisse Mögliche und Erreichbare, aber an dem endlichen vollständigen Triumphe der Idee würden sie nie verzweifeln und ihrer gerechten Sache auch nicht das Mindeste vergeben. Die Allg. Zeit, enthält folgende Schilderung über die in der Krimm wohnenden Karaäer: „Die jüdische Sekte der Karaimcn oder Karalten bildet in einigen Städten der taurischen Halbinsel einen so namhaften Theil der gemischten Bevölkerung, daß sie alle Aufmerksamkeit verdient. Anhänger dieser sehr merkwürdigen Sekte, welche den Talmud verwirft und nach den Ansichten gelehrter jüdischen Forscher ihren Ursprung vom Jahr 750 n. Chr. datirt, finden sich außer der Krimm auch in Wolhynien und Litthauen, in einigen Gegenden Südrußlandö, besonders in Odessa und Cherson, und in Aegypten. In der Krimm sind sie am zahlreichsten zu Koslos (Enpatoria) angesiedelt, wo sie fast den fünften Theil der Einwohner bilden und eine prachtvolle Synagoge besitzen. Dort lernte ich die Karaimen zum erstenmal näher kennen und war sehr erstaunt in ihren Gesichtszügen nicht die mindeste Aehnlichkeit mit irgend einer jüdischen Einwohnerschaft, die ich in Europa, Asien und Afrika gesehen, finden zu können. Am auffallendsten aber ist der Contrast zwischen Karaimen und polnischen Juden, welch' letztere in allen südrussischen Städten, wo sie irgend geduldet werden, besonders in Odessa sehr zahlreich sich eingenistet haben und durch Schmutz, zerlumpte Kleidung und Häßlichkeit sich ebensosehr auszeichncn als jene durch die entgegengesetzten Eigenschaften Wohlgefallen. Die Karaimen kleiden sich fast ganz wie die Gebirgstataren, denen die meisten so ähnlich sehen, daß es schwer ist sie im Gewühl der südrussischen Märkte von den Mohamedanern zu unterscheiden. Zuweilen bemerkte ich auch, besonders unter den Knaben, ganz germanische Gesichter. Die Züge sind regelmäßig, die Haut sehr weiß, die Wangen roth, die Haare mehr hell als dunkel, aber sehr selten trifft man blaue Augen." (Fortsetzung folgt.) De- Christen DanVopfer. (Schluß von Nr. 10.) »Der Herr spricht zu dem Frevler: »Was schwazzest du von meinem Gesetz und trägst meinen Bund in deinem Munde, da du doch Zucht hassest und mein Wort hinter dich wirfst.— Dein Maul läffeft du Böse« reden und deine Zunge treibt Falschheit. Du ätzest und redest wider »einen Bruder, Deiner Mutter Sohn verläumdest du". Ist das keine Lieblosigkeit? Aber üben wir die? und gegen wen üben wir sie? fragt ihr. Ihr übt sie gegen diejenigen am meisten, die ihr gerade am ersten überzeugen solltet, daß Christenthum und Lieblosigkeit sich feindlich gegenüber stehen, daß Christenthum und Liebe eines und dasselbe ist. Tie Juden, die Juden solltet ihr davon am meisten überzeugen — das thut ihr aber nicht! Jahrhunderte wohnen sie nun schon unter euch, in einer und derselben Stadt, in einer und derselben Straße, in einem und demselben Hause — was thut ihr? Tein Maul lässcst du Böses rjeden und deine Zunge treibt Falschheit! Da sitzt ihr und verläumdet sie mit liebloser Zunge. Warum? Sind die jüdischen Brüder etwa schlechtere Unterthanen als ihr? Sind sie weniger ehrlich und redlich als ihr? Sind sie etwa nicht bei der Hand, so es das Wohl der Stadt, des Landes gilt? Unterstützen sie nicht die christlichen Armen? Pflegen sie nicht die christlichen Kranken? Kleiden sie nicht die christlichen Nackten? Beherbergen sie nicht die christlichen Obdachlosen? Wenn ein Unglück da ist in der Stadt, eilen sie nicht herbei, dem Unglück abzuhelfen? Sind sie etwa weniger wohlthätig als ihr? weniger barmherzig als ihr? Haben sie den Mammon etwa lieber als ihr? Sind sie etwa materieller als ihr? Haben sie sich bei dem großen Elend, das unser Hamburg getroffen, weniger wacker, weniger brav, weniger großartig, weniger christlich gezeigt als ihr? Warum lasset ihr denn euer Maul zum Bösen aus? Warum verunglimpft, verläumdet ihr sic denn? Meinet ihr etwa, ihr überragt sie an — sittlicher Gediegenheit? Stolz, und nichts als Stolz! sage ich euch! Sind unsere jüdischen Brüder nicht mäßiger als ihr? nüchterner als ihr? Liegen sie an ihren Sabbath- und Festtagen auch betrunken auf den Straßen herum? Füllen sie an ihren Fest- und Sonntagen die Wkrthöhäuser auch schon am frühen Morgen, wie so viele unserer christlichen Mitbrüder? Herrscht in den Häusern, in den Familien unserer jüdischen Brüder etwa weniger fromme Zucht und Sitte? Sind ihre Ehen etwa weniger glücklich? ihre Weiber und Töchter weniger keusch und unschuldig? Machen die Söhne ihrer Neichen auch so viel Aufwand wie die unsrigen? Erlauben sie sich auch in wilder Ehe zu leben — sei es unter groben oder feinen Formen — wie es doch unter Christen so oft geschieht? Werden ihre Kinder nicht unterwiesen in Kunst und Wissenschaft, in der Sittenlehre und der Lehre des Gottes, den wir ja auch anbeten und verehren? -Ist es des Juden Religion nicht, aus welcher die deine entstammt? Ist sie nicht der deinen Mutter? Und du redest