Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1843)
- Date
- 1843-03-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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die die Meimmg von seiner ächt religiösen Gesinnung bedeutend herabstimmen. Er legt einen Stolz und eine Eitelkeit an den Tag, die man nicht erwartet hätte, aber in spätem Schriften des Verfassers bestätigt findet; (man lese nur die Vorrede zu seinen Festpredigten); wenn er endlich gar S. XXIX über alle Belehrungen in Synagogen und Schulen ein Urtheil fallt, das sie sammt und sonders als irreligiös und werthlos charakterisirt: so ist dieses eine sündhafte, eines Religionslehrers unwürdige, ein Religionsbuch schändende Verläumdung. Der Verfasser hascht nach jeder Gelegenheit, über seine Kollegen ein tadelndes Urtheil zu fällen, *) mit einer Lust, die höchstens von dem Verlangen, sich zu loben und seine Schriften zu citiren, übcrtroffen wird. Das letztere ist so groß, daß er sich nicht begnügt, seine g edruckten unzählige Mal anzuführen, sondern auch seine noch h a n d sch r i ft l i ch e n. (Vgl. S. XXXIII. S. 107 §. 227. 284.) Wir wollen jedoch nicht länger bei der Einleitung verweilen, sondern gleich zum Buche selbst übergehen, über welches zu urthcilen die folgenden Bemerkungen jeden Unbefangnen in den Stand setzen werden. 1) Der Verfasser laßt sich die gröbsten Verstöße gegen die Logik und systematische Reihenfolge zu Schulden kommen. Man lese nur gleich §. 1 — 4. **) Es war noch gar nicht von einer Schöpfung die Rede, und wird schon nach deren Zweck gefragt. Die Antwort ist eben so willkürlich und ungewiß, als der Beweis §. 2 unhaltbar und tz. 3 ein grober Verstoß gegen jede Logik, auch dem §. 4 zum Tbeil widersprechend ist. 2) Herr Pl. ist der Wahrheit nicht getteu, und erlaubt sich Willkürlichkeiten, sowohl in der Darstellung der Glaubenslehren als der Pflichten. Im 72. Glaubensartikel übersetzt er „eine besonders wahre", und im Urtext heißt es: „sie ist eine wahre". „Bei Gott gilt *) Man vergl. S. XXXIII. S. 51. S. 39 Anmerk. *** S. 194 Anmerkung. **) Dieselben lauten: 1) Welches ist die Hauptabsicht Gottes in der Schöpfung gewesen? Das edelste seiner irdischen Geschöpfe, den Menschen, glücklich zu machen. 2) Wodurch bewies dies Gott? Dadurch, daß er den Menschen zuletzt, und zwar in seinem Ebenbilde, zum ewigen Leben, zum Beherrscher des ganzen Erdreichs erschuf, und ihm das Paradies zu seinem Wohnsitze anwies. 3) Was wird demnach Glückseligkeit sein? Der Zustand einer vollkommenen Zufriedenheit, deren Genuß jedoch mehr in der Seele selbst, als in den sinnlichen Gegenständen außer ihr gegründet ist. 4) Können auch wir schon auf Erden einen solchen Zustand erlangen? Ja wohl; wenn auch die reinste Glückseligkeit uns erst in einem andern Leben erwartet. kein Ansehen der Person" lchrt das Judenthum und nach Pleßner „behalt sich Gott ferne Borherbestimmung gegen sehr fromme und sehr ruchlose Menschen vor, kommt dem Frommen entgegen, ihm die Mühe des Selbstwählens zu ersparen." Mit der größten Willkürlichkeit ist die Messiaslehre behandelt und darin vieles als unbezweifelte Religionslehre ausgenommen, was hagadifche Aeußerungen einzelner Rabbinen sind, die auf keine allgemeine Annahme Anspruch haben, auch einer vielfältigen Deutung fähig sind.*) Im §. 326 soll gelehrt werden, wer sich des Mißbrauches mit dem Vertrauen auf Gott schuldig macht? Jeder Israelit wird antworten, wer das Seinige nicht thut oder auf Wunder sich verläßt. Dieses wird in der h. S. (5. M. 6, 16.) in den Worten untersagt: „Ihr sollt den Ewigen euern Gott nicht versuchen.^ Ist damit untersagt, bei unserm Thun auf göttliche Einwirkung oder Beistand zu rechnen? Ist da ein Unterschied gemacht je nach dem Grade der Frömmigkeit, die ein Mensch besitzt? Woher hat nun Herr Pl., daß er lehrt, der mache sich des Mißbrauchs schuldig, der auf eine göttliche Einwirkung (!) in seine Verhältnisse Anspruch macht, ohne durch eine besondere Frömmigkeit einer solchen werrh zu sein?" Zur besondern Frömmigkeit gehört noch die Beobachtung dieses Verbotes und die Bescheidenheit, sich nicht für besonders fromm zu halten. — (Schluß folgt.) *) So wird unter die Merkmale für die vormessianischen Zeit aufgezählt: „Ein immer größeres Sinken der Religiosität und Achtung vor Gesetz und Gotteslehren, zunehmende Frechheit, eine öffentliche, völlig schamlose Uebertretung des Gesetzes, später auch ungewöhnliche Erscheinungen in der Natur, namentlich schnell hinraffende Krankheit (nEOft), innere Unruhen, Drang nach Veränderungen und Ummodelungen in der moralischen und po. litischen Welt, ähnliche Erscheinungen fast auch in der Geisterwelt; und das Wiedererscheinen des Propheten Eliä." Und als Zeichen für die Zeit des erschienenen Messias wird u. A. angegeben: „Wunderbar langes Leben, großer Segen in jeglicher Betriebsamkeit, und Entdeckung von Geheimnissen in den heiligen Schriften." Srtchichte drs Tages. Rieß er tritt in einem Hamburger Blatte gegen einen dasigen Judenfeind auf und beweist ihm, wie ungerecht es sei, den Hamburger Juden vorzuwerfen, daß ihre Ansprüche unmäßig seien; sie seien allerdings mit dem winzigen Rechte, das man ihnen am 1. Dcc. eingeräumt habe, noch lange nicht befriedigt und dürfen es auch, der Natur der Sache nach, nicht sein. Denn mit der Idee dürfe man nicht feilschen und markten lassen, im Prinzipe dürfe man kein Haarbreit nachgeben, das Ziel müsse unverrückbar dasselbe bleiben. Dabei räumten aber die Juden gern ein, daß jedes, auch das kleinste, ihnen gewährte Recht Anerkcnnug ver-