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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-02-19 · Heft 8 (19.2.1843) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 8 (19.2.1843)
Date
1843-02-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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30 zu bettachten Wen, PenUer RD. MI, fM ernAÜch gegen e!ne Gleichstellung mit der Welt warnt." „Das wiedergeborne Volk hat die Pflicht, sich von allen wirklichen Volksverhältnissen fern zu halten, ja sich zu einem Nicht-Volk zu machen. Es hat keinen eignen Willen mehr, ist sich nicktselbstgenug, für sich selbst soll es vielmehr Nichts sein. Es ist „das Volk des Eigenthums," aber das Eigenthum eines Andern. Sein wahres Dasein ist nur in der Spitze und in dem. Haupte, dem es untertban, welches ihm aber ursprünglich und seiner Natur nach fremd, d. h. von Gott gegeben und ohne sein eignes Zuthun zu ihm gekommen ist. Seine Gesetze sind nicht sein Werk, sondern positive Offenbarungen, denen er unbedingt und ohne die Kritik gegen sie richten zu dürfen gehorchen muß." „Die Macht und Gewalt, welche das eigentliche Volk, wenigstens Alles ist, bedarf einer Schaar von Vermittlern, welche sie an allen Orten und Enden für das Nicht-Volk, für das uneigentliche Volk, d. h. für die Unmündigen repräsentiren. Dieser Mittelstand ist eine Prärogative, ein Privilegium, welches entweder von der Natur und Geburt gegeben oder willkürlich und aus Gnaden vM de^ Macht, ertheilt wird oder cm die Leistung gewisser Bedingungen, die aber mit dem Mittlcramte nicht in der geringsten innern Verwandtschaft oder Beziehung zu stehen brauchen, geknüpft ist. Da endlich die Masse des uneigentlichen Volkes eben nur die Masse ist, die keine allgemeinen Rechte hat und kein allgemeines Bewußtsein haben darf, so zerfallt sie in eine Menge besonderer Kreise, welche der Zufall bildet und bestimmt, die sich durch ihre Interessen, besonder» Leidenschaften und Borurthcile unterscheiden und als Privilegium die Erlaubniß bekommen, sich gegenseitig von einander abzuschließen, damit die Wahrnehmung ihrer besonderen Interessen — es gibt aber unter dieser Masse nur besondere Interessen — gesichert werde. Eine allgemeine Angelegenheit haben sie nicht, können sie nicht und dürfen sie nicht haben : damit sie aber auch nicht einmal auf den Gedanken kommen, allgemeine Angelegenheiten zu haben, wird ihnen in der Besorgung ihrer besonder» Angelegenheiten Selbständigkeit und eine Privat - Autorität eingeräumt, si> aber, daß kein Kreis Rechte bekommt, welche ihm irgend eine Gewalt über den andern geben könnte." „Die Emancipation der Juden ist auf eine gründliche, erfolgreiche und sichere Weise erst möglich, wenn sie nicht als Juden, d. h. als Wesen, die den Christen immer fremd bleiben müssen, emancipirt werden, sondern wenn sie sich zu Menschen machen, die durch keine, auch durch keine fälschlich für wesentlich gehaltene Schranke mehr von ihren Mitmenschen getrennt sind." „Die Emancipation kann also auch nicht an die Bedingung geknüpft werden, daß sie Christen würden -r eine Bedingung, unter der sie nur in einer andern Weise als sie es vorher waren, privilegirt würden. Ein Privilegium würde nur mit dem andern vertauscht. HO Pnvlleglum bliche, w<M eI aM ans Mehrere, ja wenn es selbst auf alle — auf all» Menschen ausgedehnt würde." „Wollen die Juden wirkliches Volk werden — sie können es aber nicht in ihrer chimärischen Nationalität, sondern nur in den geschichtsfähigen und geschichtlichen Nationen unserer Zeit werden, — so müßen fie die chimärische Prärogative aufgebcn, die, so lange sie dieselbe festhaltensie immer von den Völkern trennen und der Geschichte entfremden wird. Ihren Unglauben an die Völker und den ausschließlichen Glauben an ihre bodenlose Nationalität müssen sie zum Opfer bringen, ehe sie sich auch nur im Entferntesten in Stand setzen können, an wirklichen Staats- und Volksangelegenheiten aufrichtig und ohne geheimen Vorbehalt Theil zu nehmen." „Wir aber müssen den Unglauben an die Welt überhaupt und an die Berechtigung des Menschen, also den unausschließlichcn Glauben an das Monopol und die Unmündigkeit aufgeben, ehe wir daran denken können, wirkliche Völker und innerhalb des Volkslebens wahre Menschen zu sein und zu bleiben." (Fortsetzung folgt.) Geschichte des Tages. Oeffentliche Blätter meldeten vor einiger Zeit, daß die Stadt Wien dem Baron von Rothschild das Ehrrnbürgcrrecht ertheilt. Wir freuen uns, aus einem vor uns liegenden Briefe des Bürgermeisters von Wien an den Herrn von Rothschild in dieser Angelegenheit unseren Lesern Folgendes mittheilen zu können: »Da ich in meinem ganzen Leben so viel auf fremde Hülse hingcwiesen war, so habe ich von jeher die Pflicht der Dankbarkeit meinem Gemüth tief eingeprägt, und in diesem Gefühle und im wohlverstandenen Interesse der St. Wien, deren Angelegenheit ich auf meinem Standpunkte aufs Kräftigste zu fördern bemüht bin, habe ich mich verpflichtet gehalten, die der St. Wien durch E. H. W. G. zugewendete großmüthige Unterstützung, zur Kenntniß der Behörde und Sr. Majestät zu bringen, und diesem die Bitte anznknüpfen, zur vorhabendrn Verleihung des Ehrenbürgerrechts der St. Wien an E. H. W. G. die A. H. Dispenz erthcilen zu wollen. Zu meinem höchsten Vergnügen ist nun diese erfolgt, und in der Voraussetzung, daß E. H. W. G., als Förderer aller städtischen und öffentlichen Anstalten, die dankbare Erkennung der St. Wien gern annchmen, freue ich mich auf das Innigste, der Kaiserstadt einen so ausgezeichneten Bürger gewonnen zu haben, und Sie in dieser Eigenschaft den höchstverdientesten Staatsmännern Oesterreichs und unfern Bürgern anreihen zu können. — Die Gründe der Verleihung wird das Diplom näher enthalten, die Form der Ausstaffirung Ihrem Verdienste entsprechend sein, ich erbitte mir nur einen Wink, ob E. H. W. G. die Übersendung des Diploms nach Paris wünschen, oder aber vor-

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