Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1843)
- Date
- 1843-02-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kcimtniß des israelitischen Lebms, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegebcn von Dr. M. Heß, Großhcrzogl. Wcimarschem Land-Raddinen zu Sradt-LengSfcld bet Eisenach. Nr. 8. Zionntag, den I». Februar >84». IV. JahrzaUA. Bruno Bauer über die Judenfrage. (Fortsetzung von Nr. 7.) „Was sind die Juden nach ihren eignen Aussagen, die wir in ihrem Gesetz und in ihrer heiligen Geschichte besitzen?" „Vor allem ein unfreies Volk. Sie wußten noch nicht, daß Gesetze aus der Natur der Verhältnisse genommen werden und als die innern, natürlichen Gesetze dieser Verhältnisse gelten. Sie konnten sich daher über das, was bei ihnen Gesetz hieß, noch keine Rechenschaft geben. So wie sich das, was wir nur uneigentlich Gesetz nennen können, wenn wir an unsre Vorstellung von einem Gesetz der weltlichen Verhältnisse denken, bei ihnen bildete, so galt es ihnen als etwas Fremdes, Unerklärliches, schlechthin Unverhältnißmäßiges, als der Wille Jehooa's,^ kurz als eme Bestimmung, die mit der Natur der Verhältnisse, für die es Gesetz sein soll, gar nichts zu thun hat." „Das jüdische Volk war das Volk, das eigentlich kein Volk war, das Volk der Chimäre, und nur darin noch inconsequent, daß es als wirkliches existiren wollte. Das Christenthum hebt diese Jnconscquenz, diesen falschen Schein der Volksexistenz auf und schafft das wunderbare, das heilige Volk, das Volk der „königlichen Priesterschaft." „Wenn das Volk als solches Nichts ist und Alles nur in dem Hohenpriester und durch denselben geschieht, so haben auch die allgemeinen, moralischen Bestimmungen, die sich in diesem wunderbaren Volke gebildet haben, nicht deßhalb ihre Geltung, weil in ihnen das Volk seine Volksstimme abgegeben hat und seinen Willen sieht, auch deßhalb nickt, weil sie in ihnen selbst wahr sind und um ihrer selbst willen gelten müssen, sondern deßhalb allein gelten sie, weil sie von dem Einen, der allein für das Ganze denkt und entscheidet, vorgeschrieben und geoffenbart sind. Sie hören somit auf, moralisch zu sein, und bilden vielmehr die Spitze, zu welcher sich die positive Natur des Judenthums nur hat aufschwingen können." „Warum muß aber die Liebe sich verläugnen und der Mensch hinter dem Juden zurücktreten? „Weil der Lehre Christi zufolge, antwortet Herr Fränkel, außer Christo kein Heil für den Menschen besteht." Weil der Christ dieß Heil in Besitz hat, muß er alle Andern, die es nicht besitzen, als fremde Wesen bettachten. Die Liebe, die er als Christ den Andern gelobt hat, muß er als Christ zugleich wieder zurücknebmen. Er muß es: denn, bemerkt Herr Fränkel, „der Egoismus der Welt muß und wird endlich auch dem christlichen Streben nach Einheit — (d. h. dem heiligen und einzig berechtigten Egoismus) — unterliegen." ,,Es hilft daher den Juden nichts, gar nichts, daß „sie sich in Sitten und Gebräuchen den Christen nähern, in politischen Ansichten, in der weltlichen Literatur, in Kunst und Wissenschaft mit den Christen übereinstimmen» in commercieller Gegenseitigkeit mit ihnen stehen, ja selbst in gemeinschaftlichem Kriegsdienst" — es hilft ihnen Alles nichts, denn „alle biefe Eigenschaften, Bestrebungen und Attribute," bemerkt Herr Frankel, „find bloß von dieser Welt und wenn auch die Welt darauf achtet und auch in der That darauf achten muß", so sagt uns doch der Apostel Paulus, wie wir das Alles zu achten un&