Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1843)
- Date
- 1843-02-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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die onerösen Verträge, welche die Gilden mit dem Fürsten geschloffen haben, vernichtet seien. Wen» also die Gilden, gestützt ans ihre Privilegien, den Juden nicht anfnehmen wollen, darf man denn im Wege der Polizei Zwang und Gewalt anwenden? Diese Fragen werden sicher praktisch werden. Für die Zukunft soll kein Jude berechtigt sein, eine Drtailhandlung zu führen, ohne Zustimmung der Gemeinde, speciell ohne Genehmigung der Bürgerrepräsentanten. ES liegt in der Natur der gegenwärtigen Verhältnisse, daß die Gemeinde durch ihre Deputirten, unter dreißig Fällen, auch nicht Einem die Genehmigung ertheilt, so wie sie dem Christen auch nicht die Genehmigung unter dreißig Fällen versagen dürste. Ich denke in diesem Augenblicke nur an die Mittel, wodurch die Juden ihr nacktes Leben Hinhalten wollen." (Schluß folgt.) Immer mehr Erfreuliches hört man von der trefflichen Weise, mit welcher — Dank dem Eifer der israel. Oberkirchen-Behörde in Würtcmberg — das dortige CultuSwesen geordnet ist. Zur Erhöhung deS Ansehens der Nabbinen trägt besonders bei, daß dieselben J ihrer Besoldung aus dem Centralkirchcnfond, zu welchem die Staatscaffe einen Zuschuß von 3000 fl. liefert, erhalten, die Kirchengemeinden also nur - beisteuern. Nicht minder verdient es Anerkennung, daß zur Unterstützung von Nabbinats- und Schulamtszöglingen und Studirenden pro 1640 —1841 die Summe von 398 fl. verwendet worden ist. Nicht sehr freundlich ist das Bild, welches die Ungarischen Israeliten von ihren geistlichen Führern cntwersen: „Sie allein (Wenige ausgenommen) habe man anzuklagen, wenn die Verbreitung der Intelligenz verhindert werde, sie erhalten das Volk in den Banden des Jrrthumö, und eisern gegen jede Umgestaltung, die ihre blinde Macht über die Gemüther bedroht. Sie hemmen die Erziehung der Jugend, und verdächtigen die Männer, denen die Leitung anvertraut ist. Sie wissen sich in jedem Kreis Eingang zu verschaffen, und gebrauchen Kabalen und Jntriguen, um zu ihrem Ziele zu gelangen. In Pagra legte der Rabbine einem von der Schul-Tirection vorgeschlagenen Lehrer die Bedingung auf, das Leben eines Chasid zu führen, und in Buja that das geistliche Oberhaupt einen Lehrer in Bann, weil er es gewagt hatte, seine Zöglinge beim Unterrichte in der hebräischen Grammatik mit entblößtem Haupte zu lassen." Gemäß der Vorschrift einer allerhöchsten Kabinetsordre dürfen nun auch die Juden int Nheinkreise nicht zur Auskultatur, zum Referendariate und zur Advokatur gelassen werden. (Wer erinnert sich hier nicht mit wehmüthigem Herzen der Antwort, welche der König von Preußen auf die Gratulation zu seiner Thronbesteigung der Berliner Judenschaft gab: „Bei dem PatriotisntuS, den die jüdischen Gemeinden meines Staates und besonders die Berlins zeigen, läßt sich schon weiter bauen, und es soll, verlassen Sie sich darauf, weiter gebaut werden. Meine Herren! ich bin, glauben Sie cs mir, kein Anhänger der blinden Vorurthekle früherer Jahrhunderte." Bei solchen Maaßnahmen von oben scheint es in der That nicht an das mahrchenhaste zu grenzen, wenn ans der Hauptstadt des preußischen Staates selbst ein öffentliches Blatt Folgendes berichtet: „Bei einem Feldjäger-Examen wurde kürzlich einer der Candidaten wegen seines jüdischen Aussehens zurückgewiesen. Vergeblich wendete er ein, daß er ein Christ sei: er blieb ausgeschlossen. Die Moral davon, bemerkt jenes Blatt, scheint zu sein, daß man sich nicht blos hüten müsse, ein Jude zu sein, sondern auch wie ein Jude auSzusehen." Bei dem letzthin stattgefundenen Festmahle der Ressource in Mainz (einer aus Jsraekiten bestehenden geselligen Verbindung) forderte ein Jugendfreund des vr. M. Creizenach die Versammlung aus „das Andenken deS Verstorbenen, der die hiesige Jugend aus den Cheter- Kerkern erlöste, in eine dem Lichte zugängliche Schule einführte und so in sittlicher wie in intellektueller Beziehung, einen unberechenbar wohlthätigen Einfluss übte, der selbst, da er seinen hiesigen Wirkungskreis mit dem Frankfurts vertauscht hatte, doch immer bereit war, mit Rath und That jedweden Fortschritt des Allgemeinen wie des Einzelnen zu fördern und zu unterstützen, — durch ein Denkmal zu feiern. Nicht durch ein prunkendes von Erz oder Stein, sondern durch eine dem Charakter und der Wirkungsweise des Seeligen angemessene Stiftung zur Unterstützung der Schulen besuchenden j hülfsbedürftigen Jugend." Dieser Vorschlag fand den entj schiedensten Anklang; und alsbald ward von der Gesellschaft die Stiftung der Art beschlossen, daß sie nicht Sache der Gesellschaft als solcher, sondern aller, welche als Verehrer des gefeierten Todten und Beförderer der guten Sache sich zu betheiligcn wünschen, werden solle. Der Westphälische Merkur berichtet Folgendes: „Münster, den 1. Januar. So eben erscheint hier von dem Dirigenten Herrn Professor vr. Haindorf der 13. und 14. Bericht über den rheinisch-westphälischen Verein „zur Bildung von Elemcntar-Lehrern und zur Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden." Die großen, überaus gemeinnützigen Erfolge, welche dieser Verein durch seine bisherige Thätigkeit bereits erzielt hat, müssen für Alle, denen Menschcnwohl aufrichtig am Herzen liegt, in hohem Grade erfreulich fein und gewiß verdienen sie gerade in gegenwärtiger Zeit, wo die Tagespreffe über jüdische Verhältnisse und Zustände so lebhafte Verhandlungen führt, auch in den weitesten Kreisen nachhaltige Bedeutung zn finden. Ohne in die diesseitige Polemik einzugehen, dürfen wir die Behauptung wagen, daß einer völligen bürgerlichen Gleichstellung der. Juden mit de» Christen sogar die entschiedensten Gegner nicht unbedingt abhold sind, sondern nur verlangen, daß sie an die vorgängige Erfüllung gewisser Bedingungen geknüpft werde. Der Jude soll sich zuvor von den Folgen des grausamen Druckes, womit ihn eine zweitausendjährige Unmenschlichkeit belastete, selbstständig wieder losmachen, aus seiner bisherigen Abgeschlossenheit hinaustretend, sich aus das Niveau unserer geistigen Bildung stellen und allen unser» bürgerlichen und socialen Verhältnissen befreundet, zuvor sich m. o. w. zu einem wahrrn Bürger umbilden. Ave Debatten vermeidend, entscheiden wir hier nicht, ob die Annahmen und Voraussetzungen, welche Anforderungen dieser Art zu Grunde liegen.