Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1843)
- Date
- 1843-02-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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phisten lebend, dep in -ie LiH. veOPe Mosaismus ist der jetzt einzig passende." „Nun, dieser Mosaismus braucht nicht erst erfunden ru werden: er ist im Talmud gegeben. Der Talmud ist die Fortentwickelung des mosaischen Gesetzes und des ganzen A. T., aber die chimärische, illusorische, geistlose Fortentwickelung. Illusorisch ist diese Fortentwickelung, weil sie ein bloßes Zerspalten des Alten, ein Markten und Feilschen mir dem Alten, eine verdünnte Wiederholung desselben, aber keine neue Schöpfung ist. Geistlos und chimärisch ist sie, weil sie mit dem Alten, noch dazu mit dem unmöglich gewordenen Alten, nicht zu brechen wagt, die wesentlichen Lebensbedingungen des Alten aufgebm muß und dennoch nicht den Muth hat, aus einem neuen Prinzip heraus eine neue Welt zu schaffen. Sie kämpft nicht einmal mit dem Alten: wo hat es aber jemals eine kräftige und belebende Entwickelung gegeben, die nicht im Kampfe mit dem Alten dem neuen Prinzip erst seine Gewalt gegeben und ihm Anerkennung verschafft hätte? Der Zalmub zerbricht nicht die Form des Alten, um dem geistigen Inhalt Luft zu verschaffen, sondern er ist nur eine Sammlung der Scherben und Splitter, in welche das Alte zerfallen war, nachdem es der Geist zersprengt hatte, um sich eine weitere Form zu suchen. Die Fortbildung des A. L. im Talmud ist überhaupt kein Act der Freiheit, nicht eine von jenen Herrenthaten der Geschichte, die ein Zeugniß von der Kraft und schöpfrischen Entwickelungsfähigkeit des menschlichen Geistes sind, sondern die Rabbinen haben nur die Scherben aufgelesennachdem eine geschichtliche Revolution, die sie nicht yerbeigeführt haben, das Alte zertrümmert hatte. Höchstens haben sie die Scherben noch seiner zerstoßen und vollends pulverisr'rt." „Der Rücktritt zum A. T., heißt es in „dem Gesuch der Bekenner des jüdischen Glaubens an den Herzog Wilhelm von Braunschweig" 1831, wäre nichts Anderes als ein Bildungsrückschritt. Der Talmud ist die allmächtige Fortbildung des Moses und der Propheten und der Uebergang zu dem jetzigen, im ewigen Fortschreiten begriffenen Judentbum. Der Standpunkt, auf dem unsere Religion sich jetzt befindet, ist ein bei Weitem höherer, als der des sogenannten Mosaismus." „Ein höherer ist er wirklich, aber nur deßhalb, weil er sich höher in die Luftregion der chimärischen Welt erhol«» hat." „Auf dickem höheren Standpunkte hat „Israel", wie z. B. Herr Salomo in seinem „Sendschreiben an Herrn Frankel" <1842) erklärt, den Gedanken an eine „nationale Selbstständigkeit" aufgegeben, es knüpft sein Heil nicht mehr an den Besitz eines Winkels der Erde", es hat sogar auf eine künftige Befreiung durch den Messias resignirt. Seine „Messiaszeit" sei vielmehr mit der Emancipation gekommen und seine Erwartung des Messias nichts Andres, als sein Wunsch, „von politischer Knechtschaft und politischem Druck" befreit zu werden. Allein auch auf diesem Standpunkte des aufgeklärten Zudenrhums sind die Augen so wenig für die wirklichen Verhältnisse dieser Welt, geöffnet, -daß der Blick allem nach oben, nämlich auf die chimärische, religiöse und politische Prärogative Israels gerichtet bleibt. „Die Gottheit, heistt es nun, hat Großes mit den Juden vor" — als ob die Frage nicht allein die wäre, wie viel noch an der Entwickelung der Staats-Verhältnisse und an der Bildung der Juden fehle, damit die Schranke, die jetzt den Juden von dem Unterthan der christlichen Regierungen trennt, beseitigt werden könne, d. h. als ob es nicht darauf ankäme, daß von beiden Seiten her die Schranke aufgehoben werde. Ferner spricht man es auch auf diesem Standpunkte aus, daß man „den Gedanken, der Name der Juden werde wieder frei und unabhängig hervortreten, nicht in das Gebiet der Unmöglichkeit verlege" — — das wäre also die Emancipatiun, die der aufgeklärte Jude haben will, das wäre wirkliches Einleben irr die Staats-Interessen, bürgerliche Gleichstellung mit den Mitbürgern oder gar eine aufrichtige Theilnahme an den allgemeinen Interessen der Menschheit, wenn der Jude es erreicht hat, daß sein Name als solcher wieder frei und unabhängig hervortritt?" (Forts, folgt.) Geschickte des Tages. Dasjenige deutsche Blatt, welches stets den entschiedenen Fortschritt verlangt und predigt, die Rheinische Zeitung, sagt über das neue Judengesetz in Hannover Folgendes: „Das Judengesetz, abgefaßt mit Zustimmung der Landstände, ist am 15. October in Hannover veröffentlicht. Der Schutz ist aufgehoben, allein die Juden sind verpflichtet, vor wie nach, an die Domänen, die geistlichen Güter und die adeligen Gerichte das Schutzgeld zu zahlen. Die Juden, werden verpflichtet, da wo sie wohnen, in den Gemeindeband einzutreten und müssen alle Gesammtlasten, ganz gleich den Christen, tragen, aber sie dürfen kein Grundeigenthum erwerben, haben keine Theilnahme an der Gemeindeverwaltung und dürfen kein Gemeindeamt bekleiden. Jedes politische Recht ist ihnen entzogen. Bisher übten sie die Arzneikunde und Advocatur. Die einmal Angestellten bleiben in diesen Funktionen. Für die Zukunft ist ihnen der Weg dazu versperrt, zumal an Candidaten der Arzneikunde und Advocatur jetzt Ueberfluß ist, so daß die Christen für längere Zeit selbst beschränkte Hoffnung dazu haben. Der Detailhandel soll nur einem Sohne in der Familie gestattet werden, und doch soll der Jude, welcher Hausirhandel betreibt, auch von den sogenannt eingeräumten Rechten ausgeschloffen bleiben. Diese Rechte beschränken sich auf die kleinen Gewerbe, als: Fleischer, Schneider, Schuster, welche sie zünftig betreiben dürfen, wenn sie, nachdem sie praestanüa prästirt, in die Gilde ausgenommen sind. Die Gilden bestehen bis heute in ihren vor Jahrhunderten von den Landesfürsten mit Geld erkauften Rechten und Privilegien. Danach aber darf ein Jude in die Gilde nicht ausgenommen werden. Wie soll es nun damit werden? Aus dem eben erlassenen Judengesetze, als einem generellen, kann doch kein Rechtskundiger den Schluß machen, daß