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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-02-12 · Heft 7 (12.2.1843) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 7 (12.2.1843)
Date
1843-02-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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S8 begründet seien und ob nicht etwa eben die Gewährung der Emancipation am schnellsten zum Ziele führe; aber ein Verein, welcher durch die Heranbildung tüchtiger Lehrer die geistige Bildung unter dev Jude» zu verbreiten und letztere überdies mit allen bürgerlichen Gewerben zu befteunden strebt, muß hiernach unter Juden wie Christen, bei Freunden wie Gegnern der Juden-Emancipation bereitwillige Unterstützung Hervorrufen und als ein segensreiches Werk überall aufS Freudigste begrüßt werden. — Anerkennung ist denn auch während des zweijährigen Zeitraums, worüber die Berichte sich verbreiten, dem Unternehmen und dem wackern Dirigenten abermals in reichem Maße von vielen Seiten zu Theil' geworden. Wir sehen in dem 12 Bogen starken Verzeichnisse zahlreiche' Wohlthäter, neben jüdischen auch sehr viele christliche Namen, und, was rühmlichst hervorzuheben ist, über zweihundert Geistliche beider christlichen Confessionen, unter ihnen den jüngst verstorbenen edlen Bischof von Ledebur, eingezeichnet. Freilich sind aber die hier zu befriedigenden Bedürfnisse und die demnach auszuwendenden Geldmittel so bedeutend, daß auch dieses Mal bei Weüem nicht allen Anforderungen und Wünschen genügt werden konnte und der Dirigent wiederum genothigt war, das für Westphalen entstehende Deficit durch einstweilige Vorschüsse zu decken. Wir können hier daher nur den dringenden Wunsch veröffentlichen, daß das Werk immer mehr gedeihen möge und auch iu denjenigen Gegenden und Städten, wo man sich bisher wenig oder gar nicht daran betheiligte, eine thatkräftige Förderung finde. Möchte bei ihnen insbesondere die in den Berichten wiederholt ausgesprochene Bitte, ihre jährlichen Gaben ein für alle Mal iu Capital zu überweisen, die endliche Gewährung erlangen, da nur so die Zukunft der Anstalt, die sich jetzt allein auf die bedeutenden uneigennützigen Geldopfer und die umsichtige «ud kräftige Leitung des Dirigenten stützt, auch fernerweitig gesichert werden kann. (Schluß folgt-) Aus einer Predigt von Dr. G. Salomon. „Wie ihr früher gehört, m. B., hat das Heiligthum den Zweck, die Menschen zu Gott zu führen — „die Kinder zum Vater," den „Vater zum Kinde". Aber zum Vater hingehen, und dennoch nicht beim Vater sein, ist niedrig, abscheulich! So war's aber! Hort den Propheten Jesaias: Wenn ihr auch vor meinem Angesichte erscheint — was thut ihr! ihr zertretet meinen Vorhof! Verlange ich das? Wenn ihr eure Hände zum Gebete erhebt — ich wende mein Auge weg — ich höre euch nicht, und wenn ihr noch so viel Gebete verrichtet. (Jefaia 1, 15). O es ist arg, wenn der Vater den Kindern die Thüre weiset! — Höret einen andern Scher: So spricht der Ewige Zebaoth, Israels Gott: Bessert euren Wandel und eure Handlungen, so lasse ich euch ruhig an diesem Orte wohnen, verlasset euch ja nicht auf jene falschen Worte: hier ist des Ewigen Tempel, des Ewigen Tempel! des Ewigen Tempel! Denn nur wentt ihr euren Wandel, euer Betrage« bessert; 'wenn ihr Recht ausübt zwischen Mensch und Mensch; den Fremden, die Waise, die Wittwe nicht drückt; kein unschuldig Blut vergießt; nicht andern Göttern nachgeht, zu eurem eignen Schaden — nur dann lasse ich euch ruhig an diesem Orte, im Lande, das ich euren Eltern gegeben für lange Zeit. Allein ihr trauet auf falsche nutzlose 'Vorstellungen! Wie? Stehlen, Morden, Ehebrechen, Falschschwören, dem Baal räuchern, fremden Göttern folgen-, die ihr nicht kennt; dann kommen, euch hinstellen vor mir, in diesem Tempel, der meinen Namen führt und sprechen: Nun haben wir uns entledigt, um dann wieder jene Gräuelthaten begehen zu können! Seht ihr dann das HauS, nach mir genannt, für eine Höhle unverschämter Buben an? Doch ich, ich habe es mir gemerkt, spricht der Herr (Jeremias 7, 2 — 11). Wohl hat cs sich der Herr gemerkt, denn er hat (einen Altar verlassen, sein Heiligthum verworfen. (Klagelieder 2, 7). Wie ist Tempel und Altar nun aber wieder zu erlangen; Ich antworte: Unser Gottesdienst bilde nur Gottes diene r!! Ich sage unser Gottesdienst; denke aber an keine einzelne Gemeinde, sondern an alle Gemeinden — an ganz Israel. Denn so viel auch an dem Aeußern der meisten israelitischen Gotteshäuser zu bessern ist, so ist doch das Innere gut! Wird nicht in jeder Synagoge das Höre Israel! (5. Moses 6, 4—9) als des israelitischen Glaubens Grundlehre tagtäglich iu Andacht verlesen? Nun, wie meint ihr, wenn die in diesen Versen enthaltenen Wahrheiten: Gott ist einig — liebe Gott über Alles — unterrichte in diesen Lehren deine Kinder, so lange du lebst — nur recht beherzigt werden, was dadurch für Menschen, für Israeliten entstehen möchten! Wie meint ihr, wenn der köstliche Inhalt der sogenannten achtzehn Segensformeln 0-,"' r6s?n)/ bei der lebenden Menge nur recht ins Leben überginge, von welchen heilsamen Folgen dies sein würde. (Schluß folgt.) Die Juden in Preußen.*) Bei Gelegenheit der ZeitungSdiscussionen über die preußischen Juden, denen man, „in ihrem Interesse," Corporationen geben will, erinnern wir uns einer alten Anekdote: König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, bekanntlich ein strenger Fürst, bemerkte vom Garten seines Schlosses auS zwei Juden, die seiner kaum ansichtig wurden, als sie sich im benachbarten Gebüsch verbargen. Der König schritt zornig auf sie zu und fragte, als er sie gerufen hatte: „Warum flüchtet Ihr Euch?" — „Wir fürchten uns, Ew. Majestät." — „Ihr sollt Euch aber nicht vor mir fürchten," rief der König, indem er mit seinem spanischen Rohr höchst eigenhändig auf sie losschlug, „lieben sollt Ihr mich, lieben!" *) Aus den Grenzboten. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.

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