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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-02-05 · Heft 6 (5.2.1843) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 6 (5.2.1843)
Date
1843-02-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Getchichte -es Tages. Zn der neuen Londoner Westsynagoge hat nun auch die erste Confirmation stattgefunden und einen großen Eindruck auf die Gemeinde gemacht. Dem Geistlichen dieser Synagoge wurden kürzlich 100 Bettdecken, 100 Flanelljacken und 200 Paar Strümpfe gesendet, um sie unter arme Israeliten zu vertheilen. Der Brief war unterzeichnet: „Eine christliche Dame.« Die israelitische Gemeinde in St. Thomas (dänische Antillen) will jetzt einen Geistlichen aus Europa berufen. Dieselbe besteht aus ungefähr 500 Personen; der größte Theil ist mit dem Handel beschäftigt; ungefähr 100 beobachten den Sabbath; der Gottesdienst geschieht in der größten Ordnung und die Schluß- Hymne wird englisch durch die Männer und Frauen gesungen. Ein belgisches Blatt enthält folgenden Bericht: „Jedesmal, wenn ein Te Deum bei Gelegenheit eines politischen oder dynastischen Festes angekündigt wird, liest man in der Ordonnanz: „ein gleicher Gottesdienst wird in dem protestantischen Tempel und in der israelitischen Synagoge stattfinden." Ich wollte mich überzeugen, wie man ein Te Deum nach jüdischem Ritus zusammensetzt, und kannte keine bessere Gelegenheit als den 21. Juli, den Jahrestag der Einsetzung des Königs Leopold, wählen, denn keine Gemeinde in Belgien, nach der katholischen, hat mehr Nutzen von der Revolution von 1830 gezogen, als die jüdische, die ziemlich gut auf dem Staats-Budget dotirt .und völlig frei von allen Eingriffen in ihre hierarchischen Verhältnisse ist. Man spreche mir nun nicht mehr von Gleichgültigkeit in religiöser und patriotischer Beziehung unter den Juden, oder von Unordnung ihres Gottesdienstes! Sicherlich ziehen Fest- und Fasttage nicht mehr Gläubige zum Tempel, und derselbe Eifer hatte die Damen beherrscht. ES verstehet sich, daß der Großrabbine und die Beamteten im großen Kostüme waren, daß alle Mitglieder des ConsistoriumS und die Notablen, die Ritter des Leopold-Ordens und die zahlreichen RegierungSbcamteten jüdischen Glaubens zugegen waren; die Psalmen Davids wurden auf höchst melodiöse Weise mit Begleitung eines Änabenchors, der hier die Instrumentalmusik vertritt, gesungen. Den Genuß vollkommen machte aber die Predigt des Grvßrabbinrn, die sehr angemessen war. Neben mir stand ein anderer fremder Katholik, der in meinen Beifall einstimmte. ALS belgischer Patriot freute ich mich besonders des Enthusiasmus meines Nachbars von jenseit .des Rheins, der da wünschte, die Räthe Sr. Majestät des Königs von Preußen, Baiern u. s. w. hätten dieser Feier bcigewohnt. Baiersche Blätter berichten: „Ungewöhnliches Aufsehen macht gegenwärtig bei unsren Theologen und Nichttheologen, besonders bei Allen, welche eine Verbesserung der jüdischen Gebräuche wünschen, ein in der Schrag'schen Buchhandlung in Nürnberg enschienenes Werk, betitelt: „die Menschenopfer der alten Hebräer." Es kann nicht fehlen, daß es von christlicher und jüdischer Seite Angriffe gegen dieses Buch regnen wird; allein Eines wird jeder unbefangene Leset daraus mit hinwegnehmen, die Uebcrzeugung, daß jede Regierung wohl thut, die Heller denkenden Rabbinen zu unterstützen, welche eine zeitgemäße Verbesserung des alten Judenthums beabsichtigen." Neuerdings hört man wieder, daß der k. Nkas, die Militärpflichtigkeit der polnischen Juden Polens betreffend, bis auf den 1. Juni 1844 suspendirt worden sei, waS die plötzliche Einstellung der Conscription auch in der That zu bestätigen scheint. Der jüdische Vorstand der Warschauer Gemeinde hat gleich beim Bekanntwerden des Ukas den Beschluß gefaßt, eine Deputation nach Petersburg abzusenden, um von dem Kaiser die bürgerliche Gleichstellung mit den Russen zu erbitten, da nach dem Gesetze von 1817 das Bürgerrecht den Juden zukömmt, sobald sie zum Militärdienste zugelaffen werden. Ein Schreiben aus Odessa in der Schlesischen Zeitung gibt ebenfalls der Hoffnung Raum, daß bald eine bessere Periode für die jüdische Bevölkerung des EzaarenreicheS eintreten werde. Die Zahl derselben wird aus 2,180,000 Seelen angegeben, von denen 15,000 auf die Stadl Berdidczew kommen. Desgleichen schreitet durch die Bemühung des LandrabbinenS Rodenheimer im Fürstcnthum Hildeshcim die Synagogen-Berbesserung fort, und auch der dortige Handwerksverein enthält durch den von Rodenheimer angeregten Eifer der Gemeinden eine immer größere Ausdehnung. Die Sprüche der Väter. Ein Beitrag zur Charakteristik des Geistes der Mischna. Von Dr. Jacob Auerbach. (Schluß von Nr. 5.) „Unsre Väter waren in ihren Aussprüchen schweigsam und erhaben, kur; und tiefsinnig; sie wurden dadurch zuweilen dunkel und räthselhast, niemals aber weitschweifig. „Mein ganzes Leben« — sagte Rabbi Simon, Sohn des Gamaliel (Aboth 1, 15) — „Mein ganzes Leben bin ich ausgewachsen unter Weisen, Und Hab' nichts Beß'res für den Mund *) gefunden, als — daS Schweigen. Die Hauptfach' ist die That, und nicht das Lernen, Lehren, Wer Worte häuft, kann Anlaß zur Versündigung nicht meiden." Diese Männer faßten das, was sie ihren Zeitgenossen anempfchlen wollten, in kurze Regeln, welche später an einen Faden gereiht und im Namen ihrer Urheber mitgethcilt wurden, gaben in einzelnen Aussprüchen die im Leben zu beachtenden Hauptpunkte an, und zählten diese zuweilen auf — woraus in später« -) Wir übersetzen so, weil dieses mit dem Ausdruck :>*OT2'E 210 T1NS8 angedeutet ist. Ohne sich näher darüber zu erklären, sagte R. S. B. G.: Für den Leib und sein nächstes Organ des Gedankens, den Mund nämlich, ist nur Schweigen gut; der Geist soll denken, der Leib handeln, nicht aber viele Worte machen, welches weder für den Gedanken noch für die That zuträglich ist.

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