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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-01-22 · Heft 4 (22.1.1843) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 4 (22.1.1843)
Date
1843-01-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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IS Daß Gott mehr als heilig, anbetungswürdig sei, ist ein Gemeinplatz, de» jedes Kind begreifen und glauben kann. Daß Gott von den Menschen angebetet sein will, ist schon schwerer und nur im frommen, religiösen Sinne zu erfassen. Daß Gott das Bewußtsein seiner Anbetungswürdigkeit hat, ist ein erhabener und philosophischer Gedanke, der in seinem Umfange, wie alle Ideen von der Gottheit, unser Denkvermögen weit überschreitet. — Hätte jener begeisterte Rabbi, statt sein Mährchen zu erzählen, nur die wenigen Worte niedergeschrieben: Gott weiß, wie anbetungswürdig er ist, daher will er von den Menschen angebetet sein, nnd sie sollen ihn anbeten, so würde man ihn seiner nationalen Begriffe von einem heroischen und zornigen Gotte halber nicht lächerlich finden. Ein Rabbi hat aber weder unsere Schulen, noch Academicn besucht, seine Sprache ist nicht die corrckte, gefügige und gewandte unserer Tage! er spricht auch nicht zu dem gebildeten heutigen deutschen Lesrpublikum, er spricht zu seinen an dem Ceremoniendienst Hangenden Juden und begehrt von ihnen: Wenn Ihr Morgens die Gebetriemen umwindet, wie Gott Euch befohlen, und den Herrn lobt, so sollt Ihr denken, daß Gott dasselbe thue und dieselbe Ceremonie verrichte, da werdet Ihr fühlen, was Ihr betet, und Euer Herz wird sich hoher zu dem erheben, den Euer Mund lobt. Denn wie arm und schwach ist Eure beste Andacht und Euer innigstes Gebet gegen Gottes eigenes Lobgebet, weil er das Licht ist und Ihr nur -linde Maulwürfe seid, wo er sich selber kennt und fühlt und Ihr in Staub und Nacht höchstens den Willen habt, zu ihm cmporzustreben. Doch ein Rabbi denkt nicht bewußt, sondern mit der Phantasie; seine Sprache, der unbehülfliche stzlus asiaticus greift die ersten, nächsten Bilder aus dem Leben und macht sich darin verständlich, so gut er kann. Mit einem Worte, dieß war nur die Vision eines fanatischen Rabbi's, der, indem er sich die Gebetriemen anlegte, von der Heiligkeit seiner Ceremonie so durchdrungen war, daß er Gott im Himmel dasselbe thun sah." Der Constitutionel vom 5. Nov. enthält „den Schluß der Mittheilungen von F. F. über die Juden in den Barbareskenstaaten. Es sind die Leichenceremonien und die religiösen Feste, die der Feuilletonift diesmal bespricht. Bei den Leichenceremonien geht es, ihm zufolge, unglaublich lärmend und unordentlich zu. So sah er in Tunis eines Tages 80 —100 Personen, darunter 60 — 70 Weiber, in seiner Nachbarschaft versammelt. Es war ein Jude, den er gekannt hatte, gestorben. Zwölf Stunden nach dessen Tode erschienen die Klageweiber, ohrenzerreißendes Geheul ausstoßend, Grimassen schneidend, sich mit den Nägeln zerkratzend, in kurzen Pausen Wasser und Anisett zur Erfrischung trinkend. Die Klage über den Verstorbenen wechselte mit monotonen Unterhaltungen zu seinem Lobe ab. — Nicht lange darauf sah er vom Fenster seiner Wohnung aus, wie die Leiche, in einen breiten gelben Kasten gelegt, unbedeckt, (drei gelbe Kerzen waren am Rande aufgerichtet) fortgetragen wurde. Das Gefolge sang schauerliche Weisen, die Träger schienen spornstreichs davon rennen zu wollen. Man schlug sich förmlich um die Ehre des Tragens. Die Ersten und die Letzten im Zuge schrieen fürchterlich. — Bei solchen Zuge» werden die Jude» häufig von den Mauren angegriffen und selbst in Algier finde» nicht selten solch» Störungen statt. Der Gottesacker liegt in Tunis außerhalb tv* ThoreS, am Ufer des Sees. — Die Reichen liegen abgesondert und ihre Angehörigen lassen ihnen schöne Denkmäler setzen. — Der Verfasser reiht darauf einige seltsame Züge jndisch-berberi» schen Aberglaubens an. Die zum Islam übergetretene» Juden haben in Tunis einen besonder» Kirchhof. Tie Mauren glaub»« erst nach 90 Generationen (o weh uns armen Juden!) würde» solche Juden jenseits mit den gebornen Gläubigen rangiren; ei» Christ könne schon bei Lebzeiten aus einem Renegaten ein Musel» mann comme il faut werden. Noch immer stehen in Nordafrit» einzelne Juden im Gerüche der Heiligkeit. So betrachtete ma» besonders einm Rouby Mouchy (?) als heilig. In der Nähr solcher Heiligen begraben zu liegen, — danach strebt man im Leben mit großem Eifer. So bestimmte ein Sensal des franz. Cousulats, ein Jude, 2000 Piaster für die Armen, um diese» Zweck zu erreichen. Der Aberglaube an den Todesengel ist noch immer allgemein; das Wasserausgießen, das Lichtbrennen und das Jahresminjan sind, wie sich von selbst versteht, auch dort gebräuchlich." Aus Gießen meldeten vor einiger Zeit öffentliche Blatterr Am ersten Christtage fand hier eine religiöse Handlung statt, di» wohl auch anderwärts Theilnahme erregen dürste: eine Grabred» eines christlichen Geistlichen auf dem israelitischen Friedhof vor der Leiche einer vortrefflichen israelitischen Frau. Tie Hingeschiedene, eine geborne Mannheimerin, in glücklicher Ehe verbünde» mit dem hiesigen Rabbinen vr. Levi und Mutter von vier Kindern in noch zartem Alter, hatte als gleich ausgezeichnete Gattin, Mutter und Hausfrau im Leben allgemeine Achtung genossen, die noch erhöht ward durch ihre feine Bildung, ihre schönen Kunst-, fertigkeiten, vor Allem durch die trefflichen Eigenschaften ihres Gemüths, die ihr namentlich viele Freundinnen unter den gebil-. dcten Frauen der Stadt gewonnen hatten. Je größer die Achtung und Zuneigung war, die ihr im Leben geworden, um so allgemeiner sprach sich bei der Kunde von ihrem Hinscheideu die öffentliche Theilnahme aus. Als nun nach dem Wunsche des Hinterbliebenen Gatten und mehrerer seiner Glaubensgenossen der erst« evangelische Stadtgeistliche dahier, Kirchenrath vr. Engel, a» ihrem Grabe auf dem israelitischen Friedhof am ersten Festtage die Leichenrede hielt, und in dieser ergreifenden Stunde die herrlichen Eigenschaften und Tugenden der Entschlafenen in zweckgemäßen und gemüthvollen Worten schilderte, da feierte in der allgemeinen Rührung, in dem tiefen Ergriffensein der Zuhörer von beiden Religionen das Edelste im Menschen seinen schönste» Triumph; das Judenthum stellte es auf, das Christenthum er-, kannte es an. Vor der Allmacht der schönsten Gefühle der Menschenbrnft sank hier die Scheidewand der zwei Religionen nieder, und Ein Gefühl beseelte Christen und Jsraetiten, — der Friede» Jehovah's der edlen Israelitin, die noch im Grabe veredelnd wirkte! Und Dank dem ächtchristlichen Geistlichen, der dem bewegter? Gemüthe des Christen wie des Israeliten die Worte lieh! Ganz besonders rbut sich di« freie Reichsstadt Krakau m

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