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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-01-22 · Heft 4 (22.1.1843) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 4 (22.1.1843)
Date
1843-01-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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14 6nes tausendjährigem Unrechts find s» große Rechte und Wichten, daß schon die bloße Appellation an dieselben in jedem Ehrenmanne einen Wiederklang zu finden gewiß sein kann, ja die bloßen Worte schon oft hinreichen, die Sache, (zu deren Verteidigung sie gebraucht werden, populär zu machen." „Wenn die Sache der Juden eine populäre geworden ist, so kann es nicht ein Verdienst ihrer Vertheidiger, sondern nur daraus zu erklären sein, daß das Volk den Zusammenhang ahnet, in welchem die Emancipation der Juden mit der Entwickelung unserer gesammten Zustände steht." „Die Bertheidiger der Judenemancipation haben diesen Zusammenhang ausgesucht und wirklich dargestellt. In einer Zeit, in welcher die Kritik sich an Alles, was die Welt bisher beherrschte, gewagt hat, haben sie die Juden und das Judenthum kurz und gut das sein lassen, was sie sind, oder vielmehr man fragt nicht einmal, was sie sind, und ohne zu untersuchen ob ihr Wesen mit der Freiheit verträglich ist, will man sie zur Freiheit erheben." „Das Judentum soll also ein Privilegium haben: rcht, wo die Privilegien unter den Streichen der Kritik fallen, und auch später noch, wenn sie alle gefallen sind?" „Wir werden die Kritik gegen beide Seiten des Gegensatzes richten: nur so und nicht anders wird er feine Auflösung finden." „Womit die Advokaten aufzuhören pflegen, daß sie »ämlich die Richter und das Publikum zu rühren suchen, wäre es auch nur, daß sie zeigten, wie ihre Klienten durch die Noth etwas über die gerade Linie getrieben seien, damit fangen gewöhnlich die Bertheidiger der Jude» an. Entweder klagen sie über den Druck, unter welchem die Juden in der christlichen Welt gelebt haben, oder wen» sie einige von den Vorwürfen, die sich auf Gesinnung, Gemüthsatt und Zustand der Juden beziehen, zum Theil zugebcn, so machen sie jenen Druck »vr noch gehässiger, indem sie behaupten, er sei allein am jener Gemütsart und an dem gesunkenen Zustand des Judenthums schuld." „Bon Märtyrern sagt man gewöhnlich, sie seien «»schuldig getötete-cs gibt keine größere Beleidigung, die man ihnen anthun könnte. Hatten sie denn «rchts gethan, wofür sie litten? War das, was sie getan haben, der Lebensweise und den Vorstellungen ihrer Gegner nicht entgegengesetzt? Je größer und bedeutender sie als Märtyrer sind, um so größer muß ihre That «wesen fein, die gegen das Bestehende verstieß, d. h. um s» größer ist ihre Schuld gegen das Bestehende gewesen." „83on den Juden nmd man doch wenigstens sagen «olle», daß sie für ihr Gesetz, für ihre Lebensweise und ffa ihre Nationalität gelitten haben, oder Märtyrer waren? Nun, dann waren sie auch schuld an dem Druck, den sie erlitten haben, denn sie riefen ihn durch die AnhänMchLüt au ihr Gesetz, an ihre Sprache, an ihr ganzes Wef» hervor. Ery Nichts kann man nicht drücken; was man drückt, muß durch sein ganze- Sein und durch die Art und Weise desselben den Druck verursacht haben." „Im Orient hat der Mensch noch nicht gewußt, daß er frei und vernünftig ist, also auch die Freiheit und Vernunft noch nicht als sein Wesen gekannt, sondern seine wesentliche und höchste Aufgabe in die Vollziehung verstand- und grundloser Ceremonien gesetzt. Der Orientale hat also auch noch keine Geschichte, wenn Geschichte nur das genannt zu werden verdient, was eine Entwickelung der allgemeinen menschlichen Freiheit ist." „Die Feindseligkeit der christlichen Welt gegen das Judenthum ist vollkommen erklärlich und. in ihrem beiderseitigen wesentlichen Verhältnisse begründet. Keines von beiden kann das Andere bestehen lassen und anerkennen; wenn das Eine besteht, besteht das Andere nicht; jedes von beiden glaubt die absolute Wahrheit zu sein, wenn es also das Andre anerkennt und sich verläugnet, so laugnet es, daß es die Wahrheit sei." (Fortsetzung folgt.) So eben erhalte» wir das Gutachten des Land - Rabbinen Hofmann über das Schreiben jüdischer Schulkinder. Wir werden dasselbe nebst einer Mittbeilung von Herrn Hofmann selbst in der nächsten Nnmmer besprechen. Redaet. Geschichte des Tages. Eine der erfreulichsten Erscheinungen in der Tagesgeschichte bildet die fromme, tiefsinnige Weise, mit welcher man jetzt das, was der Geist der Vorzeit erzeugt hat, auszufassrn strebt. So äußert sich eine neue Schrift*) über die talmudische Agadath: *3» einem anonymen Werke „Juden und Rabbinen« wird folgendes Mährchen erzählt und verhöhnt, — was einfür allemal unrecht und unverständig ist; denn Unsinn und Tollheit werden nicht Volkspoesie, und was der Vater der Mühe werth erachtet, seinen Söhnen, diese ihren Kindeskindern zu erzählen, und' was sich so forterbt von Geschlecht zu Geschlecht, muß seine Bedeutungen und Beziehungen haben, wodurch es glaublich, erzählens- und hörenswerth Jahrhunderte hindurch bleibt. — Ein alter jüdischer Rabbi träumte oder sah den Tempel Zion im Himmel, welcher der Sage nach ganz dem zerstörten Tempel zu Jerusalem völlig ähnlich war, und Gott selbst ging alle Morgen in den Tempel, wand sich die Gebetriemen um Stirn und Arme und sprach das Morgengebet, sagte aber statt: Gelobt seist Du, Ewiger, Herr der Engel, König der Welten, der Du befohlen hast, die Gebetriemen anzulegen: „Gelobt sei ich Ewiger, Herr der Engel, König der Welten, der ich befohlen habe, die Gebetriemen anzulegen.« Es ist so leicht, dirß lächerlich zu finden, daß man wahrlich seine Worte sparen sollte. Schwerer aber ist es, eine Weisheit zu verstehen, wenn sie uns in einer fremden, veralteten Tracht entgegenkömmt. *) Hundert und ein Sabbath, von Herrman Schiff.

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