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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-01-22 · Heft 4 (22.1.1843) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 4 (22.1.1843)
Date
1843-01-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Dr. M. Heß, Großher;ogl. Wcimarschem LandrRavbinen zu StaVt-LengSscld bei Eisenach. Sonntag, -err TT. Januar 1843. LV. Jahrgang. Nr. 4 Bruno Bauer «ver He Jndenfrage. Wer von unseren Lesern von diesem Vorkämpfer für Freiheit und Selbstständigkeit in Kirche und Staat, von diesem kühnen Kritiker, der sein zweischneidiges Schwert gegen alles erhoben, was an Unwahrheit und Unfreiheit grenzt, etwas vernommen hat, erwartet nicht von ihm, und ganz vorzüglich von ihm die Lösung jener Frage, die alle Denkenden der Jetztzeit in so hohem Grade beschäftigt; wer erwartet nicht, daß er sie im freiesten und humansten Sinne beantworten, daß er mit der Schärfe und dem Muthe, mit welchem er gegen Alles was das Vorurtheil verschuldete, aufgetreten, auch das Recht einer durch das Vorurtheil so unglücklichen Glaubensgemeinde fordern werde? Und doch ist es nicht so! Und doch wäre das, was der kühne Kritiker über unsere Frage sagt*) nur geeignet uns aufs Neue mit tiefer Wehmuth zu erfüllen, wüßten wir nicht, daß derselbe zu der excentrischen linken Seite der Hegelschen Schule gehört, zu derjenigen, welche sich so zu sagen durch den Fanatismus der Dialektik charakterisirt. Mit diesem wüthet sie förmlich gegen Alles, was nicht in ihren Schematismus paßt. Vergangenheit und Gegenwart ist ihr gleichmäßig verdammungswerth; die ganze Geschichte eine Blasphemie, Christenthum und Judenthum und überhaupt alle bestehende Religion der Widerspruch der Moral, die Verhöhnung der Humanität, überhaupt nur das Werk trügerischer Sophistik und Heuchelei, weil — sie ihrem philosophischen Prinzip widersprechen; sie ge¬ *) Der ganze betreffende Aufsatz befindet fich im Novemberheft der deutschen Jahrbücher. fallen sich darin, Alles auf die Spitze zu stellen, und auch das vermittelst dialectischer Schlüsse zum moralischen Tode zu verurtheilen, was sie durchs fein volles frisches Leben, und namentlich durch die unzähligen sittlichen Erfolge, welche es in der Geschichte ausgeübt hat und noch ausübt, deutlich genug vom Gegentheil überzeugt. Diesem Fanatismus der Dialektik werden nun in dem gedachten Aufsatze auch die Juden mitsammt ihren Ansprüchen geopfert. Es kann für sie keine Hülfe geben, so lange sie Juden bleiben, und auch dann nicht, wenn sie Christen würden; Judenthum und Christenthum widersprechen an sich aller Emancipation, die Bekenner von beiden sind auf immer zur Unfreiheit, zur Herrschaft unter der Willkühr und dem Privilegium verurtheilt. — Das ist das Ergebniß der Bauerfchen Ansicht. — Doch je überraschender ein solches ist, um so mehr ist es Pflicht für uns, auf die Prüfung derselben einzugehen, und müssen wir uns auch bei der engen Grenze unseres Blattes nur auf die Mittheilung des Wichtigsten und Wesentlichsten beschränken, und auch in dem Uitheil darüber mehr andeutend, als speziell entwikkclnd verfahren, so soll uns doch das von der Erfüllung unserer Pflicht nicht zurückhalten. Es wird ohnehin nicht an Männern fehlen, die sich zur Aufgabe setzen, das Bauersche Gewebe in einer besonderen Schrift zu entwirren, und vielleicht unterzieht sich der jener Arbeit, welcher ihr, dem Kopf und Herzen nach, am meisten gewachsen ist, unser Gabriel Rießer. — ,,Freiheit — so beginnt Bauer seine Betrachtung — Rechte der Menschheit, Emancipation und. Vergütung

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