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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1843-01-15 · Heft 3 (15.1.1843) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 3 (15.1.1843)
Date
1843-01-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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IO so bleibt es doch immer als Exercitium des Geistes von großem formellen Nutzen.«) Ein andrer Grund für die Werthhaltung und Pflege der hebräischen Sprache wäre folgender: Es sind die Engherzigen nicht, die da glauben, ein achter Patriot dürfte nicht über die Grenzen des Vaterlandes hinaus lieben. Alles Interesse, alle Anhänglichkeit müße seine Fäden an die Grenzpfähle knüpfen. Von dieser Seite wurde es nun den Israeliten häufig vorgerückt, daß sie nothwcndig schlechte Bürger sein müßen, weil sie mit Antheil auch des Glaubensgenoßen jenseits des Schlagbaums gedenken, weil der Grenzbach nicht die Liebe zum Nächsten drüben abwasche, weil ihr Herz über die vaterländischen Gebirge steige. Sprecher wagt es aber, sich zum Kosmopolitismus zu bekennen, auf die Gefahr hin, für einen schlechten Patrioten zu gelten, ja er bekennt, daß er eine besondere Anhänglichkeit für seine Glaubensgenossen bewahrt, und ein Gleiches von allen Israeliten fordert. Er hält es sogar nicht absurd, demgemäß zu vermuthen, daß die Vorsehung die Israeliten nach allen Weltgegenden hingcführt, um es ihnen zur Mitaufgabe zu machen, nicht allein den Glauben an einen Gott, sondern auch den Glauben und die Liebe zu einem Vaterlande, das der Welt, vorzubereiten. 7) Doch abgesehen davon, so wird in jeder Confession es für nothwcndig, wenigstens für ersprießlich gehalten, wenn eine gewisse Einheit in der Form stattfindet, eine sichtbare Fahne ihnen allein vorgetragen wird. Die Katholiken hoben ihren Papst, die Budhaisten ihren Dalai - Lama, wie die Muhamedaner einst ihren Kalifen hatten. Mit dem Augenblicke, da diese aushörten von °) Hier hat der Verfasser die Farben etwas zu stark aufgetragen. Es mag sein, daß bei der Klasse der n"n hie und da eine größere Empfänglichkeit für zweckmäßige Reformen angetroffcn wird; dieselbe wird aber unleugbar in noch höherem Grade bei denen angetroffen, welche durch den Schulunterricht vernünftigere Begriffe über Religion erhalten haben. Auch ist das Beispiel nicht selten, daß die sogenannten CTiö^ in den Gemeinden, de» schlichten, einfachen Leuten an Bravheit und natürlichem Rcchtssinn nachstehen, weil das gewöhnliche Studiren der rabbinischen Schriften, wenn es sich nicht mit wissenschaftlicher Bildung verbindet, Geist und Gemüth eine falsche, verschrobene Richtung gibt. Daß übrigms die formelle Bildung, welche durch Erlernung einer ftemden Sprache befördert wird, noch viel zweckmäßiger durch andere Unterrichtsgegcnstände, wie z. B. durch die ersten Elemente der Denk- und Größenlehre ». a. erreicht werden kann, wird dem Verfasser als Pädagogen gewiß nicht unbekannt sein. T) Die Anhänglichkeit des Israeliten au seine Glaubensbrüder aller Länder hat nichts mit dem Kosmopolitismus gemein, sondern ist rein konfessioneller Natur, wie der Kathplik, der Herrnhuter u. s. w sie zu ihren Religionsgenossen haben. — gleicher Bedeutung für alle zu sein, war es auch mit der Einheit und Einigkeit der Religion und ihrer Bekenner vorbei; daß namentlich den Protestanten eine solche Fahne fehlt, hat ihnen Unheil genug gebracht, und setzt sie noch jetzt immcrwährenven Verlegenheiten und Zersplitterungen aus. Die hebräische Sprache ist aber des Israeliten Panier, sie ist sein Papst, in ihrer Zunge redet er zu allen Kindern Jacobs, in ihr verständigt er sich mit allen seinen Glaubensbrüdern durch alle Länder und Zonen, und ein Dl^» in der Ursprache, ein 'vl "fM -23K n2V» verschafft ihm die wirksamsten Freunde die kräftigste Empfehlung, denn er gibt sich damit zu erkennen als das Kind der gemeinsamen Mutter. Mit dem Verschwinden der Ursprache würde demnach die Einheit, die nothwendige religiöse Einheit aufhören. Wenn erst der Mund sich nicht mehr versteht, wird auch das Herz verstummen. g) Was anders ist's aber, mit der vom Einsender in Frage gestellter Ausführbarkeit, oder pädagogischen Möglichkeit jenes Unterrichtes. Keiner fühlt hier das «schwierige mehr, als Sprecher selbst. Ist aber einmal die Nothwendigkeit anerkannt, dann ist eine Unmöglichkeit unmöglich. Was unmöglich ist, kann nicht nothwcndig sein. Aber das Wie? das ist die Frage. Ohne große Beeinträchtigung anderer Unterrichtsgegenstände, oder Vermehrung von Schulstunden, kann das Hebräische nicht mit Erfolg gelehrt werden. Es würde dem Sprecher, als Arbeiter an einer Volksschule, sollten, um dem Hebräischen Platz zu machen, andere Unterrichtsfächer geopfert werden, bei der Auswahl zu Muthe sein, wie der Mutter in den „Hussiten vor Naumburg" die von ihren Lieblingen Einige, um sie dem Tode zu weihen, auslesen sollte. Er würde auch nicht einen Preis geben können. Mit vielem Dank würde er daher jede Belehrung, jeden Wink, der hier den Ausweg zeigte anerkennen. Es wäre traurig, wenn die bloße nicht einmal ordentlich verstandene Sprache, ja schon die Bcgrüßungsformel D1^/ das Band der Einheit einer Confession bilden sollten, und nicht die Lehre, und nicht das Bekenntniß. Dagegen spricht auch die Erfahrung der neuesten Zeit, wo das Hebräische von den Juden immer mehr vergessen wird, darum aber die Anhänglichkeit zum Glaubensbruder keineswegs abgenommen hat. Geschichte des Tages. (Schluß der Aeußerung eines berühmten Schriftstellers über die Nationalität der Juden.) „Das Judenthum verdankt seinen Bestand durchaus keiner Nationalität, sondern nur der sich forterbenden Treue für den Glauben der Väter, der einst mitten in den Finsternissen des greuelvollen Heidenthums in seinen heiligen Schriften das Licht der Wahrheit leuchten sah, und in den Formen des Christenthums

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