Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1842)
- Date
- 1842-12-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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209 in Breslau, die schaamlose Verketzerung eines so hochgeachteten Lehrers unserer Religion; sie hat dahin geführt, daß bereits mehrere unserer gelehrtesten Rabbinen für den so rechtlos Geschmähten in die Schranke getreten sind, daß sie dabei selbst zu Grundsätzen sich bekannten, aus deren Anerkennung und Verbreitung ein neues ( Leben: die von allen Wohlmeinenden so lange ersehnte! Zurückführung unserer Lehre auf ihren ursprünglich gött- * llchen Gehalt, entstehen muß; sie hat das große und heilige Wort der Reformation, der zeitgemäßen und lebensvollen Fortbildung unserer Lehre zur Wahrheit und Wirklichkeit erhoben- Dank darum beim Schlüße dieses wichtigen Jahres den Vertretern der Breslauer Gemeinde nochmals, daß sie durch ihren Eifer für die gute Sache so Großes gewirkt; die cr'euchteten Sohne der Gegenwart anerkennen dieses schon jetzt und segnend wird es ihnen die Nachwelt gedenken. Srlctjicljtc des Tagrs. (Neues auS Frankreich.) -) Einer der Wähler von Chinon, welche den verchrungSwürdigen Crcmieux in die Teputirtenkammer sendeten, erzählt folgenden bei jener Wahl stattgehabten Vorfall: die Qualität eines Juden als Candidat war da, wie sonst, in den Augen einiger Wähler ein Motiv des Anstandes. Cremienx zerstreute aber bald dieses Hinderniß; er überzeugte sie, daß seine Eigenschaft als Jude ihn nicht verhindern werde, den CultuS der Mehrheit der Franzosen zu respectircn. Unter anderem theilte er ihnen folgende Thatsache mit: Vor einigen Jahren ward er von einer Gemeinde im Departement des Lot und der Garonne beauftragt, ein CassationSgcsuch zu betreiben, dessen Gegenstand folgender war: Der Sohn eines alten EdelmanneS, wüthend darüber, daß er nicht zum Maire erwählt ward, forderte ein heiliges Ciborium **) zurück, welches der Gemeinde von seinem Vater geschenkt worden war. Der Friedensrichter hatte seine Forderung verworfen, das Tribunal der ersten Instanz aber sie als zulässig erklärt. Man wendete sich an Crcmicur, um die Aushebung dieses Urthcils zu bewirken. Dieser bot Alles auf, die Gemeinde von einem solchen unglücklichen Schritte zurückzuhalten, der im Falle des NichtgclingenS ihnen mehr Kosten verursachen, als die Wiedererstattung des heiligen CiboriumS betragen würde. Tie Gemeinde bestand darauf und schickte Crcmieux 400 Franks, um das Gesuch anzubringen. Es ward verworfen, und die Gemeinde mußte an 380 Franks Kosten zahlen. Cremieur scbickte aber aus seinen eignen Mitteln ein heiliges Ciborium, das ihm eine Summe kostete, welche die zur Betreibung des CassationSgcsuches erhaltene weit überstieg. Die Gemeinde, gerührt von einem solchen Edelmuth, bcrathschlagte und beschloß, daö Portrait des verehrungSwürdigcn Advocaten in die Kirche an die Seite des Heiligen des Kirchspiels aufzuhängen. *) Nach den Archives Israelit. **) Das Gefäß der geweiheten Hostie. Man schreibt aus Straßburg: Außer den 200V Franks, welche die Herzogin von Orleans unter die zahlreichen WohlthätigkeitSanstalten unserer Stadl vertheilen ließ, hat sie noch ein Geschenk von 10V Franks der Arbeitsschule Übermacht. Vor zwei Monaten machte sie derselben Anstalt ein Geschenk von gleicher Summe. Man erzählt: In einer Synagoge in Algier befindet.sich ein Sepher (Thorarollc), welches man dem Propheten Elias zuschreibt, und welches auS diesem Grunde sich einer ganz besonderen Verehrung erfreut. Ter Aberglaube der Algicrischcn Israeliten ist so groß, daß sie glauben, daß eine Drohung, oder ein Segen, welche vor diesem Sepber gesprochen werden, unfcblbare Wirkung haben. Selbst die Mauren, wenn sie glauben, von einem Juden bestohlen worden zu sein, kommen, um ihr Anliegen diesem Sepher vorzutragcn, und wie man mit Recht glaubt, so hat die Furcht schon oft die Zurückgabe herbcigcführt. In England sind in diesem Jahre wieder zwei Juden zu Sheriffs gewählt worden. Ter Qbcrrabbiner von Zwolle (Holland) dessen Verdienste um Verbesserung des Gottesdienstes wir kürzlich *) gedachten, hat den Holländischen Löwenorden erhalten. In Baireuth starb kürzlich Emanuel Osmund, der ver' traute Freund Hcrdcr'S, Thieriot's, Wangenhcim'S und vor Allen Jean Paul'S, welcher Letztere in Osmunds Armen den letzten Alhemzug gerhan. Er war Israelit und ein Mann von großartiger Empfindung und Weltanschauung, was schon aus dem Umgänge mit oben genannten Männern hcrvorgeht. Mit den meisten von ihnen hat er lange Jahre, mit den ihm in den Tod Vorausgegangencn bis zu ihrem Ende in ununterbrochenem brieflichen Verkehr gestanden; Ansichten über religiöses und sittliches Leben bildeten den Hauptinhalt solcher Mittheiiungen. DaS Baicrische Ministerium hatte einen eignen Commissair nach Fürth geschickt, um persönlich jedes Gemeindemitglied über den Rabbiner I)r. Lewi zu vernehmen. Eine eclatantc Stimmenmehrheit sprach sich aber entschieden für den Letzter» aus und rettete auf solche Weise die Ehre und den Ruf einer so zahlreichen und hcchangcsehenen Gemeinde in Israel. Tic Verbesserungen, welche in der Braunschweiger Sonagoge cingcführt wurden, zeigen schon jetzt ibre segensreiche Wirkung. Wäbrcnd früher öfters kaum die zum öffentlichen Gebete nöthige Anzahl von 1V znsammengebrachl werden konnten, ist jetzt ein Irisches jugendliches Leben voll Anstand und Würde in das Gotteshaus cingezogen. Mit freudigem Eifer werden die Chöre und Gesänge eingeübt und mit Erbauung die in deutscher Sprache gehaltenen Borträge vernommen. Ten Schluß der Tagesgeschichte dieses JabreS bilde aber diejenige heilige Anstalt, welche uns so oft und so freudig beschästigte: der Hamburger Tempel. Die Grundsteinlegung deS neuen Tempelgebäudcs hat nun stattacfundeu und ward *) S. Nr. 50 dieser Blätter.