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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-12-18 · Heft 51 (18.12.1842) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 51 (18.12.1842)
Date
1842-12-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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305 dieser Welt" von besonderem Interesse sei«, da die dort entwikkelten Grundsätze mittelbar auch auf jene Frage Anwendung erleiden. Wir unterlassen daher nicht, Einiges aus demselben in die Spalten unseres Blattes überzutragen: „Wenn nun auch der Mensch von der einen Seite, -er Deivlichkeit, den Gesetzen der übrigen Thierwelt untergeben ist, und wenn er selbst durch die Zugabe des Verstandes fähig wird, diese thierische Natur durch kluge Anwendung zu einer furchtbaren, alles Andre überwältigenden Gewalt zu erhöhen: so hat er in seinem andren, diesem Irdischen diametral entgegengesetzten, göttlichen Theileein moralisches Gesetz, das ihn, wenn ihn seine irdische Natur zum Ungeheuer machen wollte, in entgegengesetzte Richtung führt, und ihn zu einem göttlichen Wesen umzuschaffen bestimmt ist. Der Mensch und die menschliche Familie hat damit den Beruf, von ihrer natürlichen Bestimmung zu einem allverzchrenden Raubthier, in ein mildes, gütiges, geistiges Wesen umgewandclt zu werden; aus einem unmoralischen in einen moralischen Zustand überzugehen. Die Geschichte fast aller Staaten zeigt uns den Menschen und die menschliche Gesellschaft im ersten Zustande, dem natürlichen, dem Reiche dieser Welt. Denn die herrschenden Charaktere waren bisher vorwaltende Zwietracht, und nur gewaltsame Eintracht. Eine Eintracht, einzig durch die Furcht einerseits und durch die Tyrannei andrerseits erhalten ist der antike Charakter des StaatSlebens. Im Innern ein Streit der Gewaltigen gegen die Schwächeren, ein Mißtraum, eine Verachtung, eine Anmaßung, und gegenüber der Stärke, Feigheit und Unterwürfigkeit. Hervorra-. gende Persönlichkeiten waren zumeist solche, die einen großen Vorrath von persönlicher Kraft, Klugheit und Glück zu der Unterwerfung ihrer Mitmenschen in sich vereinigten. Das sind jene Heroen, und ihr Weltgang war von Seiten des Natürlichen ein Gewitter; von Seiten des Geistigen ein unsittliches Raub- und Zerstörungssystem. Die größten Stürme dieser Art nennt man Bölkerwandrungen. Die Führer derselben, rohe Raturkräfte, kennt die Geschichte bis auf wenige, nicht mehr. In diesem allgemeinen Kriegeszustande des menschlichen Geschlechts erheben sich zwar von Zeit zu Zeit Menschen, welche das entgegengesetzte Prinzip zur Herrschaft zu bringen, den Menschen zu entwildern, ihn zu seiner moralischen Würde zu erziehen bemüht waren, Sänger, Religionslehrer und Philosophen; allein sie alle hatten dm rechten Schlüssel nicht zur Lösung jenes großen Problemes, der Umwandlung des natürlichen Menschen aus einem Raubthker, aus einem selbstsüchtigen Zerstörer, in eine göttliche Schöpfung. Man sieht aber auch, welch eine Aufgabe diese seil Diese Lösung wurde noch durch einen Umstand erschwert, der eigentlich jenem Stande der Jnmoralität Dauer, indem er ihm de« Schein -es Rechts, verlieh. Man verstand es, ein wesentliches Unrecht durch gegenseitiges Zugeständniß in ein Recht zu. verwandeln. Noch heute existirt dieser Schein des Rechts in dem Prinzips -er Verjährung, dem Vorurtheile, daß irgend ein Brauch durchs Alter allein geheiligt werden könnte. Auch wurden jene Anmaßungen der Nebermacht, die Erwerbungen der Kriegsgewalt (jus belli) durch Urkunden, Diplome, verbrieft, und damit ihre Dauer gesichert fei, besiegelt; fo mtstand da-, was man Rechtens nennt, vermöge dessen derjenige, der durch körperliche Schwäche, Unglück oder Verrath einst zum Dienende» gemacht wurde, auf immer und ewig ein solcher bleiben sollte; durch diese Derbriefung ward aber nicht allein der Schwächere, Unterliegende selbst, sondem, mit ihm, alle sttne Nachkommenschaft in ihm besiegt und zur Dienstbarkeit gezwungen, während diese Nachkommenschaft, nicht selten jener herrschenden Rare an Geist und Leib überlegen, in das unnatürliche Berhäktniß geriet-, daß Stärke des Leibes und des Geistes der entnervten Schwäche Beider gehorchen und dienen mußte. Mit der Steigerung einesolchen Mißverhältnisses bis zum Unerträglichen stellen sich denn naturgemäß die Umwälzungen der Verhältnisse ein, und mit ihnen zumeist nur wieder die natürlichen Folgen, die nämlich, daß der, für welchen von nun an die Kraft und das Glück entschied, an die Stelle dessen trat, der vorhin im Besitze war, deßhalb sind Revolutionen in asiatischen Despotien nur Wechsel der Herrscher. Das Prinzip blieb, nur die Personen wechselten. Die Geschichte ist das Schauergemälde, ein nächtliches Bild voll Blut und Zerstörung, dieser Bildungsstufe der alteuropäische» Gesellschaft. Begreiflich wird es, daß das wirkliche Unrecht, wo es durch die Klugheit in ein Recht verwandelt worden, nicht anders aufgehoben werden kann, als durch dasselbe Mittel, dem esein Entstehen verdankt. Aber das Prinzip in fein Gegentheil umzukehre», dazu bedurfte es einer höheren, geistigeren Veranstaltung, und die bestand in einer prinzipiellen St-schaffung -er Selaverei, unb mit ihr, -es Despotismus. Ihre Marimen sind durchweg neu und im Widerspruche mit den bisherigen. Vor Allem war. een Protest gegen Sie Ungleichheit -er Menschen auszusprechen. Er heißt: Alle Menschen sind gleich, Geschöpfe und Kinder eines Schöpfers." Ehre dem freien Großbrittanie», das die bürgerliche und politische Selbstständigkeit, welche es selbst errungen, bald auch in ihrem ganzen Umfange seinen israelitischen Bürgern gewähren wird. So wurde kürzlich in einer schottischen Stadt die Oberarztsteüe am allgemeinen Krankenhause und das Viceconfukae zwei geachteten Israeliten übertragen. Auch von den so humanen und hochherzigen Bestrebungen der Russischen Negierung laufen immer erfreulichere Nachrichten rin. In dem Generalberichte, den der Minister der Bolksaufklärung an den Kaiser erstattet, heißt es in Betreff der Jude»: „An dem lebhaften Drange, die öffentlichen Lehranstalten zu unterstützen und zu pflegen, an diesem, sowohl mit den Absichten Ew. Majestät, als auch mit der reifern Ueberlegung von dem wahren Besten des kommenden Geschlechts so übereinstimmenden Drange nahmen auch die übrigen Stände des Staates Theil." „Besonders während des Jahres 1841 erwachte dieses Gefühl auch unter den im Reiche lebenden Israeliten, deren Mehrzahl leider noch hartnäckig bei ihren ererbten Vorurtheilen und in ihrer Jahrhunderte langen Erniedrigung verharret. Der Gedanke, dieses unglückliche Volk mit der bestehenden Ordnung auSzusöhnen, es mittelst einer gründlichen Bildung zu veredeln, ein

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